Ein wunderschöner Radweg in Ligurien ist die «Pista ciclabile del ponente Ligure». Er führt über 30 km immer dem Meer entlang, flach auf einem alten Bahntrasse verbindet dieser Radweg Imperia mit Sanremo und noch etwas darüber hinaus bis Ospedaletti. Es sind weitere Arbeiten im Gange, und bald schon verlängert sich der Weg nochmals in östlicher Richtung bis Diano Marina.

In diesem Artikel gebe ich erst ein paar praktische Infos, und im zweiten Teil folgt dann mein ursprünglicher Reisebericht aus dem Jahr 2015. Viel hat sich seither nicht verändert – dieser Radweg ist purer Genuss, auch für reine Geniesser ohne Sport-Ambitionen.

CharakteristikFlacher Radweg an der Blumenriviera in Ligurien. Auf einem alten Bahntrasse praktisch immer direkt am Meer. Sehr einfach, auch für Familien und weniger Sportliche.
Start / ZielImperia/Porto Maurizio – Ospedaletti
Hin- und Rückreise mit ZugImperia / Sanremo (in Ospedaletti gibt es keinen Bahnhof)
Distanz30 km
Verpflegung unterwegsDer Radweg durchquert diverse Ortschaften mit Bars und Restaurants. Zwischen den Ortschaften gibt es auch kleine Bars oder Fressbuden.
TippIn den Sommermonaten (Juni-September) ists hier richtig voll. Besser im Frühjahr und Herbst oder wenigstens nicht am Wochenende.
Offizielle Infospistaciclabile.com

Karte zum Ponente-Radweg Imperia-Ospedaletti

Update und Fotos 2023/24

Im Dezember 2023 bin ich die Strecke von Laigueglia bis nach Sanremo gefahren, also von Ost nach West. Bis Cervo gibts keine Alternative zur heftig befahrenen Staatsstrasse 1 (SS1).

In Cervo sieht man erste Spuren von Arbeiten am alten Bahntrasse, das bald einmal Radweg sein wird. Cervo selber ist übrigens unbedingt auch mal ein Besuch wert. Wunderschöne Altstadt mit einer Kirche, die zuoberst thront, und von der man sich fragt, wie ums Himmels Willen die hier gebaut werden konnte.

Altstadt von Cervo, Ligurien
Hier entsteht ein Radweg, Ligurien

Cervo – Diano Marina – Imperia

Zwischen Diano Marina und Imperia sind die Arbeiten für die Verlängerung des Radwegs heftig im Tun. Bald ist also damit zu rechnen, dass der Einstieg auf den Radweg schon in Diano Marina möglich ist.

Übrigens kannst du bei Cervo gleich nach dem Fahrradladen auf der linken Seite die Staatsstrasse verlassen und bis Diano Marina am Lungomare fahren (zumindest im Winter – im Sommer könnte es hier arg voll werden). So kannst du dir das ganze Stück SS1 in San Bartolomeo sparen.

In Diano musst du noch ein Stück auf der SS1 fahren, und bevor die Strasse wieder ansteigt, biegst du links in ein Strässchen ab, das zum Hotel Arc en Ciel und anderen führt. Das sieht so aus:

Diano Marina – hier gehts zum Radweg

Folge dem Strässchen und halte immer links, dann kommst du an eine Absperrung, die für uns Nordlichter wie ein eindeutiges Fahrverbot aussieht, aber Anfang 2024 ist der Stand so:

Am Wochenende ist diese alte Küstenstrasse geöffnet, auf dem am entstehenden Radweg gearbeitet wird. An den Werktagen musst du dann leider auf der Strasse im Verkehr über den Hügel des Capo Berta nach Imperia fahren.

«Strasse geschlossen», und doch gehts weiter:

Die Bauarbeiten sind eindrücklich. Der ganze Berg oberhalb wird mit Stahlnetzen abgesichert.

Diese alte Küstenstrasse ist spektakulär für Meerfreunde, vor allem an Tagen, wenn die Wellen so richtig hochschlagen.

Danach beginnt ein formidabler Radweg, der hinter dem Hafen von Oneglia (Ortsteil von Imperia) durch ein Tunnel (mit Musik!) mitten ins Zentrum von Imperia führt.

