Da sitze ich jetzt im Lockdown in Sizilien, die Sonne scheint warm auf meine Füsse, das Meer glitzert, und meine Beine wollen nichts als pedalen. Fahrrad-Pläne in Italien sind in diesem Frühjahr 2020 nicht gefragt – oder sagen wir mal, sie dürfen im Moment im Land der Träume bleiben. Und das tun sie auch. Wann kann es wieder losgehen mit (Fahrrad-)Reisen in Italien?

Italien, ich komme wieder

Zu diesem Artikel haben mich Barbara von Reisepsycho und Ilona von Wandernd inspiriert. Mit ihrer Blogparade „Italien, ich komme wieder“ wollen sie Italien mit der Message #CoraggioItalia (Nur Mut, Italien!) stärken. Sobald sich das Land nach dem grossen C wieder öffnet, werden wir wieder nach Italien reisen und jene unterstützen, die vom Tourismus leben.

Da ich schon in Italien bin, heissts für mich eher: Italien, ich bleibe. Und mache meine Pläne, bis ich wieder losreisen kann.

Was die geplante Öffnung vom 4. Mai bringen wird, ist Gegenstand von politischem Hickhack. Wann wir in Italien wieder frei reisen können, kann wohl niemand sagen.

Meine Fahrrad-Pläne für Italien sind jedenfalls längst bereit. Ich habe eine lange Liste von Orten und Gegenden, die ich erfahren möchte. Je mehr ich in Italien unterwegs bin, desto länger wird die Liste.

Jede Region macht ihre eigenen Pläne

Der offizielle Lockdown soll am 4. Mai zu Ende gehen. Was ich bisher von den italienischen Verantwortlichen gehört und gelesen habe, war viel Palaver und noch mehr Widersprüche. Besonders verwirrend finde ich, dass die Regionen irgendwelche Entscheidungen treffen, die andere Regionen zu gehässigen Reaktionen verleiten und schliesslich von der Zentralregierung dementiert werden. Oder umgekehrt.

Die Politiker der Regionen verkünden laut, dass es endlich einen Entscheid der Zentralregierung braucht, und wenn dann ein solcher da ist, entscheiden sie etwas anderes.

Im Gespräch mit verschiedenen italienischen Freunden, habe ich festgestellt, dass nicht nur ich verwirrt bin, sondern auch sie nicht wissen, was gilt und ab wann was wieder möglich ist.

Die eigenmächtigen Entscheidungen der Regionen habe ich kürzlich in sehr positiver Form erlebt: Sizilien hat am 19. April die Ausgangssperre gelockert und erlaubt jetzt Joggen und Spazieren in der Nähe von zuhause wieder. Das gilt aber nur für Sizilien. Die Bewohner aller anderen Regionen dürfen immer noch keinerlei Sport im Freien machen. Soweit ich weiss.

Wann öffnet Italien wieder für Touristen?

Ich will keinesfalls vorgeben, etwas zu wissen, was niemand weiss. Aber ich kann von dem berichten, was ich hier höre, lese und erlebe. Natürlich würde ich selber gern wissen, wann wir, Italiener wie Ausländer, in Italien wieder reisen dürfen.

Gerade jetzt, in der letzten April-Woche, habe ich zum ersten Mal eine Art Plan der italienischen Zentralregierung gesehen (wobei ich nicht weiss, wie wahr und fix der ist). Demnach soll die italienische „Phase 2“ in 4 Etappen ablaufen:

27. April 2020: Kleine Produzenten, v.a. im Landwirtschaftsbereich und in der Schifffahrt, nehmen ihren Betrieb wieder auf.

4. Mai 2020: Fabriken und Handwerker dürfen ihre Arbeit wieder aufnehmen. Das strikte Ausgehverbot wird gelockert. Sport ist wieder erlaubt, auch weiter entfernt von zuhause – alleine, selbstverständlich oder mit 2 Metern Abstand von den Mit-Sportlern. Allerdings gilt immer noch das lustige Selbstdeklarations-Formular, das für jede grössere Entfernung von der eigenen Haustür ausgefüllt werden muss (müsste). Fürs Radfahren wohl auch? Und: die Region darf nicht verlassen werden.

11. Mai 2020: Der Moment des Detailhandels ist gekommen: Mode- und Schuhgeschäfte und alle Läden, die am 10. März hatten schliessen müssen, dürfen wieder öffnen. Einkaufszentren und Märkte, die keine Nahrungsmittel verkaufen, bleiben jedoch noch geschlossen.

