Jahreswechsel. Hochsaison für gute Vorsätze. Hast du deine schon gefasst?

Mir scheint zwar, dass die Zeit der grossen Vorsätze vorbei ist. Vorsätze hält doch sowieso keiner ein, höre ich überall. Bei Zielen hingegen sieht das ganz anders aus…

 

Vorsätze sind out, Ziele sind in

Heute heissen die Vorsätze einfach Ziele. Das klingt glaubwürdiger. Ist am Ende aber dasselbe, oder? Ausser dass Ziele im Gewand des Wichtigen, Konkreteren daherkommen. Ach ja, und „smart“ sind.

Also, was ich eigentlich wissen wollte: Hast du dir für das neue Jahr Vorsätze genommen / Ziele gesetzt?

Lass mich raten, welche:

  1. Du wirst bis Ende April 5 kg abnehmen?
  2. Du wirst monatlich 100 Franken sparen?
  3. Du wirst täglich joggen gehen?

Gut! Hast du sie auch aufgeschrieben, deine Ziele? Wir wissen ja, dass Menschen, die ihre Ziele aufschreiben, diese wesentlich öfter erreichen als Menschen, die ihre Ziele nicht aufschreiben.

Aber darauf will ich ja gar nicht hinaus. Ich habe da etwas viel Spannenderes entdeckt. Das möchte ich mit dir teilen. Nämlich die Frage:

Wozu setzt du dir das Ziel?

DAS ist doch eine spannende Frage!

Klar, ist doch einfach:

  1. Wenn du bis Ende April 5 kg abnimmst, passt du wieder in den sexy Bikini.
  2. Wenn du monatlich 100 Franken sparst, kannst du dir etwas Nettes kaufen. Oder hast weniger Schulden.
  3. Wenn du täglich joggen gehst, wirst du nach einer Weile eine bessere Kondition haben.

Schön. Und dann? Was bringt dir das?

Erinnert jetzt so an das Wenn-Dann-Glück, über das sich Miss Move schon einmal Gedanken machte. Aber es geht mir um etwas anderes, das hinter diesen Zielen steckt:

  1. Wenn du 5 kg abnimmst, fühlst du dich attraktiver.
  2. Wenn du monatlich 100 Franken sparst, fühlst du dich freier.
  3. Wenn du täglich joggst, fühlst du dich lebendiger.

 

Hinter jedem Ziel steckt ein Wunschgefühl

Darum gehts doch.

Du steckst dir die Ziele nicht, weil du sie erreichen willst. Sondern weil du dir mit dem Erreichen des Ziels ein bestimmtes Gefühl erhoffst.

Das kann noch viel tiefer in den Gefühlsdschungel führen:

  1. Wenn du 5 kg abnimmst, getraust du dich im sexy Bikini an den Strand und lernst dort den Mann deiner Träume kennen und fühlst dich für immer geliebt. (Erhoffst du dir)
  2. Wenn du monatlich 100 Franken sparst, kannst du dir in zwei Jahren die tolle Namibia-Reise leisten, auf der du dich frei und stark fühlst. (Erhoffst du dir)
  3. Wenn du täglich joggen gehst, kannst du Ende Jahr einen Marathon laufen, was dich unendlich stolz auf dich selber macht. (Erhoffst du dir)

Oder so. Es spielt keine Rolle, was genau du dir hinter dem Ziel erhoffst.

Interessant ist aber, dass du dir dessen wohl kaum bewusst bist. Du denkst, du willst das Ziel erreichen und bist auch hoch motiviert, aber was dich wirklich antreibt, ist der Wunsch, dieses eine Gefühl zu fühlen.

Als ich das vor kurzem verstanden habe, musste ich auch in meinem Gefühls-Dschungel wühlen um zu verstehen, welches Gefühl ich mir vom Erreichen meines Ziels verspreche – dem ortsunabhängigen, selbstbestimmten Leben.

Oberflächlich betrachtet, ist es der Wunsch nach Freiheit. Aber was bringt mir diese Freiheit? Das Wunschgefühl hinter der Freiheit kann für jeden unterschiedlich sein. Für mich bedeutet sie, dass ich jederzeit an der Sonne und am Meer sein kann, wo ich mich lebendig, energievoll und unternehmungslustig fühle. Mehr nicht.

