Die Ciclovia dei Parchi della Calabria ist eine Fahrradstrecke durch 4 Naturparks in Kalabrien: Pollino, Sila, Serre und Aspromonte. 545 km lang ist diese Radtour – und fordert mit nahezu 10’000 Höhenmetern die Radlerbeine gut heraus.
Das ist ein Reisebericht von Marina Vuerich. Sie hat im Juni 2024 die Ciclovia dei Parchi della Calabria mit einem Fahrrad ohne Motor erfahren.
Marina hat den Bericht auf Italienisch geschrieben. Ich habe ihn nach bestem Wissen und Verständnis übersetzt.
Mehr über Marina und ihre Solo-Touren findest du am Ende des Artikels.
Praktische Infos zur Ciclovia dei Parchi Calabria
Alle wichtigen Informationen findest du auf der Webseite der Ciclovia dei Parchi della Calabria. Hier ein paar Ergänzungen:
Etappen
Ich bin die Etappen gemäss der Ciclovia-Website gefahren, habe allerdings mehr Etappen gemacht als angegeben, weil ich eine langsame Radfahrerin bin, nicht mehr ganz jung und keine Sportlerin.
Die kürzeren Etappen haben mir die Gelegenheit gegeben, einige schöne Dörfer zu sehen, Ausstellungen, Kirchen und einzigartige Kathedralen, denn eine Reise besteht auch aus Kultur, nicht nur aus Radfahren mit dem Kopf nach unten – und in Kalabrien gibt es viel Kultur.
Auf diese Weise konnte ich die gesamte Strecke in Ruhe und Gelassenheit radeln, denn als Frau und Alleinreisende wollte ich auf keinen Fall in Schwierigkeiten geraten, vor allem nicht im letzten Park, dem Aspromonte, der wirklich rau, aber sehr schön ist.

Oft hatte ich keinen Netzempfang. Mit dem Garmin kein Problem: der heruntergeladene Track ist perfekt, er verfehlt keinen einzigen Meter. Aber man sollte die Strecke nicht unterschätzen.
Unterkünfte
Auf der Ciclovia-Website sind Unterkünfte aufgelistet, die sich an der Ciclovia beteiligen. Bei jeder Etappe in diesem Artikel findest du den Namen und Link der Unterkunft, in der ich übernachtet habe. Die Preise waren erschwinglich, von 35 Euro bis maximal 65.
Weil ich alleine unterwegs war, habe ich leider oft den Doppelzimmerpreis für zwei Personen bezahlt.
In den Unterkünften der Ciclovia bekommst du mit dem Pilgerausweis meistens, aber nicht immer, 10 % Rabatt auf die Übernachtung. Den Ausweis bekommst du nur in den Unterkünften, die an der Ciclovia teilnehmen.
Schwierigkeitsgrad
Auf der Ciclovia-Website wird die Strecke als «für jedermann geeignet» angegeben. Naja, vielleicht nicht ganz für alle…
Häufige Steigungen im zweistelligen Bereich (maximal 18 %, 20 %, keine sehr langen Anstiege, aber es gibt einige) bringen Radreisende schon mal an ihre Grenzen.
Hunde
Auf dem ganzen Weg habe ich mehrere Hunde getroffen. Sie waren noch müder und erhitzter als ich, also überhaupt nicht gefährlich.
Vorsicht ist nur geboten, wenn man auf Schafherden trifft, die von Maremma-Hunden bewacht werden. Sie tun ihre Arbeit, und wir Radfahrer stören sie…, also sei vorsichtig.
Karte und GPS-Daten
Hier gehts direkt zur Route* auf Komoot. Ich habe sie von der Webseite der Ciclovia dei Parchi übernommen. Du kannst dir dort auch jede Tagesetappe einzeln anschauen und die gpx-Daten herunterladen.
Anreise und Start in Scalea
Die offizielle erste Etappe der Ciclovia beginnt in Laino. Ich überspringe sie, weil sie mit dem öffentlichen Verkehr schwer zu erreichen ist.
Stattdessen starte ich in Scalea, und erst am 2. Tag fädle ich in Mormanno auf die Ciclovia dei Parchi ein.
Mormanno kannst du auch per Bus mit Fahrradtransport erreichen, mit vorheriger Reservierung. Die Linie heisst «La Valle» und bedient die Strecke «Scalea-Papasidero-Mormanno».
Ich erreiche Scalea mit dem Bus, was definitiv eine lange Reise ist, da ich aus Trento komme.
Das schöne Scalea, eine Stadt an der Küste des Tyrrhenischen Meeres, wähle ich als Startpunkt, um mich von der Reise auszuruhen und den Strand mit dem prächtigen Sonnenuntergang und die Altstadt zu geniessen.
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Übernachtung: B&B A Due Passi dal Mare Scalea


