Die Abruzzen sind das reine Fahrrad-Paradies – sofern du Steigungen magst. Während meines Aufenthalts in Francavilla al Mare mache ich einen Tagesausflug nach Lanciano.

Fahrradwege zwischen Vasto und Ortona?

Eigentlich bin ich wieder einmal auf der Suche nach einem Radweg. Während meiner Reise auf der Ciclovia Adriatica hat mich ja dieselbe Mission umgetrieben: herauszufinden, ob auf dieser Langstrecke der Adria entlang auch echte Radwege dabei sind.

Es gibt welche, ja, aber sehr spärlich. Die 30 Kilometer zwischen Termoli (Region Molise) und Vasto (Abruzzen) sind fast vollständig über Radwege zu fahren, hier ein paar Bilder dazu.

Beim aktuellen Aufenthalt habe ich munkeln hören, dass die Strecke zwischen Vasto, ganz im Süden der Abruzzen und Ortona vollständig als Radweg ausgebaut wäre.

Das will ich sehen, darauf will ich fahren. Darum fahre ich ab Francavilla al Mare los nach Süden.

Zwischen Francavilla al Mare und Ortona ist das Fahrrad-Vergnügen sehr beschränkt. Es bleibt nur die Fahrt auf der Nationalstrasse SS16. Viel Verkehr, wenig Platz für das Fahrrad.

 

Der Radweg ab Ortona

Haha, ich muss laut lachen, als ich den Radweg in Ortona sehe.

Also nein, zuerst gerate ich nahezu in Verzückung, als ich ihn erblicke.

Am Hafen von Ortona geht ein echter, perfekt markierter, bunter Radweg los. Er wird rege genutzt. Vor allem von Fussgängern, die viel lieber auf dem neuen Radweg spazieren und joggen als auf dem Gehsteig gleich daneben. Ich freue mich auf die Fahrt, die richtig gemütlich zu werden verspricht.

2 Kilometer später endet der Radweg im Nichts.

Per Fahrrad in den Abruzzen

Wie man als Radfahrer weiterfahren soll, ist mit keinem Wort beschrieben, kein Wegweiser, da musst du selber gucken.

Immerhin erahne ich, dass hier ein Wille zum Radwegbau vorhanden war/wäre/ist. Ich nehme an, der Geldfluss wurde zwischenzeitlich vom Radweg zu einem anderen lustigen Projekt gelenkt. Für solche Aktionen haben italienische Politiker anscheinend gerne offene Ohren.

So folge ich eben wieder der hektischen SS16, in der Hoffnung, dass sich der neue Radweg unterwegs wieder zeigen möge. Aber leider nein, kein Radweg mehr.

Darum beschliesse ich, meine Tour zu ändern. Anstatt der Küstenstrasse zu folgen, die ich ohnehin schon kenne und nach Vasto zu fahren, peile ich Lanciano an. Ein Ort, den ich schon länger im Visier habe und unweit von Ortona im Landesinnern liegt.

Meine gesamte Route sieht schliesslich wie folgt aus. Interessanterweise bietet Google Maps auf den italienischen Karten keine Fahrrad-Routenplanung an. Hier ist man per Auto unterwegs.

Per Fahrrad durch die Abruzzen

 

 




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San Vito Chietino

Eine hübsche Überraschung in San Vito. Sowohl der Ortsteil Marina, der am Meer gelegen ist wie auch der darüber thronende alte Ortskern San Vito Chietino.

Ich befinde mich an der „Costa dei trabocchi„, an der Trabocchi-Küste. An der Adriaküste im südlichen Teil der Abruzzen befinden sich diese „Fischerei-Maschinen“, deren Funktionsweise mit Balken, Seilen und Netzen mein Verständnis total übersteigt.

Heute sind jedenfalls viele Trabocchi zu Restaurants umfunktioniert.

Hier 2 Trabocchi in Marina di San Vito:

Abruzzen per Fahrrad

 

Abruzzen per Fahrrad

Ein paar Schritte von den Trabocchi entfernt, erfreut mich die phänomenale Bar-Pasticceria Iezzi Rossana.