Zwischen Diano Marina und Imperia
Hier entsteht der Radweg bei Diano Marina
Radweg bei Imperia
Tunneleingang auf dem Radweg bei Imperia
Fahrradtunnel bei Oneglia
Neuer Radweg 2024 in Imperia
Schluss mit Radweg in Imperia

Dann endet der Radweg in Imperia abrupt, und du musst leider auf die Strasse. Gut möglich aber, dass das nächste Radweg-Stück bereits fertig ist, wenn du dort stehst. Lass es mich doch wissen, dann kann ich den Artikel weiter aktuell halten, danke.

Bis zum Hafen Porto Maurizio musst du dich irgendwie auf der Strasse durchschlagen (peile den Lungomare C. Colombo an) – aber von hier beginnt dann tatsächlich der Radweg.

Porto Maurizio, Imperia
Porto Maurizio, Imperia
Superschöner Strand am Lungomare Colombo in Imperia
Hier beginnt der Radweg in Porto Maurizio, Imperia

Imperia – Sanremo

Auf dem Radweg bei Imperia westwärts
Radweg Imperia - Sanremo

Die nächsten 20 km brauche ich nicht weiter zu erklären. Einige Ortschaften erwähne ich im Reisebericht weiter unten. Der Weg ist bestens beschildert – hier kann sich nun wirklich niemand verfahren.

Und dann kommt Sanremo. Ich kann dir einen Stopp hier nur bedingt empfehlen. Mir persönlich ist die Stadt nicht sympathisch, aber ich war natürlich auch neugierig, was hinter diesem grossen Namen wartet und bin durch die Strassen gestreunt.

Blick aufs Casinò mit dem roten Teppich und vorbei am Teatro Ariston, von aussen ein hässlicher Bau, wo ein Teil des berühmten Musikfestivals jeweils im Februar stattfindet.

Hübsche und teure Geschäfte in Sanremo
Achtung teuer! Focacceria in Sanremo
Casino in Sanremo
Berühmtes Kino Ariston in Sanremo, wo das Musikfestival stattfindet
Sanremo Musikfestival
Ohrwürmer aus Sanremo

Der modernere Stadtteil kann mich nicht begeistern. Spannender wirds, wenn du den Hügel hochsteigst und den Eingang in das alte Stadtviertel «Pigna» findest. Hier wirds richtig eng und düster. Manchmal malerisch, manchmal unheimlich. Nicht unbedingt das, was man mit dem Namen Sanremo verbindet…

Brunnen in der Altstadt von Sanremo
Olivenbaum Altstadt von Sanremo
Altstadt von Sanremo
Altstadt von Sanremo
Altstadt von Sanremo

Wenn du die gesamte Altstadt hochsteigst, wartet zuoberst eine Überraschung: ein richtig schöner Park mit alten Bäumen und einer Wundersicht auf die Stadt und das Meer:

Park oberhalb von Sanremo
Park oberhalb von Sanremo
Park oberhalb von Sanremo

Die Sonne steht schon tief – Zeit für die Rückkehr.

Sanremo von oben

Zur Stärkung noch ein Kaffee an der Bar direkt am Radweg.

Bar am Radweg

Reisebericht Monte Carlo – Imperia (2015)

Den Ponente-Radweg finde ich rein zufällig, weil ich von Frankreich her kommend über Ventimiglia nach Genua fahre. Was für eine Entdeckung! Das ist einer der schönsten Radwege Italiens. Leider nur 30 km kurz, aber praktisch immer dem Meer entlang. Hier mein kleiner Reisebericht:

Regen-Stadt Monte Carlo

Italien bei Regen. Kenne ich ja. Ventimiglia ist trist in dieser Regenhülle.

Nicht ganz so trist wie Monte Carlo in Regenhülle, wenn gerade der Formel 1 Grand Prix stattfindet. Die Innenstadt ist dann gesperrt. Für alle, auch für Fussgänger. Für Radfahrer sowieso.

Bedeutet: Du fährst oben drüber, über diesen ganzen Monte, mitsamt dem vereinten Verkehr, der auch über den Berg muss. Bei Regen.

Kleiner Einschub: Ich musste in meinem Leben erst zwei Mal durch Monte Carlo fahren. Beide Male war dieser unnütze Formel 1 Mist. Das erste Mal sass ich wenigstens auf dem Motorrad, aber geregnet hats auch, trist wars auch, über den Berg mussten wir damals auch.

Ich beginne mich zu fragen, ob diese Stadt auch anders kann?

Regen-Stimmung

Ich bin also schon gereizt von diesem Umweg, bloss wegen dieses «Sport»-Anlasses. Und all die Schicken, die da herumstöckeln, die nerven mich auch gerade, obwohl sie nicht allzu viel dafür können, dass ich nass und säuerlich bin.

