Regen-Stadt Monte Carlo

Italien bei Regen. Kenne ich ja. Ventimiglia ist trist in dieser Regenhülle.

Nicht ganz so trist wie Monte Carlo in Regenhülle, wenn gerade der Formel 1 Grand Prix stattfindet. Die Innenstadt ist dann gesperrt. Für alle, auch für Fussgänger. Für Radfahrer sowieso.

Bedeutet: Du fährst oben drüber, über diesen ganzen Monte, mitsamt dem vereinten Verkehr, der auch über den Berg muss. Bei Regen.

Kleiner Einschub: Ich musste in meinem Leben erst zwei Mal durch Monte Carlo fahren. Beide Male war dieser unnütze Formel 1 Mist. Das erste Mal sass ich wenigstens auf dem Motorrad, aber geregnet hats auch, trist wars auch, über den Berg mussten wir damals auch.

Ich beginne mich zu fragen, ob diese Stadt auch anders kann?

 

Regen-Stimmung

Ich bin also schon gereizt von diesem Umweg, bloss wegen dieses „Sport“-Anlasses. Und all die Schicken, die da herumstöckeln, die nerven mich auch gerade, obwohl sie nicht allzu viel dafür können, dass ich nass und säuerlich bin.

Ich will so schnell wie möglich nach Italien. Und dann fahre ich in Italien ein, und eben: Ventimiglia nichts als grau. Die weitere Strasse auch grau, ein Höllen-Verkehr drängt mich in die plantschbeckengrossen Wasserlachen. Und es tröpfelt mir munter vom Velohelm auf die Nase, die Schuhe sind längst regenvoll.

Meine Stimmung kannst du dir selber ausmalen.

An diesem Abend gönne ich mir in Bordighera ein zu teures B&B mit Heizung und werde wieder friedlich. Dieses Bordighera hat übrigens eine lustig verwinkelte, absolut besuchenswerte Altstadt, völlig unvermutet oben am Hügel.

 

Meine B&B-Abzockerin Elisa trägt zu meiner verbesserten Stimmung bei, als sie sagt, was man immer gerne hört:

Morgen ists wieder schön

Schönster Radwege Italiens

Am nächsten Morgen hats Nebel. Klägliches Frühstück unter italienischem Standard mit Aussicht auf den Nebel.

Kaum fahre ich los, drückt die Sonne, und schon reisst es auf, blauer Himmel über blau-glitzerndem Meer, und schon bin ich weg von der Hauptstrasse und finde mich bei Ospedaletti verwundert auf einem echten, gepflegten Radweg wieder.

Dieser Radweg führt über 25 km von Ospedaletti nach San Lorenzo al Mare. Mitten durch Sanremo.

Ich hatte schon mal davon gelesen, aber mittlerweile bin ich skeptisch, was italienische Radwege betrifft. Zu oft habe ich Wege angetroffen, die völlig velountauglich waren: voller Müll, Glasscherben und bröckelndem Belag. Oft sind Schikanen eingebaut, die einen alle paar hundert Meter zum Absteigen zwingen. Mit Gepäck bin ich manchmal gar nicht durch die Sperren gekommen. Als ob man die Radfahrer am Benutzen der Radwege hindern wollte.

Kurz: Ich verstehe jeden Italiener, der auf der Strasse fährt, obwohl ein Radweg gleich nebenher führt.

Nicht aber dieser hier ab Ospedaletti. Der ist eine Wucht. Hier fuhr früher die Eisenbahn, seit 2014 ists ein Weg für Fussgänger und Radfahrer. Geplant ist ein Ausbau bis Imperia, was ihn dann auf eine Länge von 44 km strecken würde.

Als Velofreund solltest du mindestens einmal im Leben darauf fahren. Weils so angenehm zu fahren ist. Klar markiert, glatter, sauberer Belag. Mit auffallend vielen fröhlichen Pedaleuren, lustigen Besenbeizen und offenen Badestellen. Und das alles mit Blick auf die Riviera Ponente.

Sogar die Tunnels sind ok. Ja, da sind zwei ziemlich lange Tunnels. Gemütlich wäre anders, aber wieder: gut beleuchtet, gut markiert, sauber. So angenehm, dass sogar Fussgänger in diesen Tunnels unterwegs sind. Nicht dass ich das empfehlen würde, aber machbar ohne dass dich die Panik gleich niederstreckt. 

 

Und dann diese Freiluft-Bar mit Velo-Parkplätzen um runde Podeste, auf denen ausrangierte, geschmückte Fahrräder thronen.

Zwei arbeitslose ältere Herren kommen täglich mit ihren Klappervelos hierher, um Zeitung zu lesen, Neuigkeiten auszutauschen und zu gucken, wer hier herumkurvt. Die haben Recht, so schön ists hier.

Der fröhliche Barista ist etwa halb so alt wie ich. Er nimmt sich Zeit, ein paar Worte mit mir zu wechseln, währenddem ich den exzellenten Kaffee trinke. Nach meiner Pause ruft er mir „Ciao cara, buon viaggio“ hinterher, als ob wir uns schon lange kennen würden. Ich fühle mich ganz in seinem Alter, jung und geschmeichelt. Das ist der italienische Trick, auf den ich auch nach dem zehntausendsten Mal reinfalle. Bewusst und genüsslich.

So ist das auf diesem schönsten Radweg Italiens. Sein einziger Nachteil: Er ist viel zu kurz. Nach einer guten Stunde ist man durch. Mit viel Trödeln nach zwei Stunden.

Ob ich meine verbleibenden Ferientage einfach auf diesem Radweg verbringen soll?, geht mir durch den Kopf. Immer hin und her. Weils so schön ist.

Bitte mehr davon, liebe Italiener!