Leider war ich nicht in der Lage, die riesige, mit viel Schlagrahm gefüllte „Mini“-Colomba zu fotografieren, weil ich vor dem Genuss zu gierig und danach zu klebrig war, um ein Bild zu machen.

Per Fahrrad durch die Abruzzen

Gestärkt von Kaffee und Zuckerbombe, gehts hinauf nach San Vito Chietino. Eine wunderhübsche Altstadt mit Panoramaterrasse erwartet dich hier oben.

Durch die Abruzzen per Fahrrad

 

Abruzzen per Fahrrad

 

Abruzzen per Fahrrad

 

Per Fahrrad durch die Abruzzen

 

Weiter nach Lanciano

Von San Vito Chietino nach Lanciano vertue ich mich in der Strassenwahl, fahre mitten in einer Blech-Karawane auf einem Autobahnzubringer. Mittagszeit, alle habens eilig, heim zum Essen zu kommen. Dabei sieht das Strässchen SS84 auf der Karte so idyllisch aus.

Richtig idyllisch ists dann aber erst in der Altstadt von Lanciano.

Wie gesagt, Mittagszeit. Die Stadt ist ausgestorben. Ein paar Obdachlose sitzen mit leeren Blicken auf einer Bank im Schatten des Ratshauses.

Sonst bin ich alleine, geniesse die warme Frühlingssonne und die freien Strassen, um herumzustreunen.

Ganz speziell in Lancinao ist die Cattedrale della Madonna del Ponte. Die Kathedrale wurde gleich auf einer Brücke errichtet. Selbstverständlich geschlossen über Mittag. Aber die Brücke ist begehbar.

Lanciano, Abruzzen per Fahrrad

Das ist der Palazzo de Giorgio Lanciano:

Abruzzen per Fahrrad

Torre di San Giovanni:

Abruzzen per Fahrrad

Lanciano hat extrem viel zu bieten. Falls du dich dafür interessierst, kann ich dir sehr die deutschsprachige Seite von Abruzzo-4you empfehlen. Das ist ein Verein, der sich ehrenamtlich und mit viel Power dafür einsetzt, dass die Schätze von Lanciano bekannt werden. Hier kannst du auch kostengünstige Stadtführungen buchen.

 

Über Frisa zurück nach Ortona

In Lanciano verzettle ich mich so, dass ich komplett den Orientierungssinn verliere. In einer Bar frage ich, in welche Richtung ich denn fahren müsste, wenn ich über Frisa nach Ortona zurückkehren möchte.

Der arme Barista, den meine Frage erwischt, ist komplett überfordert mit meinem Anliegen.

„Willst du nach Ortona oder nach Frisa?“, fragt er nach.

„Ich möchte über Frisa nach Ortona fahren“, erkläre ich.

„Dann nimm die Strasse, wo auf dem Wegweiser Ortona angeschrieben ist.“

„Wo ist denn dieser Wegweiser?“, versuche ich zu verstehen.

„Na, da unten.“ Er zeigt die Strasse hinunter.

„Gehts da auch nach Frisa?“

„Ich meinte, du willst nach Ortona?“ Er verwirft die Hände.

Wir finden uns nicht. Ein anderer Herr übernimmt. Dem macht zu schaffen, dass ich mit dem Fahrrad und nicht mit dem Auto unterwegs bin.

„Geh nach San Vito, da gehts immer nach unten“, empfiehlt er mir.

„Danke, da bin ich hergekommen. Ich möchte über Frisa nach Ortona fahren.“

Und so weiter.

Ich finde die Strasse schliesslich selber. Beim Wegweiser wird alles klar:

Abruzzen per Fahrrad

 

Die Fahrt über Frisa ist wunderschön. Ein kaum befahrenes Strässchen führt rauf und runter, an Blumenwiesen, Olivenbäumen und einzelnen Häusern vorbei. Die Sonne scheint, der Wind schiebt leicht von hinten.

So ist Fahrradfahren eine Freude!

 

Abruzzen per Fahrrad