Wann immer ich vor einer grossen – oder meistens doch nicht so grossen Entscheidung stehe, ermahnt mich meine Schwester freundlich:

 

„Denk ans Altersheim!“

Das bringt uns immer zum Lachen. Dabei schwingt da eine grosse Portion Ernst mit.

Denk ans Altersheim” bedeutet für uns:

  • Lebe jetzt!
  • Verschiebe nichts auf später!
  • Entscheide mutig.
  • Warte nicht, bis es zu spät ist.
  • Lebe so, wie du wirklich willst.

 

Wie sind wir bloss darauf gekommen?

Wohl in einem verzweifelten Moment von Alltags-Monotonie. Als wir uns fragten, ob das jetzt schon alles war? Für immer Büro-Frau, festgehalten an einem einzigen Ort? Im besten Fall fünf Wochen Freiheit pro Jahr?

Und dann die Vorstellung, dass wir irgendwann aus dem Büro-Alltag ins Altersheim gekippt werden und dort auf der Bank vor dem Haus sitzen und uns anschweigen, weil wir nichts zu erzählen haben. Weil unser Leben ereignislos, fade und langweilig war.

So haben wir uns versprochen, uns immer wieder ans Altersheim zu erinnern, wenn wir aus Angst den einfacheren (faderen) Weg gehen wollen.

Zwar hat mir meine Schwester kürzlich gedroht, ich dürfe dann im Altersheim nur einmal pro Tag über Italien reden, sonst sitze sie nicht mit mir auf die Bank vor dem Altersheim. Soweit ich mich erinnere, habe ich nichts versprochen. Und sonst kann ich mich immer noch auf meine legendäre Vergesslichkeit berufen.

 

Alt und glücklich?

 

Bereue nichts

Besonders beeindruckt hat mich zum Thema “Leben leben” das Buch Die fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen* von Bronnie Ware. Sie hat aus ihrer Erfahrung als Sterbehelferin aufgeschrieben, was Sterbende am meisten bereut haben. Und sieh mal, was da auf Platz 1 steht:

“Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben.”

Na? Melden sich da ein paar Herzenswünsche in dir, die du immer wieder auf später vertröstest? Vielleicht wärs an der Zeit, sie ernst zu nehmen und loszulegen?

Verrückt, dass es so schwierig ist, dein eigenes Leben zu leben, nicht? Aber ich bin überzeugt, dass es sich lohnt, mutig den Weg einzuschlagen, den du wirklich gehen willst.

Falls du gerade dabei bist, dich kaputt zu schuften, dann hätten wir auf Platz 2 der meist bereuten Dinge von Sterbenden noch den hier:

“Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.”

Fragen dazu?

Dann lies den Artikel einfach nochmals von vorne.

 

Radeln ohne Alter

Seit ich von Radeln ohne Alter weiss, bin ich etwas ruhiger, was das Altersheim betrifft:

Die grandiose Idee aus Dänemark hält auch bei uns Einzug: Radeln ohne Alter.

Die Idee ist, dass freiwillige Helfer ältere Menschen mit einer Rikscha im Altersheim abholen und dahin fahren, wohin sie gerne fahren möchten: zum Café, um Freunde zu treffen, zur Gelateria, an den See, in den Park, …

Einerseits gibt das Abwechslung in den Altersheim-Alltag, andererseits kommen auf diese Weise die Generationen wieder vermehrt in Kontakt. Und obendrauf bringts Bewegung für alle Beteiligten. Ideal also für Körper, Seele und Sozialleben.

Die junge Anina Flury hat die Idee aus Dänemark in die Schweiz gebracht. Aktuell arbeitet sie wie verrückt daran, dass Radeln ohne Alter trotz der strengen Vorschriften in der Schweiz möglich wird. Im Frühjahr 2016 werden die ersten Rikschas Altersheim-Bewohner zu einer Ausfahrt abholen.

Wenn du noch nicht weisst, welches Projekt du mit deiner Spende unterstützen willst, dann kann ich Radeln ohne Alter nur empfehlen. Das ist jetzt echt ein gescheites, sinnvolles, nachhaltiges Projekt. Und dann noch vor deiner Haustür. Und eine Investition in deine eigene Zukunft…

Schwöschti, ich freue mich schon, bis wir nebeneinander in unsere Rikscha sitzen, den Wind um die Nase, glücklich vor uns her kichernd. Das wird ein Spass!

Alte Frau, glücklich

Aber bis dahin sinds ja noch ein paar Jahre. Und die füllen wir mit dem eigenen, bunten, lebendigen Leben, ja?

Und welchen Wunsch wirst du dir als nächstes erfüllen?