Planst du eine Mallorca-Umrundung per Fahrrad in der Nebensaison? Darf ich dir ein paar Tipps auf den Weg geben? Wäre doch grandios, wenn du von meinen Missgeschicken profitieren könntest.

Zum ersten Mal auf Fahrrad-Tour…?

Mallorca ist ja nun wirklich nicht meine erste Fahrrad-Reise. Aber man könnte es meinen, wenn ich zurückblicke, wie ungeschickt ich mich angestellt habe:

Schaf auf Mallorca

 

Meiner Fehler-Serie liegt schon eine ziemlich lahme Einstellung zugrunde:

„So eine Mallorca-Umrundung per Fahrrad ist keine grosse Sache. 550 km Küstenlänge – das mache ich doch in einer Woche. Klar, da sind noch ein paar Berge im Westen, aber sonst ists ja flach. Easy…“

Da ich mehr zufällig als gewollt auf Mallorca bin, habe ich mich auf diese Fahrrad-Tour kaum vorbereitet. Klar ist mir aber, dass ich die Orte Pollença im Norden sowie Soller, Valldemossa und Deia besuchen werde. Die liegen in den Bergen, in der Tramuntana, da will ich hin. Und in die Küstenorte St. Elm ganz im Westen und Colonia St. Jordi im Südosten. Weil sie so schön klingen. Aber am wichtigsten sind mir die Berge.

Jetzt lies mal, was dann wirklich passiert ist…

 

Mach dir vor dem Losfahren klar, wohin du willst

Klingt extrem banal, dieser Tipp, ich weiss. Aber glaub mir, als ich endlich mein Mietrad abgeholt habe, stehe ich etwas dümmlich in der Landschaft und weiss nicht, wohin ich fahren soll. Ich stehe im Südosten und will in die Tramuntana im Nordwesten.

Mallorca-Umrundung per Fahrrad

 

Da ich unbedingt dem Meer entlang fahren will, mache ich aus Verlegenheit einfach, was ich immer tue, wenn das Meer in der Nähe ist: Ich fahre auf die nächste Küstenstrasse, das Meer zu meiner Rechten.

Das erweist sich bald als ziemlich unattraktiv, weil diese Küstenstrasse im Osten Mallorcas ein paar hundert Meter im Landesinnern verläuft (das hatte ich doch in Kroatien schon mal…). Das Meer bekomme ich folglich kaum zu sehen.

Leider komme ich erst reichlich spät auf die Idee, bei den grossen Anbietern von Fahrrad-Reisen zu schauen, in welche Regionen sie ihre Gäste schicken. In den Osten jedenfalls eher nicht…

 

Nutze die Radwege

Mallorca ist voller ausgeschilderter Radwege. Denen könnte man als Radfahrer ja auch folgen, oder? Ich tue es anfangs nicht, weil sie nicht dem Meer entlang führen.

Schau dir nur mal die Auswahl an Radwegen an:

Mallorca-Umrundung per Fahrrad

 

Später, als ich wesentlich demütiger unterwegs bin, erkenne ich, was für hübsche, kleine Strässchen diese Radwege sind. Ruhig, praktisch ohne Verkehr und richtig gut markiert.

 

Mallorca-Umrundung per Fahrrad

 

Dass die Wegweiser aus Holz sind, sieht zwar nett aus, aber sie verschwinden leicht in der Landschaft. Immer wieder mal habe ich einen dieser Wegweiser übersehen. Und oft sind sie so verwittert, dass die eingeprägte Schrift nicht mehr sichtbar ist. Dann hats zwar einen Wegweiser, aber du weisst nicht, wohin er führt.

Trotzdem: die Radwege sind sehr gut markiert:

Mallorca-Umrundung per Fahrrad

Beachte die Saison

Haha, ja, das ist ein dummer Fehler. Ich bin im November auf Mallorca. Und lasse mich von der anfänglichen Sommerwärme irreführen.

Ich vertue also die ersten wunderschönen Tage mit dem Fahren auf langweiligen Flachlandstrassen. Und als ich dann am Fusse der Berge stehe, meinem Hauptziel, kippt das Wetter. Temperatursturz um 15 Grad. Plötzlich ist anstatt Bici-Röckli die Dauenenjacke angesagt. Und es beginnt zu regnen. Und windet zünftig.

Formentor

 

Mallorca-Umrundung per Fahrrad

Bei dieser Witterung getraue ich mich nicht in die Berge.

Und noch etwas Wichtiges, was die Saison betrifft: die Tage sind im November extrem kurz. Entsprechend kurz sind die Etappen, weil du morgens spät loskommst und bereits um 17.30 Uhr wieder im Dunkeln stehst.

