Fährst du per Fahrrad von der Po-Ebene (zum Beispiel Mailand) nach Ligurien, bieten sich verschiedene Übergänge über den Apennin an. Einer davon führt auf knapp 150 Kilometern von Piacenza übers Val Trebbia nach Genua.

Der Fluss Trebbia ist 120 km lang. Seine Quelle ist auf 1406 Meter am Monte Prelà in Ligurien und fliesst bei Piacenza (Emilia-Romagna) in den Po.

Ich habe die Strecke in 2 Tagen gemacht. Mit Übernachtung in Rovegno. Auch Ottone würde sich als Übernachtungsort anbieten.

Beachte, dass die Hauptstrasse, die durch das Tal führt (SS 45) eine gut befahrene Verbindung ist. Zwischen Piacenza und Bobbio empfehle ich dir, die alte Strasse zu benutzen, wie es auf der Karte unten eingezeichnet ist. Nimm ab Perino unbedingt die alte Strasse und fahre dann nach Centomerli hoch (siehe Karte), ansonsten musst du vor Bobbio einen langen, hochgefährlichen Tunnel durchfahren. Leider ist vor ein paar Jahren eine kleine Brücke auf der alten Strasse eingestürzt und wurde aus unerklärlichen Gründen nicht wieder aufgebaut – darum dieser Umweg über Centomerli.

Ab Bobbio gibt es keine Alternative mehr zur SS 45, aber im oberen Tal geht es auch ruhiger zu und her. Vermeide das Wochenende, weil sich dann auch die Motorradfahrer an den Kurven vergnügen.

Infos Val Trebbia im Überblick

Start: Piacenza

Ziel: Genua

Strecke: 150 km

Höchster Punkt: 905 m

Ideal in 2 Tagen – Übernachtung: Bar Ristopizzeria Locanda Il Genova in Ottone

Verpflegung unterwegs:

  • Bis Bobbio fährst du immer wieder durch Ortschaften mit Läden, Bars und Restaurants. Zwischen Bobbio und Ottone wirds spärlicher.
  • Ein Abstecher nach Travo lohnt sich auf jeden Fall.
  • Pasticcerie in Torriglia!

Start in Piacenza

Piacenza kennt kaum jemand, dabei ist die Innenstadt eine Schönheit.

Toll ist die Piazza dei Cavalli und die Gassen darum herum. Möchtest du mehr über diese Stadt erfahren, findest du hier einen ganzen Artikel über Piacenza.

Palazzo Gotico
Herrenhäuser in Piacenza

Um ins Val Trebbia zu gelangen, verlässt du Piacenza in südwestliche Richtung auf der Via Vittorio Veneto, später Strada Agazzana, wo du teilweise auch einen Radweg findest. Der Anfang ist nicht so prickelnd, aber weiter du Piacenza hinter dir lässt, desto ruhiger wird es. Nach Gossolengo überquerst du den Fluss Trebbia das erste Mal und bleibst auf der alten Strasse am nordwestlichen Ufer.

Schneller gehts auf der SS 45, auf der es auch meistens einen Seitenstreifen hat (KEIN Radweg!), aber wie oben gesagt, empfehle ich sie dir des Verkehrs wegen nicht. Gerätst du trotzdem darauf, gibts nach Rivergaro eine Brücke, die dich auf die alte Strasse und nach Travo führt.

Sonnenuntergang in Rivergaro

Pause in Travo

Travo ist ein kleiner Ort mit einer hübschen Piazza und einer netten Bar. Eine Pause drängt sich hier fast schon auf.

In Travo triffst du viele (Renn-)Radfahrer aus der Region, die hier ihre Runden machen. Ansonsten ist nicht viel los. Alltag in einem italienischen Dorf, weg vom grossen Getümmel.

