Von Catania aus will ich den Ätna mit dem Fahrrad erklimmen, ihn umrunden und schliesslich den Norden von Sizilien erfahren. Das Wetter mischt sich allerdings auch ins Programm ein…

Schnee auf dem Ätna

Catania, Sizilien, im April.

Als ich am Morgen des Tages meiner Ätna-Eroberung im Zelt erwache, liegt Schnee in der Luft.

Eiskalt ists, mein Atem erzeugt kleine Wölklein im Zelt.

Da ich schon am Tag zuvor ein Verlegenheitsprogramm in Catanias Umgebung gemacht habe – das durchaus lohnenswert war – will ich keinen weiteren Tag warten.

Trotz Kälte packe ich meine Sachen zusammen und starte. Immerhin regnets nicht.

 

Gut umsorgt in Nicolosi und Zafferana Etnea

Die 20 Kilometer von Catania bis Nicolosi wärmen mich tüchtig auf. Immerhin fahre ich von Meereshöhe auf 700 Meter über Meer, begleitet von einer endlosen Autokolonne.

In Nicolosi schmerzt mein Sorgenknie. Wohl ein Protest gegen die Kälte.

Dafür kriege ich die Infos, die ich brauche mitten auf der Strasse von zwei vermummten Radfahrern, die von der Ätna-Strasse herunterkommen. Tiefgefroren.

„Nein, zum Rifugio Sapienza solltest du nicht fahren, es schneit oben“, sagt der eine, während er zwei Tüten Zucker in seinen Espresso rührt.

„Das sind nochmals 1200 Höhenmeter bis hoch zum Rifugio. Willst du das etwa mit diesem schweren Fahrrad machen?“, wendet der andere ein.

Ja, will ich sehr gern. Hätte ich sogar allergrösste Lust. Ich liebe lange Steigungen.

Allerdings muss ich murrend zugeben, dass es unklug wäre, bei dieser Kälte und dem schmerzenden Knie diesen Aufstieg zu erzwingen. Ganz zu schweigen von der anschliessenden Abfahrt auf rutschigen Strassen.

Ich begnüge mich mit der Route um den Bauch des Ätna.

Als wir aufbrechen, prüfen die beiden noch den Reifendruck meines Fahrrads, versehen mich mit sorgenvollen Blicken, und einer der Kerle will mir sogar seine Handschuhe schenken.

Wie schön, so liebevoll umsorgt zu werden!

Ätna mit dem Fahrrad

Gleich ums Eck gehts weiter mit Liebenswürdigkeiten.

Vor einer Kirche frage ich ein munter debattierendes Grüppchen älterer Männer nach der richtigen Abzweigung. Die Herren können es kaum fassen, dass eine Frau so ganz alleine durch Sizilien pedalt. Das muss erst einmal ausgiebig diskutiert werden. Die Auskunft lässt auf sich warten, bis sich einer mit schalkhaften Augen erbarmt, mich an die Hand nimmt und zur nächsten Kreuzung führt.

„Schau, diese Strasse dort führt nach Linguaglossa, die musst du nehmen“, sagt er. Und dann: „Sei vorsichtig, wenn du alleine durch Sizilien fährst. Es gibt viele merkwürdige Leute, traue niemandem.“

Ich verkneife mir ein Grinsen – sein Rat bezieht sich natürlich nicht auf ihn selber.

 

Zwischen Zafferana und Linguaglossa

Die Landschaft wird karg. Ich fahre ganz alleine auf der Strasse zwischen Zafferana und Linguaglossa. Mitten auf dem Ätna.

Ein Schild warnt vor vulkanischem Sand. Sollte der sich auf der Strasse befinden, darf weder Fahrrad noch Motorrad fahren. Scheint rutschig zu werden. Heute zum Glück nicht.

Per Fahrrad durch Sizilien

 

Unheimlich ists. Riesige Felder von schwarzem Fels zeugen von früheren Eruptionen. Der Himmel ist dunkel, ein kalter Wind bläst mir ins Gesicht. Gleich geht die Welt unter.

Sizilien

Mir gefällt diese wilde Fahrt. Wie es hier sein mag, wenn die Sonne scheint?

In Linguaglossa finde ich das grosszügige B&B Il Corbezzolo, was Erdbeerbaum bedeutet. Den sehe ich nirgends. Aber ich bekomme eine riesige Wohnung mit Balkon und Blick auf den Ätna für 25 Euro.

 

Passstrasse nach Novara di Sicilia

Diese Strasse ist ein Highlight meiner Sizlienrunde. Ein ruhiges Strässchen, das immer wieder mal einen Blick auf den Ätna freigibt. Sofern er sich nicht in den Wolken versteckt.

Sizilien per Fahrrad

 

Per Fahrrad durch Sizilien

Je näher ich der Passhöhe (1100 Meter über Meer) komme, desto heiterer wird das Wetter. Bald schon leuchten blaue Himmelflecken durch das Grau, und ein paar Sonnenstrahlen dringen durch.

So ist die Abfahrt Richtung Meer die wahre Freude.