 

Reserviere deine Unterkunft

Am ersten Tag fahre ich los, ohne eine Unterkunft für den Abend reserviert zu haben. Auf Mallorca gibts ja an jeder Ecke ein Hotel. Und sonst frage ich einfach – wie jeweils in Italien – in der nächsten Bar nach einem Zimmer.

Ha! Diesen Fehler mache ich nur einmal.

Das Licht ist schon sehr abendlich, als mir einfällt, dass ich mich um eine Unterkunft kümmern muss. Die Ecke, in der ich gerade unterwegs bin, ist menschenleer. Kein Radfahrer, kaum Autos, selten einmal ein Dorf, genauer gesagt: eine Feriensiedlung. Saison fertig, alles tot.

Wenn ich einmal ein Hotel passiere, ist es geschlossen. Keine offene Bar.

Ich pedale schneller, frage jeden Menschen, der mir begegnet nach einer Unterkunft. Schulterzucken. Vielleicht im nächsten Ort? Vielleicht in Cala Pi?

An diesem Tag habe ich Glück: die Sonne legt sich gerade auf den Horizont, als ich in Cala Pi das einzige Hotel finde, das noch offen ist. Noch drei Tage.

Ich habe sogar Doppelglück, weil ich in ein Village gerate, in dem ich eine riesige Wohnung zum Minipreis für mich alleine kriege. Dazu gibts hier zwei Pools in einem schönen Garten, eine Bar, ein Restaurant und einen Minimarkt. Und fünf Fussminuten entfernt kann man die Füsse ins Meer tauchen.

Neuland für mich, so ein Village. Ich bleibe gleich zwei Nächte, weil ich hier die perfekten Arbeitsbedingungen finde.

Cala Pi Mallorca

 

Ich will mein Glück nicht unnötig strapazieren und gewöhne mir an, von jetzt an immer am Vorabend ein Zimmer für den nächsten Tag zu buchen. Über Booking.com oder Airbnb.

In der Nebensaison sind auf Mallorca so viele Hotels geschlossen, dass die Auswahl bescheiden ist. Zumindest in der günstigeren Kategorie. Teures kriegst du immer.

Die Voraus-Reservation kann ich also dringend empfehlen. Manchmal kriegst du dann auch ein Prinzessinnen-Bett zu einem fairen Preis, wie hier im Hotel Ithaka in Artà.

Hotel Ithaka Artà Mallorca

 

Besorg dir eine gute Strassenkarte – mit Distanzangaben

Oh, also, ich habe durchaus eine Karte dabei. Extra in Palma gekauft. Eine gute, wetterfeste mit einem vernünftigen Massstab, so dass auch kleinere Strässchen erkennbar sind.

Bloss hat sie keine Distanzangaben. Das merke ich erst zu dem Zeitpunkt, als ich an jenem ersten Abend dieses „Vielleicht in Cala Pi?“ kriege. Und als ich auf der Karte nachsehe, wie weit es bis Cala Pi ist, merke ich, dass zwischen den Ortschaften keine Kilometer angegeben sind. Mit Hilfe des Massstabs kann ichs erahnen: eine Zeigfingerlänge sind 5 Kilometer. Nicht sonderlich präzise…

Der Witz ist, dass ich auch erst zu dem Zeitpunkt merke, dass an meinem Mietrad ohnehin kein Kilometerzähler angebracht ist.

Mir fehlt jegliches Distanzgefühl. Das ist im Grunde egal – ich komme an, wenn ich ankomme. Aber an jenem Abend, als es so ungewiss ist, ob und wo ich eine Unterkunft bekomme, wärs mir schon wohler, wenn ich wüsste, wie lange ich noch bis zum nächsten Ort brauche.

Was ich ganz nebenbei am Mietrad auch vermisse, ist die Lenkertasche. Da verstaue ich jeweils Geld, Telefon, Fotoapparat und die Karte. Was ich halt schnell zur Hand haben will.

So improvisiere ich eben eine kleine Tasche an den Lenker. Geht ja auch.

Mietrad Mallorca

Kurz: Bereite dich vor, sonst…

… verpasst du das, was du wirklich sehen und erleben willst.

Ja. Am Ende bin ich nicht durch die Tramuntana gefahren. Ich habe weder Valldemossa, noch Soller oder Deia gesehen. Was ich doch auf jeden Fall hatte erleben wollen. Deswegen ist meine Mallorca-Umrundung per Fahrrad etwas fade geblieben.

Teils Wetterpech, teils wegen schlechter Vorbereitung.

Machs besser und geniesse alles, was du auf Mallorca geniessen willst!

Schön wars trotzdem. Ich hatte einige wundervolle Erlebnisse. Wie beispielsweise hier bei Cala Pi:

Cala Pi Mallorca