Hauptplatz von Travo
Hauptplatz von Travo
Mit Miss Move in Travo
Per Fahrrad in Travo
Piacenza - Genua übers Val Trebbia
Per Fahrrad von Piacenza nach Genua - hier in Travo
Travo mit Miss Move
Im Val Trebbia per Fahrrad

Perino und Centomerli

Weiter gehts auf der Provinzstrasse SP 63, manchmal etwas holperig, aber total friedlich. Kurze Stücke sind nicht asphaltiert, siehe Bild oben, aber sie sind gut auch mit einem schwer bepackten Fahrrad zu machen.

Bis Perino gibt es keine Verpflegungsmöglichkeit mehr.

Um nach Perino zu gelangen, überquerst du den Fluss. Das Dorf selber hat wenig zu bieten, aber du findest hier eine Bar.

Weiter gehts ein paar Kilometer auf der alten Strasse auf der gleichen Talseite.

Dann musst du ganz kurz auf die Hauptstrasse, um nach Mezzano Scotti auf der anderen Flussseite zu gelangen.

Achtung, wichtig: bleibe nicht auf der SS 45, auch wenn es bequemer wäre, aber auf den nächsten Kilometern ist es hier zu gefährlich mit engen Brücken und vor allem einem mörderischen Tunnel vor Bobbio.

Stattdessen fährst du also nach Mezzano Scotti und folgst der Via Roma, die nach Centomerli hoch führt. Ganz gemütlich, kaum Verkehr. Diesem Strässchen folgst du, immer in Richtung Bobbio, bis du schliesslich dort einfährst.

Nächste Pause: Bobbio

Bobbio darfst du dir auf keinen Fall entgehen lassen. Es zählt zu den Borghi più belli d’Italia – den schönsten Orte Italiens. Im Jahr 614 gründete hier der irische Wandermönch Columban ein Kloster, das eine der grössten Bibliotheken des Mittelalters hervorbrachte.

Das Klostergebäude (Abbazia San Colombano) kannst du heute noch besichtigen, allerdings wird es heute für andere Zwecke genutzt.

Mit Miss Move von Piacenza nach Genua

Bobbio ist ebenfalls bekannt für seine Brücke Ponte Gobbo, die die Mönche ebenfalls im 7. Jahrhundert erbauten. Wurden in den letzten Jahren zahlreiche modernere Brücken von Unwettern beschädigt, blieb diese Brücke weitestgehend unbeschädigt.

Die Altstadt von Bobbio ist in den Sommermonaten lebendig und hat hübsche Winkel zu bieten.

Per Fahrrad von Piacenza nach Genua
Miss Move im Val Trebbia
Mit Miss Move in Bobbio
Per Fahrrad von Piacenza nach Genua
Per Fahrrad von Piacenza nach Genua

Schlemmereien findest du in der Salumeria Artevi. Ein Lebensmittelladen, von dem du auf Radtouren nur träumen kannst. Ideal fürs Picknick auf einer Bank im Park.

Neu für mich waren die Ciccioli di maiale. Das sind kleine Chips aus Schweinefett, so sehen sieh aus. Klingt furchtbar, ich weiss, aber sie schmecken (mir) echt gut. Und geben Power für die kommende Fahrt. Aber Vorsicht: einfach so 1-2 Stück zum Anfangen, zu viele liegen höllisch schwer im Bauch…

Besonders gut seien die Ciccioli übrigens, wenn du sie in die Polenta mischst.

Lebensmittelladen in Bobbio
Lebensmittelgeschäft in Bobbio
Schlemmen in Bobbio

Nun ist aber fertig geschlemmt – weiter gehts talaufwärts. Ab jetzt fährst du zwar auf der Hauptstrasse, der SS 45, aber sie wird ruhiger, je weiter du das Tal hoch fährst.

Immer wieder ist die Trebbia von der Strasse aus sichtbar. Ab und zu kannst du Badende erspähen, die sich im Fluss erfrischen. Wenn du einen Zugang findest, stell wenigstens mal die Füsse ins Wasser – meistens ist es eiskalt.

