Radwege am Gardasee sind spärlich, die Umrundung mit dem Fahrrad immer noch ein Traum. Von der Gardaseeumrundung wird viel geschrieben, aber bisher ist sie nur ein Projekt, dessen Verwirklichung immer wieder hinausgeschoben wird.
Seit Jahren wird der 160 km lange Radwege «Garda by Bike» oder auch «Ciclovia del Garda» angekündigt, aber fertig ist er immer noch nicht. In diesem Artikel erfährst du, was es mit der Gardasee-Umrundung auf sich hat und wo am Gardasee tatsächlich Radwege zu finden sind.
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Solltest du Radweg-Abschnitte entdecken, die in diesem Artikel fehlen, oder möchtest du sonst etwas ergänzen, schreib mir eine Nachricht, so dass ich diesen Artikel immer aktuell halten kann – danke!
Über den Gardasee für Radfahrer
Der Gardasee ist der grösste See Italiens. Die Italiener nennen ihn Lago di Garda oder Benaco.
Er gehört mit dem Lago Maggiore, Comer See, Iseosee, Luganersee und 3 kleineren zu den Oberitalienischen Seen und ist Teil der Regionen Trentino-Südtirol, Lombardei und Veneto.
Der Gardasee ist 51 km lang, 17 km breit und 160 km im Umfang.
Im Norden liegt der Gardasee noch in alpiner Umgebung, im Süden hat er schon einen Fuss in der Po-Ebene.
Die Westseite ist geprägt von einer Steilküste – darum ist die Küstenstrasse auch von vielen Tunnels durchzogen.
Der Osten ist etwas flacher und lieblicher, entsprechend auch beliebter für den (Massen-)Tourismus.
Gardasee-Karte
Hier ein Blick auf den Gardasee – ein Kartenausschnitt von Komoot. Der EV7, die lila Linie, die östliche am See vorbeiführt, ist der Etsch-Radweg – eine gute Alternative für Radreisende, die hier auf der Nord-Süd-Durchreise sind.

Wichtige Infos für Gardasee-Radfahrer
Wegen seines milden Klimas und der Nähe zu Österreich und Süddeutschland, ist der Gardasee ein überaus beliebtes Ziel für deutschsprachige Touristen. Um Ostern, Pfingsten und im Sommer ist es voll – auch auf den Strassen. Ja, und diese Strassen sind oft eng…
Tourismus-Hotspots
- Sirmione ganz im Süden des Sees. Auch wenn der Ort, der als Halbinsel in den See ragt, durchaus seinen Reiz hat, würde ich besonders in den Sommermonaten einen Bogen darum herum machen. Die Zubringerstrasse ist manchmal eine einzige lange Kolonne von Autos.
- Ostküste: Orte wie Peschiera del Garda, Lazise, Bardolino, Garda, Torri del Benaco, Malcesine sind hochbeliebt bei Touristen und darum in der Saison ziemlich unerträglich. Zwar haben viele dieser Orte auch Radwege – oder zumindest eine Uferpromenade, auf der das Radfahren durchaus genussvoll ist, aber die Menschenmassen trüben zuweilen die Radelfreude.

Beste Rad-Reisezeit am Gardasee
Die Hochsaison am Gardasee ist im Juli und August. Die beiden Monate würde ich bestmöglich meiden (gilt im Grunde für ganz Italien, ausser vielleicht ein paar verlassene Dörfer im Apennin).
Richtig schön ist es im Mai und Juni, sowie im September und Oktober. Das milde Klima lässt eine Radtour auch im April, je nach Jahr, womöglich auch schon im März zu. Befahrbar sind die Strassen am See natürlich ganzjährig, aber Restaurants und Hotels sind ausserhalb der Saison oft geschlossen.
Beachte, dass am Gardasee ausser frühmorgens und bei garstigem Wetter fast immer viel Verkehr ist. Es gibt nun mal einfach nur eine Strasse am See, und wo (noch) keine Radwege sind, ist es auch nicht sonderlich gemütlich zum Radfahren.

Zu deiner Sicherheit: Warnweste und Licht!
Besonders wenn du vorhast, an der Westküste des Sees zu fahren, brauchst du dringend ein starkes Licht an deinem Rad – vorne und hinten! Die Tunnels sind manchmal nicht beleuchtet, eng und verkehrsreich. Übrigens auch sehr laut, was sie noch unangenehmer macht.
Die Warnweste ist in Italien ohnehin obligatorisch in Tunnels und bei schlechter Sicht (Dämmerung, Hudelwetter etc.). Offenbar wird das Tragen der Weste am Gardasee aber auch öfter mal kontrolliert und gebüsst, wenn nicht vorhanden.