Tag 1: Scalea – Papasidero
25 km, 460 Höhenmeter
In Scalea verlasse ich das Meer, ich werde es erst in ein paar Tagen wieder sehen.
Machbare Steigungen, herrliche Landschaften.
Ein kleines Dorf thront auf einem Hügel. Keine Schwierigkeiten im Moment, alles sehr schön.
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Übernachtung: B&B Borgo Antico Papasidero




Tag 2: Papasidero – Mormanno
22 km, 850 Höhenmeter
Die ersten 15 km ab Papasidero steigen heftig an. Gleich nach dem Colle di Trodo erreiche ich Mormanno.
Hier bin ich nun endlich auf der Ciclovia dei Parchi.
Besuch der Kirche Maria del Colle in Mormanno. Die unterirdischen Gänge sind beeindruckend.
Den Sonnenuntergang geniesse ich beim Leuchtturm. Viel, viel Wind.
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Übernachtung: La Casetta di Renato
Tag 3: Mormanno – Saracena
42 km, 660 Höhenmeter
Als ich am Morgen aus dem B&B komme, treffe ich 4 Radreisende aus Neapel. Sie laden mich ein, mit ihnen zu radeln.
Am Nachmittag lasse ich sie ziehen, was mir zwar sehr leid tut, aber meine körperliche Kraft ist nicht die gleiche wie ihre. Daher ist es richtig, separat zu fahren. Auf meiner weiteren Reise sind sie jedoch immer präsent.
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Übernachtung im Casa vacanza Zia Lina. Kein Frühstück, kein Wi-Fi


Tag 4: Saracena – Policastrello
37 km, 700 Höhenmeter
Bei sehr warmem Sonnenschein und Donna Marias Kuchen (die Nachbarin hat ihn mir zum Frühstück gebacken) starte ich heute mit einer Abfahrt nach Firmo und Lungro.
Nach einer Pause, um mich zu erfrischen, fahre ich weiter nach Acquaformasa, durch Arbëresh-Dörfer, in denen man ein altes Albanisch spricht.
Weiter, hinunter nach Policastrello, wo ich im Mehrzweckzentrum übernachte.
Die Unterkunft ist herausragend. Carlo und Emanuela sind von einer unglaublichen Hilfsbereitschaft.
Einfaches, aber ausgezeichnetes Abendessen mit lokalen Produkten. Ich würde sagen: Bingo.
Ich habe es vermieden, noch bis San Donato di Ninea zu fahren, mochte die 10 %-Steigung der letzten 4 km nicht mehr machen. Hervorragende Entscheidung!
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Übernachtung: Mehrzweckzentrum Policastrello kostet 22 Euro, Abendessen 12 Euro


Tag 5: Policastrello – Bisignano
60 km, 490 Höhenmeter
Ich verabschiede mich von Carlo und Emanuela.
Ein sonniger Tag, aber auch starker Gegenwind, sehr anstrengend.
Die Landschaft verändert sich. Felder, Olivenhaine und viele Strohballen sehe ich entlang meinem Weg.
Besuch des KZ Ferramonti.
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Übernachtung: Agriturismo PagliaLonga Bisignano
Tag 6: Bisignano – Acri
26 km, 720 Höhenmeter
Heisser Tag, viele Steigungen, langweilige Strecke, was die Landschaft betrifft.
Auch heute fahre ich auf Strassen mit wenig Verkehr.
Acri ist ein sehr hübsches grosses Dorf, in dem es viel zu entdecken gibt.