Badende am Fluss Trebbia bei Bobbio
Per Fahrrad von Piacenza nach Genua
Durchs Val Trebbia nach Genua per Fahrrad

Gut möglich, dass du beim Baden beobachtet wirst: oben am Berg thront das Kirchlein von Brugnello, von wo aus Besucher ins Tal blicken.

Im Val Trebbia per Fahrrad

Einen Abstecher ins Dörfchen Brugnello lohnt sich, ist aber eine Extrasteigung, die es in sich hat. Das Strässchen hinauf nach Brugnello geht vom Ort Marsaglia an der Hauptstrasse SS 45 ab.

Die grandiose Aussicht aufs Tal belohnt die Mühe beim Aufstieg.

Der Blick vom Kirchlein von Brugnello. Hier kannst du gut erkennen, wie die Strasse dem Fluss folgt:

Der Trebbia entlang von Piacenza nach Genua

Eindrücke von Brugnello:

Schlemmen im Restaurant von Brugnello
Türglocke in Katzenform im Dorf Brugnello
Türglocke in Schafform im Dorf Brugnello im Val Trebbia
Alter Waschtrog in Brugnello im Val Trebbia, Italien
Brugnello in der Provinz Piacenza

Das obere Val Trebbia

Zurück im Sattel, kommt jetzt der härtere Teil des Tages.

Auf den nächsten 20 Kilometern wird die Strasse steiler, es gibt weniger Ablenkung. Dafür wirds auch landschaftlich immer schöner.

Kein Zimmer in Ottone

In Ottone bietet sich eine Übernachtungsmöglichkeit im Albergo Genova an. Die 5 kürzlich renovierten Zimmer sind günstig (30 € EZ, 50 € DZ) und wohl sehr hübsch eingerichtet. Leider komme ich nicht in den Genuss, weil an diesem Samstag Abend alles ausgebucht ist und es mir nicht einmal eingefallen ist, zu reservieren. Ich rate es dir sehr, weil:

Man hört, dass die Gastgeber Giordano und Stefania ganz hervorragendes Essen mit lokalen Spezialitäten in ihrem Restaurant im Erdgeschoss anbieten. Gutes Preis-Leistungsverhältnis.

Hier sind die beiden, Stefania und Giordano (rechts) mit einem Fahrrad-Gast:

Stefania und Giordano vor ihrem Hotel in Ottone

Das Hotel Genova in Ottone bietet Bikern und Wanderern auch einen Shuttle Service vom und zum Hotel an – siehe Flyer unten.

Nähere Informationen:

Telefon +39 339 309 6097

E-Mail: mtb@albergogenova-ottone.it
(Vorsicht, auf dem Flyer unten ist diese Mail-Adresse nicht korrekt. Kopier dir die obige raus ↖️)

Übernachten in Ottone im Val Trebbia

Ich bereue es immer noch, dass ich so schusslig war, nicht zu reservieren. Aber vielleicht schaffst dus, probierst es aus – und schreibst mir, wie es dir gefallen hat?

Camping in Rovegno

Weil ich in Ottone nicht übernachten kann, fahre ich weiter talaufwärts. Nach 8 zähen Kilometern erreiche ich den Camping Le Fontanelle in Rovegno. Auf diesen 8 Kilometern passierst du die Grenze zwischen den Regionen Emilia-Romagna und Ligurien.

Der Camping ist ganz ruhig. Ein klassischer Dauercamper-Platz mit Holzhütten und ein bisschen Wiese für gelegentliche Zelt-Gäste.

Zu meiner grossen Freude hat es gleich neben dem Camping das Restaurant La Taverna*, wo ich schlemmen kann. Die Pizza ist hervorragend, die Wartezeit für meinen Hunger eine Zumutung. An diesem Samstag Abend ist das Lokal voll. Offenbar kommen auch Gäste aus der Region hier essen.