Gardasee-Umrundung per Fahrrad
Gleich vorweg: ich rate von einer Umrundung des Gardasees mit dem Fahrrad ab. So verführerisch die Idee, so ungemütlich ist es mancherorts unterwegs. Es gibt noch zu wenige Radwege, und wo es welche hat, sind sie oft überfüllt.
Wenn du den Gardasee nicht umfahren kannst, z. B. auf dem Etsch-Radweg, dann empfehle ich dir, das Schiff zu nehmen.
Wann ist der Radweg um den Gardasee «Garda by bike» fertig?
Seit Jahren ist ein Radweg rund um den Gardasee geplant. «Garda by bike» oder «Ciclovia del Garda» heisst er. 160 km lang soll er sein und 19 Gemeinden verbinden. Geschätzte Kosten: 345 Millionen Euro. Die Eröffnung wird immer wieder verschoben. Anfang 2024 liest man «geplante Eröffnung: Ende 2026». Ich würde mich nicht zu sehr auf diese Angabe verlassen.
Den Überblick über dieses Riesenprojekt zu bekommen und zu behalten, ist nicht ganz einfach. Es gibt viele Verzögerungen wegen Einsprachen und anderen Hickhacks. Einen guten Überblick über die bestehenden und neu geöffneten Radweg-Abschnitte bietet die Seite gardasee.de.
Manche Abschnitte sind eröffnet und werden rege befahren, andere sind rein schon wegen der Topographie der Gegend schwieriger zu erschliessen, und weil das finanziert werden muss, verzögern sich auch die Bauarbeiten.
Ebenso verzögern Einsprachen von Umweltschutzorganisationen das Vorankommen des Projekts. Manche dieser Organisationen schlagen vor, gewisse Abschnitte mit Schiffen zu überbrücken, anstatt die Landschaft noch weiter zu verschandeln. Zudem weisen sie darauf hin, dass einzelne Zonen ohnehin schon bergsturzgefährdet sind, und sich die Kosten zur Sicherung des Radwegs zu vermehrfachen drohen.
Verständlicherweise sind auch Anwohner nicht nur begeistert von der Idee dieses Radwegs, sind sie doch schon genug geplagt von dem hohen Verkehrsaufkommen. Ein lückenloses Radwegnetz um den See würde noch mehr Touristen anziehen. Andererseits würde der Verkehr auf der Strasse vermutlich auch besser fliessen, wenn nicht auch noch Radfahrer darauf unterwegs wären (und in den Tunnels ihr Leben riskieren).
Du siehst, dieser Traumradweg um den Gardasee hat noch viele Hürden zu nehmen, bevor er uns zur Verfügung steht.
Wo hat es am Gardasee Radwege?
Wie gesagt, vom gesamten Radweg, der den Gardasee umrundet, träumen wir erst mal nur. Es gibt aber rund um den See einzelne Radweg-Abschnitte, die schön zu fahren sind.
Norden:
Zwischen Riva del Garda und Torbole, 4,6 km.
Der Radweg verläuft danach weiter nordwärts, nach Arco, das durchaus auch ein Besuch wert ist, und weiter in das Sarca-Tal (siehe Alternativ-Route 2 ganz unten).


Ostseite:
Neben dem Radweg im Norden, ist es an der Ostküste, ab Malcesine südwärts am einfachsten zum Radfahren. In den Touristenorten wie Torri del Benaco, Garda, Bardolino oder Peschiera del Garda gibt es Radwege, zwischen den Ortschaften allerdings kaum. Dort sind aber die Strassen etwas breiter als im Westen, daher ist die Ostseite etwas sicherer zum Radfahren.
Aber nochmal, um ganz klar zu sein: es gibt hier keinen durchgehenden Radweg!
Ab Peschiera del Garda im Südosten des Sees, geht übrigens der Mincio-Radweg ab, der in gut 50 km nach Mantova führt. Dort geht es wesentlich entspannter zu und her als am Gardasee.
Berühmter Radweg-Abschnitt bei Limone sul Garda
Von Limone nordwärts sind im Rahmen von «Garda by bike» 2 km spektakulärer Radweg fertig gestellt. Davon berichten die Medien unablässig, und man könnte meinen, hier wäre ein Radfahrerparadies entstanden. Aber eben, es sind nur 2 Kilometer.
Diese Strecke, die an den Steilhang «gehängt» wurde, teilen sich Radfahrer und Fussgänger. Sie ist zur Touristenattraktion geworden und entsprechend voll. Hier bist du zwar fern der gefährlichen Tunnels und dem Autoverkehr, dafür kommst du nicht vorwärts, weil der Weg voll ist.
Dieser Radweg am Gardasee ist also kurz, und nördlich wie südlich musst du auf der schmalen Strasse mit viel Verkehr fahren, manchmal auch durch unbeleuchtete Tunnels.
Meine Empfehlung: Nimm ab Limone das Schiff, z. B. nach Riva, Torbole, Malcesine oder gleich ganz in den Süden, um von dort weiter zu kommen.