18. Mai 2020: Bars und Restaurants dürfen einen Take-out anbieten. Die Öffnung der Lokale sind aber erst ab Juni geplant. Frisöre nehmen (endlich!) ihre Arbeit wieder auf. Selbstverständlich mit dem gegebenen Abstand zwischen den Kundinnen und Kunden.

3. Juni 2020: Inneritalienische Reisen über die Regionengrenzen hinaus sind wieder möglich. Die Regionen Kampanien (Neapel), Sizilien und Sardinien machen da aber nicht mit und halten vorerst ihre Regionengrenzen geschlossen – Einreise für Touristen nicht möglich.
Das Öffnen der Regionengrenzen bedeutet aber immerhin für die Touristendestinationen, dass italienische Besucher anreisen können.
Ebenfalls am 3. Juni öffnet Italien seine Aussengrenzen. Touristen können also theoretisch wieder einreisen. Über Frankreich dürfte das möglich sein, allerdings öffnen die Schweiz und Österreich ihre Grenzen erst am 15. Juni. So wird der Touristenstrom innerhalb von Italien noch sehr überschaubar sein.

Langsam, langsam, dürfte Mitte/Ende Juni aber der Tourismus in Italien wieder zum Leben erwachen.

Fahrrad-Pläne für Italien

Soviel zum „realen“ – oder vielleicht besser medialen Stand der Dinge.

Ab hier wird geträumt!

Meine Liste der Fahrrad-Pläne ist zu lange und zu chaotisch, um sie hier 1:1 abzubilden. Ich versuchs mal ein bisschen ordentlich, und zwar von Süd nach Nord.

Mir geistert nämlich die Idee im Kopf herum, gleich von Sizilien loszufahren und in einem hübschen Zickzack von Süden in den Norden zu pedalen. Leider habe ich Zelt und Matte in der Schweiz gelassen. Immerhin sind Fahrrad und Schlafsack bei mir.

Magna Via Francigena (Sizilien)

Dieser Pilgerweg stand ganz ursprünglich auf meinem Sizilien-Programm 2020. Erst der Kongress, dann die Magna Via Francigena von Palermo nach Agrigento.

Dann kam kurz der Lockdown dazwischen.

Wie ich höre, ist dieser Weg ziemlich anspruchsvoll, weil er

  1. knackige Steigungen hat und
  2. ein grosser Teil nicht asphaltiert ist

Einzeln geht jeder der beiden Punkte – einfach nicht 1. und 2. kombiniert.

Na, wir werden sehen.

Übrigens gibts auf Sizilien noch andere Pilgerwege, die sich auch fürs Fahrrad eignen würden. Du findest alle Wege auf einer Karte eingezeichnet auf der Webseite von Ciclabili Siciliane.

Kalabriens Süd- und Ostküste

Vor 7 Jahre habe ich meine erste lange Solo-Reise von der Schweiz nach Palermo gemacht. Damals fuhr ich der kalabrischen Westküste entlang bis Villa San Giovanni, und nahm dort die Fähre nach Sizilien.

Von Kalabrien war ich damals mässig begeistert, obwohl ich Pizzo, Tropea und Scilla ganz zauberhaft fand. Aber ich war müde, genervt vom vielen Verkehr und hatte mit Wind und Regen zu kämpfen. Mit den Menschen wurde ich auch nicht so richtig warm, aber das kann tatsächlich an mir selber gelegen haben, weil ich so grummlig drauf war.

Natürlich beging ich auf dieser Tour auch eine ganze Ladung an Anfängerfehlern. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie ich Kalabrien als erfahrene Italien-Radfahrerin und weise Frau 🙂 erleben würde.

Daher wäre der Plan: Sizilien in Messina verlassen, Fähre nach Villa San Giovanni und weiter immer der Küste entlang süd- und dann nordostwärts.

Basilicata und Süditalien

Basilikata

Und wenn ich dann schon mal hier ganz im Süden bin, dann hätte die Region Basilikata meine Reise verdient. Ich habe sie bisher erst kurz einmal gestreift, habe Matera bestaunt – und bin wieder weggefahren. Wie es die meisten Touristen tun. Ich würde gern mehr von dieser Region erfahren.

