Ein wunderschöner Radweg in Ligurien ist die «Pista ciclabile del Ponente Ligure». Er führt über 45 km immer dem Meer entlang, flach auf einem alten Bahntrasse verbindet dieser Radweg Andora mit Ospedaletti.
Immer wieder kannst du Halt machen in attraktiven Orten wie Cervo, Imperia, Sanremo – und auch weniger bekannten Dörfern.
In diesem Artikel gebe ich erst ein paar praktische Infos, und im zweiten Teil folgt dann mein ursprünglicher Reisebericht aus dem Jahr 2015. Viel hat sich seither nicht verändert, ausser dass er gegen Osten stetig verlängert wird. Das letzte Teilstück zwischen Andora und Imperia wurde im Sommer 2026 eröffnet.
Dieser Radweg ist purer Genuss, auch für reine Geniesser ohne Sport-Ambitionen.
Infos zur Pista ciclabile del Ponente Ligure
| Charakteristik | Flacher Radweg an der Blumenriviera in Ligurien. Auf einem alten Bahntrasse praktisch immer direkt am Meer. Sehr einfach, auch für Familien und weniger Sportliche. |
| Start / Ziel | Andora – Ospedaletti |
| Hin- und Rückreise mit Zug | Andora / Sanremo (in Ospedaletti gibt es keinen Bahnhof) |
| Distanz | 45 km – dazwischen immer wieder die Möglichkeit, den Zug zu nehmen |
| Verpflegung unterwegs | Der Radweg durchquert diverse Ortschaften mit Bars und Restaurants. Auch zwischen den Ortschaften gibt es kleine Bars oder Fressbuden. |
| Tipp | In den Sommermonaten (Juni-September) ists hier richtig voll. Besser im Frühjahr und Herbst, oder wenigstens nicht am Wochenende. |
Karte zum Ponente-Radweg Andora-Ospedaletti
Andora – Cervo – Diano Marina – Imperia
Dieses Stück war lange eine Baustelle. Endlich, seit Sommer 2026 ist auch hier der Radweg durchgängig befahrbar. So sah das zu Baustellen-Zeiten aus:




Cervo ist unbedingt ein Besuch wert. Wunderschöne Altstadt mit einer Kirche, die zuoberst thront, und von der man sich fragt, wie ums Himmels Willen die hier gebaut werden konnte.






Imperia – Sanremo – Ospedaletti
Imperia war früher ein Radler-Graus durch heftigen Stadtverkehr, jetzt ists zum Hochgenuss geworden. Sogar Musik wird einem in einem der Tunnels geboten!





Bei Borgo Prino, also gleich hinter Imperias Stadtteil Porto Maurizio, war bis 2024 der Start des Radwegs. Du kriegst das jetzt gar nicht mehr mit, fährst einfach weiter auf dem Radweg.






Die nächsten 20 km brauche ich nicht weiter zu erklären. Einige Ortschaften erwähne ich im Reisebericht weiter unten. Der Weg ist bestens beschildert – hier kann sich nun wirklich niemand verfahren.
Und dann kommt Sanremo. Ich kann dir einen Stopp hier nur bedingt empfehlen. Mir persönlich ist die Stadt nicht sympathisch, aber ich war natürlich auch neugierig, was hinter diesem grossen Namen wartet und bin durch die Strassen gestreunt.
Blick aufs Casinò mit dem roten Teppich und vorbei am Teatro Ariston, von aussen ein hässlicher Bau, wo ein Teil des berühmten Musikfestivals jeweils im Februar stattfindet.






Der modernere Stadtteil kann mich nicht begeistern. Spannender wirds, wenn du den Hügel hochsteigst und den Eingang in das alte Stadtviertel «Pigna» findest. Hier wirds richtig eng und düster. Manchmal malerisch, manchmal unheimlich. Nicht unbedingt das, was man mit dem Namen Sanremo verbindet…





Wenn du die gesamte Altstadt hochsteigst, wartet zuoberst eine Überraschung: ein richtig schöner Park mit alten Bäumen und einer Wundersicht auf die Stadt und das Meer:



Die Sonne steht schon tief – Zeit für die Rückkehr.

Zur Stärkung noch ein Kaffee an der Bar direkt am Radweg.

Reisebericht Monte Carlo – Imperia (2015)
Den Ponente-Radweg finde ich rein zufällig, weil ich von Frankreich her kommend über Ventimiglia nach Genua fahre. Was für eine Entdeckung! Das ist einer der schönsten Radwege Italiens. Leider nur 30 km kurz, aber praktisch immer dem Meer entlang. Hier mein kleiner Reisebericht:
Regen-Stadt Monte Carlo
Italien bei Regen. Kenne ich ja. Ventimiglia ist trist in dieser Regenhülle.
Nicht ganz so trist wie Monte Carlo in Regenhülle, wenn gerade der Formel 1 Grand Prix stattfindet. Die Innenstadt ist dann gesperrt. Für alle, auch für Fussgänger. Für Radfahrer sowieso.
Bedeutet: Du fährst oben drüber, über diesen ganzen Monte, mitsamt dem vereinten Verkehr, der auch über den Berg muss. Bei Regen.
Kleiner Einschub: Ich musste in meinem Leben erst zwei Mal durch Monte Carlo fahren. Beide Male war dieser unnütze Formel 1 Mist. Das erste Mal sass ich wenigstens auf dem Motorrad, aber geregnet hats auch, trist wars auch, über den Berg mussten wir damals auch.
Ich beginne mich zu fragen, ob diese Stadt auch anders kann?