Im folgenden Video zeigt Conny ihre Fahrrad-Umrundung des Gardasees, und ab Minute 8.42 kannst du sie auf dem 2 km-Radweg von Limone aus nordwärts begleiten. Hier kannst du erkennen, wie die Verstrebungen für den Radweg in den Berg gerammt werden mussten. Tatsächlich nicht sonderlich sanft, diese Konstruktion, aber natürlich ein nettes Erlebnis, darauf zu spazieren oder Rad zu fahren:
Gardasee-Erfahrungsbericht eines Lesers
Am Gardasee kenne ich mich nicht gut aus. 2006 bin ich im Sommer aus dem Etschtal kommend am Ostufer entlang und dann weiter nach Verona gefahren, was wegen des Autoverkehrs kein Vergnügen war.
In 2023 sind wir zu zweit auf dem Rückweg von Sardinien nach Norddeutschland am Gardasee entlang ins Etschtal gefahren. Das war Anfang Juni. Der Radweg von Mantua am Mincio entlang ist wirklich schön. Sehenswert ist unterwegs der kleine Ort Borghetto bei Valleggio sul Mincio.
Auf dem Radweg kommt man unvermittelt in den Trubel in Peschiera del Garda und hört vor allem deutsch. Ab Peschiera sind wir direkt am Seeufer bis Lazise entlanggefahren. Wenn ich mich recht entsinne, mussten wir einige Male sehr kurze Stellen mit Schieben überbrücken. Ich glaube, in der Hauptsaison ist Radfahren auf dieser Strecke wegen der vielen Menschen auf dem Weg nicht mehr möglich, es ist auch kein offizieller Radweg.
Weiter ging es auf der Küstenstraße. Das war Anfang Juni gut möglich, der Verkehr war erträglich, obwohl es ein Sonntag war. Danach Übernachtung im Zelt in Assenza, Campingplatz mit kleinem Supermarkt, sehr angenehm. Nachts kam Regen auf, der den ganzen nächsten Tag angehalten hat. Die Weiterfahrt nach Torbole Montag morgens war dann unspektakulär. Von Torbole sind wir zum Bahnhof nach Rovereto gefahren.
In Torbole auf keinen Fall die SS 240 nehmen, sondern ziemlich bald nach dem Ortseingang rechts rein und später auf die Via Europa, die ziemlich steil und gerade und in größerem Abstand parallel zur SS 240 bergauf führt. Auch die folgenden Straßen führen weiter bergauf. Irgendwann findet man die Wegweisung „Ciclovia Adige Garda“, die einen bergab nach Mori und dort zuletzt ziemlich verschlungen an die Etsch führt.
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Radwege am Gardasee – Alternativen zur Seeumrundung
Wenn du nicht direkt am Seeufer fahren, aber trotzdem in der Region des Gardasees mit deinem Fahrrad Ausflüge machen möchtest, dann findest du im Hinterland diverse Möglichkeiten. Am besten bedient sind natürlich Mountainbiker.
Unten findest du 3 Touren, die auch gut mit einem robusten Trekkingbike machbar sind. Einzelne Schotterwege gibts auf den Strecken, aber sie erfordern keine spezielle Fahrtechnik.
Ich selber bin diese Touren nur stückweise gefahren. Falls du bessere Tipps hast oder etwas zu korrigieren an den Vorschlägen, bin ich froh um jeden Hinweis – danke für eine Nachricht.