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Übernachtung: B&B Sandro Pertini
Tag 7: Acri – Camigliatello Silano
40 km, 780 Höhenmeter
Nach vier Tagen im Pollino-Park durchquere ich heute den ersten Teil des Sila-Parks (eine Erinnerung an Roccia, meinen Vater).
Die mediterrane Macchia taucht wieder auf, gelbe Sträucher mit endlosem Ginster, imposante Bäume im dichten Wald, ein ständiges Zwitschern, alles in einer überwältigenden Stille.
Ich beende den Abend am Cecita-See… der Sonnenuntergang mit der kleinen Kirche von San Lorenzo

Übernachtung: San Lorenzo Si Alberga
Tag 8: Camigliatello Silano – Lorica
33 km, 580 Höhenmeter
Eine Etappe, um die Giganten von Sila zu besuchen… imposant!
Aufstieg auf die 1565 Meter, dem höchsten Punkt der Ciclovia dei Parchi, an den Hängen des Monte Altare. Grosse Anstrengung… zum Glück ist der blaue Himmel warm, aber die Luft ist prickelnd.
Ich erreiche Lorica und den Arvo-See – eine Pracht – und beschliesse, eine Bootsfahrt zu machen.
Landschaft mit riesigen Ausdehnungen von Stechginster… Wälder und grüne Hochebenen.
Lorica ist übrigens ein wichtiges Skigebiet in Kalabrien.
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Übernachtung: Bed & Bike Casa della Montagna ; Abendessen: Dal Brillo Parlante

Tag 9: Lorica – Lago Ampollino
30 km, 383 Höhenmeter
Vom Arvo-See zum Ampollino-See im Sila-Park.
Blütenstaub (viel davon, zum Glück habe ich keine Allergieprobleme), Herden, Holzstapel und -transporte und zahlreiche Brunnen begleiten mich den ganzen Tag.
Ich beschliesse, nochmals mit Blick auf den See zu übernachten, dieses Mal den Ampollino-See. Nach so vielen Tagen im Grünen möchte ich so gerne Wasser sehen.
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Übernachtung: Hotel del Lago Ampollino






Tag 10: Lago Ampollino – Taverna
45 km, 370 Höhenmeter
Ich erreiche Villaggio Mancuso, das aus vielen kleinen, im Wald versteckten Häusern und Hütten besteht. Das sind die Sommerresidenzen der Einwohner von Catanzaro, erfahre ich.
Von hier aus beginnt eine fantastische und sehr lange Abfahrt, die ich vorsichtig angehe.
Ich lerne Tommaso kennen, den Besitzer des Lokals «Mattia’s Pub» in Taverna. Seine Pizza, Pistaziencrème, Mortadella und Pistazien… Mir läuft immer noch das Wasser im Mund zusammen.
Ein paar Tage lang folgt er mir auf dem Weg und ermutigt mich. Er gibt mir wertvolle Tipps und bringt mich mehrmals zum Lächeln.
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Übernachtung und Verpflegung: Mattia’s Pub

Tag 11: Taverna – Tiriolo
39 km, 760 Höhenmeter
Als ich in Tiriolo ankomme, sehe ich das Hotel: tolle Lage oben am Berg, bloss an diesem Tag etwas schwierig zu erreichen. Die Müdigkeit macht sich breit und die Hitze auch. Die Sorge ist nur von kurzer Dauer, denn der Besitzer holt mich mit einer Ape ab – dem dreirädrigen Gefährt das du unten auf dem Foto siehst.
Die Aussicht von dort oben ist wunderbar… rechts sehe ich das Tyrrhenische Meer und links das Ionische Meer.
Hier treffe ich Bernardo wieder, meinen deutschen Zimmergenossen vom Vortag, und so teilen wir uns ein weiteres Abendessen.
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Übernachtung: Hotel 2 Mari Tiriolo