 

Gefühle im Aussen jagen, die in dir sind

Du rennst also einem Gefühl hinterher. Und zwar einem Gefühl, das du mindestens schon einmal erlebt hast. Und das hat dir gefallen. Deshalb willst du es wieder fühlen und arbeitest (unbewusst mit deinen Zielen) darauf hin, es wieder zu fühlen.

Lustig ist nur, dass du es ja schon einmal gefühlt hast. Du kannst es jederzeit wieder fühlen, weil es ja offenbar in dir ist (sonst hättest du es früher nicht schon einmal fühlen können).

So jagst du also im Aussen einem Ziel (=Gefühl) nach, das in dir schon vorhanden ist und nur darauf wartet, dich wieder einmal zu erfreuen. Manchmal reicht schon die Vorstellung einer Situation, damit du ein bestimmtes Gefühl hervorrufen kannst.

Es ist alles schon da!

 

Nimm die Abkürzung…

Jetzt mal nichts gegen Ziele. Ziele motivieren, geben Schub und führen dich auf den Weg, den du freudvoll begehen willst. Ich könnte mir aber vorstellen, dass du eine Abkürzung nehmen könntest, wenn du deine Ziele so definierst, dass von Anfang an das Wunschgefühl im Fokus steht.

Konkret: zurück zu den obigen drei Beispielen:

  1. Du musst nicht zwingend 5 kg abnehmen, um dich geliebt zu fühlen. Vielleicht reicht es, wenn du die bereits bestehenden Beziehungen zu Familie und Freunden vertiefst?
  2. Du musst nicht unbedingt eine Namibia-Reise machen, um dich frei und stark zu fühlen. Zweifellos kommst du auf einer Fahrrad-Reise durch die Schweizer Alpen auch zu diesem Wunschgefühl. Und das kannst du dir vielleicht bereits im nächsten Sommer leisten?
  3. Muss es wirklich ein Marathon sein, damit du stolz auf dich bist? Ist dieses Gefühl so sehr an Leistung gekoppelt? Würden kleine Taten der Menschlichkeit im Alltag nicht ausreichen, um stolz auf dich zu sein?

Nochmals, damit hier keine Missverständnisse entstehen: Toll, wenn du deinem Körper 5 kg Entlastung gönnen oder aus Neugier auf eine Namibia-Reise gehen oder aus Freude an der Bewegung einen Marathon laufen willst! Prüfe einfach nochmals genau, welches Gefühl du dir davon erhoffst.

 

… und dann mach den Weg voller Freude

Ich habe mir natürlich auch überlegt, wie ich selber eine Abkürzung zum Erleben meiner Wunschgefühle lebendig, energievoll und unternehmungslustig nehmen könnte. Diese Gefühle hängen leider stark von Wärme und Licht ab, weswegen sie mir im Schweizer Winter unter dem Hochnebel leicht abhanden kommen. Heisst konkret: im Winter muss ich südwärts ziehen, um mich lebendig, energievoll und unternehmungslustig zu fühlen. Was mich zurück zum ortsunabhängigen Arbeiten führt.

Bedeutet, dass ich keine Abkürzung nehmen kann. Aber ich kann mir den Weg zum Ziel freudvoll gestalten.

Wie?

Indem ich öfter das mache, was mir Freude macht. Wieder einmal dieser bestechend einfache und wirkungsvolle Gedanke von Stefan Hiene.

 

Oder ists noch einfacher?

Zum Schluss des Artikels überkommt mich ein Zweifel. Irgendwas hinkt in der Logik. Gerade stellt sich mir die Frage:

Ists am Ende noch viel einfacher?

Ist nicht jedes Wunschgefühl eine Variation von Freude?

Ha! Wenns so ist, dann ists wirklich supereinfach. Geh bei Stefan Hiene nachlesen: Mach mehr von dem, was dir Freude macht. Punkt.

Verfolge deine Ziele also einfach so zum Spass. Und nimm dein Wunschgefühl mit auf den Weg.

 

Foto: Unsplash

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Was ist dein Wunschgefühl hinter deinem aktuell wichtigsten Ziel? Könntest du den Weg dahin abkürzen und das Wunschgefühl gleich heute schon in deinen Alltag bringen? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!