Alternative 1: Torbole – Ponale-Strasse – Ledro-See – Torbole
38 km, 980 Höhenmeter
Die Tour lässt sich auch verkürzen, indem du in Riva startest.
Die Ponale-Strasse ist ein aussichtsreiches Stück Passstrasse durchs Ledro-Tal. Ein grosser Teil des Wegs ist nicht asphaltiert, aber auch mit robusten Trekkingrädern machbar. Einige Abschnitte sind sehr steil.
Den Ledro-See umrundest du teilweise auf der Strasse, andere Stücke teilst du mit Fussgängern.
Und: auch diese Strecke ist mittlerweile bekannt bei Radfahrern, also auch hier würde ich Feiertage und die Hochsaison meiden.
Alternative 2: Rundtour ab Riva del Garda ins Valle del Sarca
63 km, 970 Höhenmeter
Konditionell anspruchsvolle Rundtour nördlich des Gardasees.
Das Ganze geht auch kürzer und weniger anstrengend: Du startest in umgekehrter Richtung von Torbole nach Arco und weiter nordwärts dem Sarca-Radweg entlang bis Pietramurate, überquerst dort den Fluss und fährst auf der östlichen Seite des Lago di Cavedine wieder in den Süden, zurück nach Arco und Torbole.
Alternative 3: Rundtour ab Desenzano via Salò
65 km, 630 Höhenmeter
Auch diese Tour ist konditionell knackig, weil ein paar steile Abschnitte enthalten sind. Dafür ist Salò ein attraktiver Zwischenstopp, wo du ganz sicher Verpflegung und tolle Seesicht findest.
Ein Italiener, der sehr oft in dieser Ecke Rennrad fährt, empfiehlt, zwischen Desenzano und Salò die Hauptstrasse zu nehmen. Allerdings ist er ein sehr erfahrener Radfahrer, den ein bisschen Verkehr nicht allzu sehr erschreckt. Wäge also selber ab, ob du diese schnellere Verbindung mit weniger Höhenmetern wählst oder doch lieber über ruhigere Strässchen zickzackst.
Fazit Radwege am Gardasee
Der Gardasees ist landschaftlich wunderschön, aber aus meiner Sicht zum genussvollen Radfahren nicht sonderlich geeignet. Von einer kompletten Gardasee-Umrundung per Fahrrad rate ich ab. Hingegen gibt es im Hinterland diverse Möglichkeiten für Radtouren und Wanderungen. Besonders erfreulich ist die Gegend für Mountainbiker.
Für Fahrradferien würde ich mir keinen See aussuchen, weil es an ihren Ufern immer eng und verkehrsreich ist. Am ehesten noch den Iseosee, wenn es unbedingt ein See sein soll. Ansonsten würde ich mir eine ganz andere Strecke für eine Radreise aussuchen.
Wenn du noch auf der Suche nach einer geeigneten Radreise-Strecke bist, findest du in meinem E-Book 21 schönste Radtouren in Italien bestimmt etwas Passendes. Wie wärs zum Beispiel mit der 5-Seen-Tour, die den Gardasee mit dem Iseo-, Comer-, Luganersee und dem Lago Maggiore verbindet?


Danke für den Bericht, sehe ich auch so.
Ich war mal eine Woche in RIva und eine Woche in Malcesine zum Mountainbiken. Da kommt man natürlich auch mal direkt an den See. Ostufer ist m.E. ok zum Radeln, die drei kurzen Tunnel zwischen Torbole und Malcesine sind harmlos. Die langen Tunnel auf der Westseite habe ich nie befahren, war aber erstaunt, wie viele Radler sich da reintrauen. Westufer ab Gargnano nach Süden auch ok, Südufer zwischen Desenzano und Peschiera harmlos, aber langweilig, da ist es schöner südlicher durch das Lugana-Gebiet zu fahren.
Von Limone kann man übrigens über Tremosine nach Gargnano fahren, sind ein paar Höhenmeter, aber man vermeidet die Tunnel. Kurz vor Gargnano etwas abenteuerlich.
EInmal bin ich auch die Strada della Forra (bekannt von Quantum of Solace) gefahren, als sie im Frühsommer 2021 wegen Bauarbeiten an sich gesperrt war. Schon spektaluär.
Wenn man von Norden mit Bahn kommt, ist der Zugang von Rovereto über Mori und Torbole zu empfehlen, 21 km, harmlose Steigungen und fast durchgehend Radwege. Und wenn man vom Verkehr genervt ist, kann man auch ein Schiff nehmen, dauert im Zweifel noch länger, ist aber entspannter.
Vielen Dank, Luidger, für deine Ergänzungen!
Danke sehr, liebe Doro, für diese hilfreichen Infos, du hast mir damit wieder einmal einige Fragen beantwortet.
Ich freue mich immer sehr über deine Artikel mit aktuellen Tipps zum Radeln in Italien, was ja dort manchmal nicht so einfach ist, aber dafür so viele schöne Landschaften und Charme hat!
Herzliche Grüße aus Berlin,
Simone
Tausend Dank, liebe Simone, für deine herzerwärmende Rückmeldung. Ich freue mich sehr, dass dir die Inhalte auf Miss Move nützlich sind.
Auf eine vergnügliche nächste Italien-Radtour,
Doro
Liebe Doro,
vielen Dank für den superaktuellen und interessanten Bericht vom Gardasee!!
Grüße aus dem Allgäu
Jupp
Danke dir, Jupp, fürs Lesen des Artikels.
Ich gebe mir alle Mühe, damit er auch superaktuell bleibt.
Herzliche Grüsse
Doro