Tag 12: Tiriolo – Girifalco
34 km, 700 Höhenmeter
Ich fahre bergab, aber der Anstieg ist nicht mehr weit. Kilometerlang trete ich in die Pedalen, inmitten von Hunderten von Windrädern und einem starken Wind.
Einige Kilometer vor dem Ende der Etappe taucht der Deutsche Bernardo auf der Suche nach einer Unterkunft wieder auf. Ich lade ihn ein, bei mir zu übernachten, und so sind wir nun schon die dritte Nacht zusammen. Inzwischen sind wir fast ein Paar.
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Übernachtung: B&B Santa Caterina
Tag 13: Girifalco – Torre di Ruggiero
33 km, 700 Höhenmeter
Heute gehts mit einem Aufstieg im zweistelligen Prozentbereich los. Grosse Zufriedenheit, dass ich es schaffe, aber was für eine Anstrengung!
Ich verabschiede mich von meinem deutschen Begleiter – für immer. Er fährt heute zwei Etappen der Route.
Sogleich treffe ich auf den Monte Covello. Dich werde ich nicht so schnell vergessen: 3 Kilometer mit 10 % und mehr Steigung!
Auf der Abfahrt eine spannende und glückliche Begegnung: Kartäusermönche bei ihrem einzigen Jahresausflug.
Am Abend treffe ich Konni, ebenfalls Deutscher. Er ist von zu Hause aus mit dem Fahrrad nach Sizilien gefahren. Ich treffe ihn zwei Tage später wieder.
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Übernachtung: Agriturismo Creta Rossa
Ein Gruss vom Kartäusermönch
Tag 14: Torre di Ruggiero – Serra San Bruno
16 km, 340 Höhenmeter
Sehr schnell komme ich in Serra San Bruno an. Kurze und einfache Etappe.
Gianni, der Besitzer der heutigen Unterkunft Il Vicoletto und von bemerkenswerter Freundlichkeit, begleitet mich zu meinem Zimmer, eine Wohnung für mich mit allen Annehmlichkeiten einschliesslich einer Waschmaschine.
Ich nutze die Gelegenheit, meine wenigen Kleidungsstücke aufzufrischen und besuche das Museum Certosa. Zwei Stunden voller Emotionen.
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Übernachtung: Casa vacanza Il Vicoletto – 55 Euro > top!
Tag 15: Serra San Bruno – Fabrizia
18 km, 340 Höhenmeter
Dies ist eine gut durchdachte Etappe, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten und in aller Ruhe radeln zu können. Fabrizia ist der letzte Ort vor der Einfahrt in den letzten Park, den Aspromonte. Auch hier habe ich nichts dem Zufall überlassen.
Am Nachmittag schlägt das Wetter um… Regen und starker Wind, der einzige Schlechtwettertag. Kleines körperliches Problem, ich finde eine offene Apotheke, um ein Medikament zu kaufen. So viel Glück wieder heute.
In Fabrizia habe ich eine wunderbare Begegnung mit Vincenzo, ebenfalls aus Neapel. Er ist alleine mit einem Zelt unterwegs. Trotz des schlechten Wetters beschliesst er, weiter zu fahren.
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Übernachtung: in privater Unterkunft
Tag 16: Fabrizia – Canolo
50 km, 800 Höhenmeter
Endlich betrete ich den lang ersehnten Aspromonte-Park. Der Wald taucht wieder auf, dichter und dichter. Eine wahrhaft überwältigende Landschaft.


3 km nach Canolo verlasse ich die Hauptstrasse und nehme einen Schotterweg, der mich zu meiner Unterkunft für die Nacht führt. Mitten im Nirgendwo finde ich das Rifugio Il Boschetto.
Einer der Betreiber wartet auf mich, wir essen zusammen zu Abend und verabschieden uns dann.
Ich bleibe allein für die Nacht an diesem aussergewöhnlichen Ort… die einzige Gesellschaft sind die Sterne! Eine wunderschöne und einzigartige Erfahrung.
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Übernachtung: Rifugio Il Boschetto, 3 km nach dem Dorf Canolo – grossartig!