Regen-Stimmung
Ich bin also schon gereizt von diesem Umweg, bloss wegen dieses «Sport»-Anlasses. Und all die Schicken, die da herumstöckeln, die nerven mich auch gerade, obwohl sie nicht allzu viel dafür können, dass ich nass und säuerlich bin.
Ich will so schnell wie möglich nach Italien. Und dann fahre ich in Italien ein, und eben: Ventimiglia nichts als grau. Die weitere Strasse auch grau, ein Höllen-Verkehr drängt mich in die plantschbeckengrossen Wasserlachen. Und es tröpfelt mir munter vom Velohelm auf die Nase, die Schuhe sind längst regenvoll.
Meine Stimmung kannst du dir selber ausmalen.
An diesem Abend gönne ich mir in Bordighera ein zu teures B&B mit Heizung und werde wieder friedlich. Dieses Bordighera hat übrigens eine lustig verwinkelte, absolut besuchenswerte Altstadt, völlig unvermutet oben am Hügel.

Meine B&B-Abzockerin Elisa trägt zu meiner verbesserten Stimmung bei, als sie sagt, was man immer gerne hört:
Morgen ists wieder schön
Einer der schönsten Radwege Italiens
Am nächsten Morgen hats Nebel. Klägliches Frühstück unter italienischem Standard mit Aussicht auf den Nebel.
Kaum fahre ich los, drückt die Sonne, und schon reisst es auf, blauer Himmel über blau-glitzerndem Meer, und schon bin ich weg von der Hauptstrasse und finde mich bei Ospedaletti verwundert auf einem echten, gepflegten Radweg wieder.
Dieser Radweg führt über gut 30 km von Ospedaletti nach Imperia. Mitten durch Sanremo. Bis 2022 ging es nur bis San Lorenzo al Mare, dann wurde der Weg bis Imperia verlängert.
Ich hatte schon mal davon gelesen, aber mittlerweile bin ich skeptisch, was italienische Radwege betrifft. Zu oft habe ich Wege angetroffen, die völlig velountauglich waren: voller Müll, Glasscherben und bröckelndem Belag. Oft sind Schikanen eingebaut, die einen alle paar hundert Meter zum Absteigen zwingen. Mit Gepäck bin ich manchmal gar nicht durch die Sperren gekommen. Als ob man die Radfahrer am Benutzen der Radwege hindern wollte.
Kurz: Ich verstehe jeden Italiener, der auf der Strasse fährt, obwohl ein Radweg gleich nebenher führt.
Nicht aber dieser hier ab Ospedaletti. Der ist eine Wucht. Hier fuhr früher die Eisenbahn, seit 2014 ists ein Weg für Fussgänger und Radfahrer.
Als Velofreund solltest du diesen Radweg einfach mal erfahren. Klar markiert, glatter, sauberer Belag. Mit auffallend vielen fröhlichen Pedaleuren, lustigen Besenbeizen und offenen Badestellen. Und das alles mit Blick auf die Riviera Ponente.
Sogar die Tunnels sind ok. Ja, da sind zwei ziemlich lange Tunnels. Gemütlich wäre anders, aber wieder: gut beleuchtet, gut markiert, sauber. So angenehm, dass sogar Fussgänger in diesen Tunnels unterwegs sind. Nicht dass ich das empfehlen würde, aber machbar ohne dass dich die Panik gleich niederstreckt.

Und dann diese Freiluft-Bar mit Velo-Parkplätzen um runde Podeste, auf denen ausrangierte, geschmückte Fahrräder thronen.
Zwei arbeitslose ältere Herren kommen täglich mit ihren Klappervelos hierher, um Zeitung zu lesen, Neuigkeiten auszutauschen und zu gucken, wer hier herumkurvt. Die haben Recht, so schön ists hier.
Der fröhliche Barista ist etwa halb so alt wie ich. Er nimmt sich Zeit, ein paar Worte mit mir zu wechseln, währenddem ich den exzellenten Kaffee trinke. Nach meiner Pause ruft er mir «Ciao cara, buon viaggio» hinterher, als ob wir uns schon lange kennen würden. Ich fühle mich ganz in seinem Alter, jung und geschmeichelt. Das ist der italienische Trick, auf den ich auch nach dem zehntausendsten Mal reinfalle. Bewusst und genüsslich.
So ist das auf diesem schönsten Radweg Italiens. Sein einziger Nachteil: Er ist viel zu kurz. Nach einer guten Stunde ist man durch. Mit viel Trödeln nach zwei Stunden.
Ob ich meine verbleibenden Ferientage einfach auf diesem Radweg verbringen soll?, geht mir durch den Kopf. Immer hin und her. Weils so schön ist.
Bitte mehr davon, liebe Italiener!
[…] Stimmung ist wieder auf der Höhe. Und weil ich den Ort ja clever gewählt habe, liegt er an diesem einmalig schönen Radweg, von dem ich schon mal geschrieben […]
[…] nächsten Tag fahre ich in Italien ein. Adieu France, adieu Monsieur Fnac, es war mir ein […]