Ich will so schnell wie möglich nach Italien. Und dann fahre ich in Italien ein, und eben: Ventimiglia nichts als grau. Die weitere Strasse auch grau, ein Höllen-Verkehr drängt mich in die plantschbeckengrossen Wasserlachen. Und es tröpfelt mir munter vom Velohelm auf die Nase, die Schuhe sind längst regenvoll.

Meine Stimmung kannst du dir selber ausmalen.

An diesem Abend gönne ich mir in Bordighera ein zu teures B&B mit Heizung und werde wieder friedlich. Dieses Bordighera hat übrigens eine lustig verwinkelte, absolut besuchenswerte Altstadt, völlig unvermutet oben am Hügel.

Meine B&B-Abzockerin Elisa trägt zu meiner verbesserten Stimmung bei, als sie sagt, was man immer gerne hört:

Morgen ists wieder schön

Einer der schönsten Radwege Italiens

Am nächsten Morgen hats Nebel. Klägliches Frühstück unter italienischem Standard mit Aussicht auf den Nebel.

Kaum fahre ich los, drückt die Sonne, und schon reisst es auf, blauer Himmel über blau-glitzerndem Meer, und schon bin ich weg von der Hauptstrasse und finde mich bei Ospedaletti verwundert auf einem echten, gepflegten Radweg wieder.

Dieser Radweg führt über gut 30 km von Ospedaletti nach Imperia. Mitten durch Sanremo. Bis 2022 ging es nur bis San Lorenzo al Mare, dann wurde der Weg bis Imperia verlängert.

Ich hatte schon mal davon gelesen, aber mittlerweile bin ich skeptisch, was italienische Radwege betrifft. Zu oft habe ich Wege angetroffen, die völlig velountauglich waren: voller Müll, Glasscherben und bröckelndem Belag. Oft sind Schikanen eingebaut, die einen alle paar hundert Meter zum Absteigen zwingen. Mit Gepäck bin ich manchmal gar nicht durch die Sperren gekommen. Als ob man die Radfahrer am Benutzen der Radwege hindern wollte.

Kurz: Ich verstehe jeden Italiener, der auf der Strasse fährt, obwohl ein Radweg gleich nebenher führt.

Nicht aber dieser hier ab Ospedaletti. Der ist eine Wucht. Hier fuhr früher die Eisenbahn, seit 2014 ists ein Weg für Fussgänger und Radfahrer. 

Als Velofreund solltest du diesen Radweg einfach mal erfahren. Klar markiert, glatter, sauberer Belag. Mit auffallend vielen fröhlichen Pedaleuren, lustigen Besenbeizen und offenen Badestellen. Und das alles mit Blick auf die Riviera Ponente.

Sogar die Tunnels sind ok. Ja, da sind zwei ziemlich lange Tunnels. Gemütlich wäre anders, aber wieder: gut beleuchtet, gut markiert, sauber. So angenehm, dass sogar Fussgänger in diesen Tunnels unterwegs sind. Nicht dass ich das empfehlen würde, aber machbar ohne dass dich die Panik gleich niederstreckt. 

Und dann diese Freiluft-Bar mit Velo-Parkplätzen um runde Podeste, auf denen ausrangierte, geschmückte Fahrräder thronen.

Zwei arbeitslose ältere Herren kommen täglich mit ihren Klappervelos hierher, um Zeitung zu lesen, Neuigkeiten auszutauschen und zu gucken, wer hier herumkurvt. Die haben Recht, so schön ists hier.

Der fröhliche Barista ist etwa halb so alt wie ich. Er nimmt sich Zeit, ein paar Worte mit mir zu wechseln, währenddem ich den exzellenten Kaffee trinke. Nach meiner Pause ruft er mir «Ciao cara, buon viaggio» hinterher, als ob wir uns schon lange kennen würden. Ich fühle mich ganz in seinem Alter, jung und geschmeichelt. Das ist der italienische Trick, auf den ich auch nach dem zehntausendsten Mal reinfalle. Bewusst und genüsslich.

So ist das auf diesem schönsten Radweg Italiens. Sein einziger Nachteil: Er ist viel zu kurz. Nach einer guten Stunde ist man durch. Mit viel Trödeln nach zwei Stunden.

Ob ich meine verbleibenden Ferientage einfach auf diesem Radweg verbringen soll?, geht mir durch den Kopf. Immer hin und her. Weils so schön ist.

Bitte mehr davon, liebe Italiener!