Tag 17: Canolo – Delianuova
27 km, 600 Höhenmeter
Am nächsten Tag verlasse ich mit einer nostalgischen Träne diesen zauberhaften Ort.
Auf halbem Weg treffe ich eine Pilgergruppe, die mich zum Mittagessen einlädt – wie könnte ich da nein sagen…
Die letzten Kilometer mit vollem Bauch machen sich bemerkbar, und nur langsam erreiche ich meinen Übernachtungsplatz, das Rifugio Biancospino.
Auch dies ist ein toller Ort. Die Betreiber, fantastische Menschen!
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Übernachtung: Rifugio Biancospino




Tag 18: Delianuova – Gambarie
27 km, 680 Höhenmeter
Ein paar Kilometer vor dem Start finde ich Schilder nach Gambarie. Sofort führt mich eine Strasse mitten in einen Wald, der schlichtweg umwerfend ist. Nach einem ständigen Auf und Ab befinde ich mich mitten im tiefsten «Aspromonte», wo ich überall nur Bäume sehe, kein Telefonempfang…
Mein Kopf, vielleicht auch ein wenig von der Müdigkeit benebelt, verlässt mich, aber ich beschliesse, diese Strecke so gelassen wie immer zu geniessen, bis ich eine anspruchsvolle Abfahrt mit engen Haarnadelkurven erreiche… Wie im Märchen!
Am Ende der Abfahrt befinde ich mich auf der Strasse, die mich in wenigen Kilometern nach Gambarie führt. Das Tal öffnet sich, das Meer taucht wieder auf.
Ich kann es mir nicht verkneifen, das Mausoleum und den Cippo von Garibaldi zu besichtigen, also beginne ich an der Kreuzung mit dem Aufstieg, bis ich es erreiche. Auch hier eine gute Entscheidung.
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Übernachtung: Park Hotel Bellavista


Tag 19: Gambarie – Reggio Calabria
37 km, 210 Höhenmeter
Ich habe die letzte Etappe erreicht… die Ziellinie wartet heute auf mich. Die Gefühle sind vielfältig, ich habe diesen Tag erwartet – und wie ich ihn erwartet habe!
Aber jetzt ist mir bewusst, dass meine Reise zu Ende geht. Ich trete langsam in die Pedale und geniesse die vielen Ausblicke auf das Meer.
Ich beschliesse, die letzten Kilometer, die der Radweg vorgibt, nicht zu fahren, denn meine Freunde aus Neapel haben mich gewarnt: vor der Abfahrt auf einer engen Strasse mit noch engeren Kehren und einer wirklich steilen 19/20%igen Steigung.
Ich biege also links ab und folge der ursprünglichen Route der Ciclovia, die dann im Laufe der Jahre geändert wurde.
Reggio Calabria ist nun gleich um die Ecke, ich erreiche die Strandpromenade, den schönsten Kilometer Italiens, bis ich das Schild der Ciclovia dei Parchi della Calabria mit der Aufschrift «Benvenuto a Reggio Calabria» entdecke.
Eine Träne läuft mir über die Wange und ich sage mir: «Das haben wir auch geschafft.»
Ich bin stolz darauf, diesen Radweg allein bewältigt zu haben.
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Übernachtung: B&B Kalavria



Ausklang in Reggio Calabria und Scilla
Um diese schöne Reise nicht abrupt zu beenden, bleibe ich noch ein paar Tage in Reggio Calabria und besuche diese schöne Stadt und ihre Umgebung mit dem herrlichen Meer.
Ein obligatorischer Besuch des Nationalmuseums, um die Bronzestatuen von Riace zu sehen.
Und dann kann ich es nicht lassen, nach Scilla zu radeln.
Scilla, mit seiner Burg, den spektakulären Stränden und dem türkisfarbenen Meer. Chianalea mit seinem berühmten Schwertfisch-Sandwich aus dem vom Gambero Rosso ausgezeichneten Restaurant Civico 5.