Passstrasse Linguaglossa - Novara di Sicilia

 

Novara di Sicilia ist ein hübsches Örtchen. Leider erwische ich es zur Mittagszeit am Ostermontag. Bedeutet: kein Mensch auf der Strasse. Ganz alleine spaziere ich durch die Gassen. Etwas gespenstisch, aber sehr friedlich.

An der Passstrasse von Linguaglossa nach Norden

 

Sizilien per Fahrrad

 

Am Ätna per Fahrrad

Stürmische Nacht in Milazzo

Als ich nach 100 Kilometern auf dem Camping von Milazzo (4 km ausserhalb) eintreffe, ist das Wetter schon wieder trüb. Der Campingplatz gibt wenig Grund zur Freude, ausser dem fantastischen Stellplatz für mein Zelt:

Sizilien per Fahrrad

Nachts wildern mehrere Gewitter über mein Zeltdach hinweg. Ungemütlich.

Am Morgen ists zwar richtig kalt, aber immerhin wieder trocken.

Sizilien per Fahrrad

Wegen dem stürmischen Wetter fällt auch mein Plan ins Wasser, die Fähre zur Insel Vulcano zu nehmen. Die Fähren verkehren heute nicht.

Dafür entdecke ich, dass mir Milazzo richtig gut gefällt.

Nach einem Spaziergang durch den Ort pedale ich wieder los. Jetzt ist die Nordküste Siziliens an der Reihe.

Mit dem Fahrrad durch Sizilien

Die Nordküste von Sizilien

An diesem Tag komme ich nicht sonderlich weit. 35 Kilometer von Milazzo entfernt gibts einen Campingplatz. Und den gibts dort, weil die bekannte Wallfahrtskirche von Tindari und ein Naturschutzgebiet, die Laghetti di Marinello, Massen von Touristen anziehen.

Also mache ichs wie alle Touristen hier, spaziere gegen Abend dem Strand entlang und freue mich über den Aperol Spritz mit mir.

Durch Italien per Fahrrad

 

Per Fahrrad durch Sizilien

 

Tindari

Am frühen Morgen sind die kleinen Seen besonders reizvoll.

Tindari, Sizilien

Blick von der Wallfahrtskirche Tindari auf die kleine Landzunge vor den Laghetti di Marinello:

Sizilien per Fahrrad

Die Wallfahrtskirche Tindari:

Italien per Fahrrad

 

Regen aussitzen

Eine fette Regenfront und sehr kühles Wetter ist für die nächsten Tage angekündigt. Ich verkrieche mich an einen Ort, den ich von meiner Fahrrad-Reise Schweiz-Palermo noch kenne: den Camping Il Cicero bei San Giorgio. Der Besitzer, Andrea, kann sich tatsächlich noch an mich erinnern und bietet mir wieder einen Bungalow zum Freundschaftspreis an.

Per Fahrrad durch Italien

Auch dieses Mal bin ich ganz selig in meinem trockenen Häuschen mit Heizung:

Per Fahrrad durch Italien

Nach 3 Tagen Herumsitzen kann ichs kaum erwarten, mich wieder auf den Sattel zu schwingen.

Das mittlere Stück der Nordküste Siziliens finde ich besonders attraktiv, weil die Strasse oft nahe am Meer entlang führt und zuweilen prächtige Weitblicke bereithält.

Durch Italien per Fahrrad

 

Per Fahrrad durch Italien

Bei Castel di Tusa geniesse ich auf dem Camping Lo Scoglio den meeresnahen Stellplatz für mein Zelt:

Italien per Fahrrad

 

Fahrrad fahren an Siziliens Nordküste

An der Meerespromenade von Castel di Tusa buhlen Natur und Kunst um die Aufmerksamkeit der Besucher.

Fahrrad-Reisen in ItalienFahrrad-Reisen in Italien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Per Fahrrad durch Italien

 

Cefalù zum Abschied

Und dann kommt Cefalù, die Schöne, in Sicht. Oder genauer: der Fels, hinter dem sich der Ort verbirgt.

Sizilien per Fahrrad

 

Per Fahrrad an Siziliens Nordküste

In Cefalù verbringe ich den Nachmittag auf einer Bank am Meer mit Antonio. Er ist 86 Jahre alt und erzählt mir aus seinem Leben. Er ist ein paar Kilometer landeinwärts von Cefalù geboren, aufgewachsen – und lebt heute noch dort. Früher seien sie mit dem Maulesel nach Cefalù gekommen, um auf dem Markt ihre Ware zu verkaufen und das Notwendigste einzukaufen. Vor 70 Jahren – eine vollkommen andere Welt als das heutige Touristentreiben am Meer.

Siziliens Nordküste per Fahrrad

 

Per Fahrrad durch Italien

Von Cefalù ist es nur noch eine Tagesetappe bis Palermo, wo sich meine Sizilien-Umrundung vollendet.

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Falls du mehr wissen möchtest zum Radfahren auf Sizilien, lies gerne die drei Artikel über Siziliens Nordwesten, Westen und Süden oder kontaktiere mich mit deiner konkreten Frage.

 

Die Nordküste von Sizilien bietet viel lässt sich mit dem Fahrrad ganz prächtig erfahren