Auch hier gilt: reservieren, wenn du am Wochenende vorbeikommst.

Übrigens: der Dessert macht die vorgängige Warterei wieder wett. Eine reichhaltige Weiss-nicht-mehr-was-Torte mit Vin Santo, einem süssen Wein. Nachher kippst du selig ins Bett.

Reichhaltige Torte mit Vin Santo

Am nächsten Morgen ist es so a…kalt, dass mir fast die Finger abfrieren beim Zeltabbauen. Das Tal ist eng hier, die Sonne braucht noch eine Weile, bis sie den Campingplatz erreicht.

Zum Glück gehts so richtig heftig aufwärts in den Ort Rovegno, wo eine Bar auch am Sonntag schon früh offen ist. Die Sonne scheint schon auf die Tischchen im Freien. Das ist eine Frühstücksfreude!

Die Fahrt auf die Passhöhe ist wunderschön. Noch wenig Verkehr, ein stetes kurviges Aufwärts, nie zu steil.

Mich irritierts bloss, dass die Passhöhe nirgends gekennzeichnet ist. Irgendwann gehts einfach wieder hinunter, und das wars dann.

Per Fahrrad im Val Trebbia

Miss Move ganz vergnügt, nach grossem Frühstück, am Pedalen in der Morgensonne.

Zuoberst: Torriglia

Also eben, den Pass kriegst du gar nicht so mit, aber du kannst einen Abstecher nach Torriglia machen. Das Dorf liegt auf 769 Meter über Meer, am Fuss des Monte Prelà, wo sich die Quellen der beiden Flüsse Trebbia und Scrivia befinden.

Torriglia selber ist ein bezaubernd lebendiger Ort. An diesem Sonntagmorgen trifft sich das ganze Tal in der Bar vor der Kirche. Die Sonne wärmt, der Kaffee belebt, und kaum sitzt du an einem Tischchen vor der Bar, erblickst du die Konditorei gegenüber. Da gibts nur eins: hinüberflitzen und etwas Süsses holen. Lohnt sich sehr.

Und dann einfach sitzen und gucken. Rennradfahrer, Kirchgänger, Signore in Leopardenleggins und Schuhen mit Absätzen bis in den Himmel, ältere Herren erklären sich gegenseitig die Welt, Kinder bringen Stühle zu Fall, Mütter zetern, Väter schauen weg, Touristen bringen den Verkehr zum Stocken, Teenagermädels kichern Teenagerjungs hinterher, …

Es ist Sonntag.

Genua

Dann gehts nur noch abwärts.

Eine Talfahrt, die nicht mehr zu enden scheint. Erinnert mich an die Abfahrt vom Berninapass nach Tirano, wo du irgendwann vom Bremsen den Krampf in den Fingern kriegst.

Dann kommen die ersten Industriebauten in Sicht – du fährst in Genua ein.

Zu deiner Rechten hast du immer den Fluss Bisagno.

Und jetzt kommt das Unglaubliche: in diesem Flussbett hausen – Wildschweine! Als mir das jemand sagte, lachte ich laut und sagte: jaja. Was sollen denn Wildschweine in einem Flussbett in Genua wollen?

Jetzt blicke ich also hinunter ins Flussbett, und sehe sie tatsächlich. Ein ganzes Rudel Wildschweine. Offenbar haben sich Einwohner und Tiere arrangiert – man lässt sich gegenseitig in Ruhe. Noch…

Dann wirds halt städtisch und entsprechend ein bisschen mühsam.

Aber wenn du dann den Touristenhafen gefunden hast und das Meer siehst und auf die grossen Fähren blickst und in die Berge guckst, die du eben überwunden hast, dann macht sich da schon eine grosse Zufriedenheit breit, in des Radfahrers Seele.

Stimmts?

Von Piacenza nach Genua per Fahrrad