Rückreise
Zeit, nach Hause zu gehen.
Neue Erfahrung mit Flixbus. Leider muss ich morgens um 5.30 Uhr in Florenz den Bus wechseln… 5 Stunden Wartezeit.
Nun, ich nutze die Gelegenheit, um einen Ausflug ins Zentrum von Florenz (nicht weit entfernt) zu machen, und während alle noch schlafen, geniesse ich das langsame und stille Erwachen einer Geisterstadt.


Dank
Mein herzlicher Dank gilt den Radlerfreunden, die ich unterwegs getroffen habe (wenige, aber gute), den Betreibern der Bars und Restaurants und der wunderbaren kalabrischen Gastfreundschaft. Obwohl ich allein unterwegs war, hatte ich nie das Gefühl, einsam zu sein.
Grosses Danke an meinen Franco, der zwar nicht dieselbe Leidenschaft hat wie ich, mich aber seit Jahren aus der Ferne auf meinen Solo-Reisen unterstützt.
Gastautorin Marina Vuerich
Ich bin Marina (57), geboren und aufgewachsen in Moena im Valle di Fassa im Trentino – ein kleines Fleckchen Paradies.
Da ich in den letzten Jahren im Tourismussektor gearbeitet haben (im Winter als Sekretärin in einer Skischule und im Sommer als Sekretärin an der Rezeption eines Hotels), hatte ich viele freie Monate zur Verfügung. Monate, in denen ich versuchte, die mir zur Verfügung stehende Freizeit zu nutzen und zu füllen.
Eines Tages sitze ich vor einem schönen Bier im Zentrum von Glorenza, einige Radreisende, nicht mehr ganz junge Leute, alle mit dem gleichen Gesichtsausdruck… glücklich und lächelnd.
Ich strahle und denke laut: «Ich werde eine von ihnen sein!!!!»


Ich begann mit einem einfachen Spinning-Kurs und dem Kauf meines ersten Fahrrads. Ein Bianchi-Mountainbike, das ich heute noch habe, Liebe auf den ersten Blick.
In den ersten Jahren bin ich nur durch das Tal gefahren, in unseren wunderschönen Wäldern. Ich merkte jedoch, dass es mich langweilte, immer wieder die gleichen Strecken zu fahren.
Also erzählte ich meinem Mann lachend und scherzend von meinem Wunsch, eine kleine Radtour zu machen: Ora-Mantova einfach. Ich studiere die Strecke, alles auf Radwegen… Alles scheint perfekt zu sein.
Ich will jedoch nicht verschweigen, dass ich viele Ängste hatte. Ich wusste nicht, was mich erwartete, und keine Gewissheit zu haben über die Strecke, die Unterkunft, eventuelle Unannehmlichkeiten mit dem Fahrrad, kurzum… wie ich mein erstes Abenteuer bewältigen sollte, verunsicherte mich ziemlich. Ich habe nicht aufgegeben, der Wunsch, dieses Abenteuer zu wagen, war wirklich gross.
Eines Morgens machte ich mich also auf den Weg und erreichte innerhalb von zwei Tagen Mantua! Ich war sehr stolz auf diese kleine Leistung und so voller Energie, dass ich beschloss, mich nicht, wie ursprünglich vereinbart, abholen zu lassen, sondern mit dem Fahrrad zurückzufahren.
Das, was mich an dieser kleinen Tour am meisten beeindruckt hat, war die Tatsache, dass ich mich gut fühle und glücklich bin, wenn ich mit mir selbst zusammen bin und die Freiheit erlebe, die das Radfahren einem geben kann.