Auf der Karte oben siehst du die Region Basilikata eingezeichnet. Und dann siehst du auch gleich, wo die Küstentour von Kalabrien in die Basilikata übergeht.

Ach, und wenn ich dann schon mal dort bin, zieht es mich auch wieder nach Apulien. Das Inland des Salento habe ich auch noch nicht erforscht.

Cilento Nationalpark

Seiner Küste bin ich entlang gefahren, aber vom Landesinnern, das viel Natur bieten soll, habe ich noch rein gar nichts gesehen. Der Cilento Nationalpark soll sich hervorragend zum Biken eignen. Nach meinen einschlägigen E-Bike-Erfahrungen in den Cinque Terre und in Sizilien, könnte hier die Fortsetzung sein.

Bari – Neapel (Ciclovia dei Borboni)

Weiss ich warum, aber diese Strecke ist bei meinen Fahrrad-Plänen hängengeblieben, obwohl ich jetzt lese, dass sich 25% der 340 km auf stark befahrenen Strassen befinden. Zudem gibt mir das Höhenprofil zu denken…

Trotzdem bleibt sie auf der Liste, diese Tour.

Neapel, Capri, Ischia

Fast ist es mir peinlich zu gestehen, dass ich alle drei Destinationen nicht kenne. Neapel habe ich einmal kurz gestreift, habe mir die Stadt aber nie wirklich angeschaut. Die ist aber weit oben auf meiner Liste.

Die Inseln Capri und Ischia sollen ja vom Tourismus halb totgeschlagen sein, trotzdem höre ich immer wieder Gutes. Zudem gehe ich davon aus, dass im 2020 der Tourismus eher zaghaft wieder losgeht. Also ist das auch eine Chance, die grandiosen Orte ohne Riesenmeute zu besuchen.

Liparische Inseln

Wenn ich schon bei Inseln bin: auch Lipari, Vulcano, Salina und ihre Kolleginnen habe ich noch nie besucht. Im Jahr 2014 stand ich schon am sizilianischen Hafen von Milazzo, um ein Schiff nach Vulcano zu nehmen – leider war die Schifffahrt an diesem Tag wegen Schlechtwetter eingestellt. Und ich schon genervt wegen dem dauernden Wind und Regen auf meiner Sizilien-Rundfahrt, liess es einfach bleiben.

Ich wäre jetzt bereit.

Molise

Weisst du, wo sich die Region Molise befindet? Hast du schon mal von Molise gehört?

Ich weiss es auch nur deswegen, weil Italien sozusagen mein Job ist und ich auf meiner Ciclovia Adriatica-Reise am Küstenstück der Region Molise entlangfuhr und mich in den Ort Termoli verliebte.

Neben dem Aostatal ist Molise die kleinste Region Italiens. Ausser dem kurzen Küstenabschnitt, ist sie touristisch praktisch nicht erschlossen. Und das war vielleicht das Glück der Molise-Bewohnerinnen und -Bewohner, denn die Region war vom grossen C am wenigstens betroffen – sie hatte nur ganz wenige Fälle.

Auf der Karte unten ist die Region Molise markiert.

Fahrrad-Pläne in Italien: Molise

Abruzzen

Von den Abruzzen stehen noch manche Orte auf der Liste, die ich sehen will. Bei meinem vierwöchigen Workaway-Aufenthalt in Francavilla al Mare, hatte ich die Gelegenheit, die Küstenregion um Pescara besser kennenzulernen.

Jetzt wäre das Landesinnere dran. Auf einer wöchigen Wanderung war ich schon mal in L’Aquila und Umgebung. Das war grossartig. Nicht mehr aus dem Kopf geht mir Campo Imperatore, eine Hochebene auf ca. 1600 Metern über Meer ganz in der Nähe des Corno Grande, dem höchsten Gipfel Italiens.

Und dann will ich den herzförmigen Lago di Scanno sehen. Und überhaupt, ganz viele kleine Orte, die da im Landesinnern sind.

… und viele, viele mehr

Die Liste wird endlos. Da sind auch noch viele Orte im Landesinnern der Regionen Marken und Umbrien, der Südwesten Sardiniens, im Piemont war ich auch noch nicht oft, und da gibts noch den Alpe-Adria-Radweg von Salzburg nach Grado (Adria) und der vielgelobte von Venedig nach Rom. Und…

Fertig jetzt. Fürs 2020 habe ich genug Pläne.

Und du? Welche Fahrrad-Pläne für Italien hast du?