Auf dieser Reise stellte ich jedoch fest, dass es viel zu verbessern gab. So begann ich innerhalb kurzer Zeit, dank der Empfehlungen von Freunden, mein Fahrrad mit einem Gepäckträger, wasserdichten Taschen, einem Garmin, schmaleren und damit leichter laufenden Rädern, einem Flickzeug, einer Powerbank und funktioneller Kleidung auszustatten.
Selbst heute, wenn ich von einer Reise zurückkomme, versuche ich, einige Dinge zu verbessern, was nie schadet. Nach 10 Jahren zahlreicher Reisen sind die Emotionen beim Aufbruch und bei der Planung der Route immer dieselben geblieben.
Seitdem habe ich zahlreiche Frühlings- und Herbstreisen unternommen, und mit jeder Tour habe ich die Entfernung vergrössert. Von jeder Reise, die ich ausschliesslich alleine unternommen habe, komme ich mit einem Rucksack voller Erfahrungen zurück, mit Freunden, die ich unterwegs kennengelernt habe, mit angenehmen Überraschungen, schönen Gefühlen, Lachen und sogar ein paar Tränen, aber vor allem mit dem grossen Wunsch, wieder aufzubrechen!
Nachfolgend einige meinen Radreisen:
- Moena, Mantova, Ferrara, Ravenna, Comacchio, Rimini
- Moena, Mantova, Cremona, Piacenza, Bobbio, Chiavari, Portofino, Genova
- Siena, Roma
- Percorso di Santiago di Compostela (Jakobsweg)
- Moena, Mantova, Novellara, Bastiglia, (Ciclovia del Sole), San Giovanni in Persiceto (Zug bis Cervia wegen Unwetter), Rimini, Pesaro
- Vom Trentino nach Puglia (Moena – Santa Maria di Leuca)
- Sizilien-Umrundung
- Korsika-Umrundung
- Bolzano, Innsbruck, Salzburg, Ciclovia Alpe-Adria, Udine, Trieste, Pola.
- Ciclovia dei Parchi della Calabria
Vielen Dank, liebe Marina, für diesen tollen Artikel und weiterhin viel Freude auf deinen Reisen!
Mein Kollege und ich haben die Ciclovia im November 2025 (batterisiert!) von Scalea bis Reggio Calabria abgefahren. Es war eine wunderbare Erfahrung mit vielen positiven Erlebnissen und Begegnungen. Landschaftlich unglaublich eindrücklich und sehr abwechslungsreich. Wir haben die Etappen entlang der Vorschläge auf der offiziellen Webseite zusammengestellt. Aufgrund unserer zeitlichen Vorgaben mussten wir 2 Etappen zusammenlegen und an einem Tag 80 Km abspulen. Dieser Tag war eher „von der harten Sorte“. Die Ciclovia stellt konditionell schon einige Ansprüche (ca. 11’500 Höhenmeter auf 600 Km) und wir waren definitiv froh um die e-Unterstützung.
Wir sind mit dem öV von Bern über Mailand, Genua nach Scalea angereist. Eurocity bis Mailand und ein Intercity nach Genua am ersten Tag. Intercity von Genua bis Rom und von Rom nach Scalea am zweiten Tag. Da wir unsere Velos nicht zerlegen wollten, waren die Intercitys eine machbare Alternative. Auf der Rückreise sind wir nach Sizilien übergesetzt und per Zug nach Palermo weitergefahren. Dort haben wir die Fähre bis Genua genommen und hatten bei der 20h-Überfahrt genügend Zeit für die Erholung.
Vielen Dank, Andreas, für deinen Bericht. Freut mich riesig, dass ihr eine gute Tour hattet.
Wars im November nicht recht frisch und womöglich auch regnerisch?
Danke auch für den Hinweis zur An- und Rückreise. Das ist etwas, was viele zurückhält, die Tour zu machen. Aber wenn man je 2 Tage einrechnet, ist es machbar, selbst mit E-Bikes.
Die Tour im November war erstaunlich angenehm. Von total 11 Tourtagen hatten wir insgesamt nur an zwei Tagen Niederschläge. Ansonsten war es wettermässig für uns Mitteleuropäer sehr angenehm mit Tagestemperaturen von ca. 15°C. Am Morgen war es teilweise knackig kalt, da die Reise verschiedentlich auf über 1’000 MüM. führte. Die richtige Kleidung samit einer positiven Einstellung für eine Velotour im November waren definitiv entscheidend.
In zwei Woch werde ik diese wunderbare Cicliovia machen (unmotoresiert). Mir gefallt es die ‚hard tracks‘ zu halbieren und ich werde dazu die Etappen van Marima benutzen. Vielen dank dafür. Nach Serra San Bruno wird die Umgebung leer und im Fabrizia ist es mir leider noch nicht gelungen um eine Bed zu finden wie Marina (vielleicht habe Sie eine Idee?)
Ich hoffe dass die Zuge fahren wie geplant (zwei Tage) und dan kann diese Avontur anfangen!
Hallo Jan, ich wünsche dir eine wundervolle Zeit auf der Ciclovia dei Parchi. Ich bin mir sicher, dass du auch unterwegs noch Tipps bekommst für Unterkünfte. Die Bars sind auch immer ein guter Ort, um zu fragen.
Gute Reise!
Was für ein toller Bericht.
bin gerade daran dieselbe Tour zu planen.
Da darf natürlich das durchstöbern der Miss Move Webseite nicht fehlen.
Meine Frau und ich (beide 65 / unmotorisiert) werden uns ende April aufmachen. Das einzige was wir noch nicht gelöst haben ist die Anfahrt nach Scalea von der Schweiz aus. Ist eben nicht gleich um die Ecke. Irgendwie werden wir aber auch diese Zugfahrt hinbekommen.
Wow, Kompliment, ohne E- auf die Ciclovia dei Parchi – wie es Marina gemacht hat
Für die Anreise wäre vielleicht tatsächlich auch der Flixbus denkbar? z.B. ab Rom oder Milano?
Ich bin gespannt, wie euch die Tour gefällt!
Hallo Doro
die Anreise haben wir, für die die es interessiert, gut hinbekommen. Von Zürich nach Milano im EC. Danach gleich auf den InterCity nach Rom umgestiegen. 20.15Uhr in Roma Tiburtina angekommen. Nach zwei Nächten in Rom weiter mit dem InterCity nach Scalea. Dort dann am Nachmittag los geradelt in die Berge Richtung Mormanno.
Ich schreibe diese Zeilen aus Tiriolo das am Ende des Parco naz. della Sila liegt 🙂 an einem erzwungenen Pausentag aufgrund sehr schlechten Wetters. Aber wir geben nicht auf.
Vielen Dank für den Bericht. Das hilft sicher einigen für die Vorbereitung der Anreise.
Hoffentlich hat sich das Wetter wieder beruhigt, so dass ihr weiterhin eine erfreuliche Tour erlebt!
Sei grande Marina!
Ich finde mich in den gleichen Präferenzen wie Marina. Alleine zu Fuss oder mit Velo von Ort zu Ort mit offenen Sinnen für Menschen, Natur und Kultur. Ich hoffe, irgendwann Mal Marina unterwegs zu begegnen und einen Wegteil zu teilen. Wagt Euch, Frauen aller Arten!
Ja, Isabella, meine Worte: ab aufs Velo, ob Frau oder Mann. Mutige werden immer belohnt.
Auch von noch einem Peter ein großes Lob an den tollen Reisebericht.
Das man im Juni noch so weit südlich Radfahren kann, hat mich erstaunt.
Mit soviel Grün und abwechslungsreichen Landschaften habe ich nicht gerechnet.
Danke Marina!
Ja, nicht wahr, Peter, alle reden vom Meer von Kalabrien, dabei sind die Naturparks ziemlich unbekannt. Danke für deine Rückmeldung!
Oh was für eine Reise Chapeau ! Wegen den Höhenmetern werde ich die vielleicht eher mit de e Gravelbike planen.
Gibt es auch einen Reisebericht von Dir von Trentino nach Santa Maria de Leuca zum nachlesen /planen?
Danke, Phil!
Ja, eine Unterstützung dürfte für diese Route tatsächlich nützlich sein, gute Idee!
Soweit ich weiss, war es Marinas erster Reisebericht, aber ich frage gleich mal nach. Wer weiss, vielleicht hat sie Lust, einen weiteren Bericht zu schreiben 🙂
Liebe Grüsse, Doro
Vielen Dank fürs Mitnehmen auf diese wunderbare Tour! Ist schon auf meiner To Do Liste gelandet
Toll, Peter, wenn dir die Ciclovia gefallen hat und auf deiner Wunschliste gelandet ist. Danke für die Rückmeldung!