Meer und Berg – immer wieder zieht mich diese Kombination an. Dieses Mal gehts vom Meer in die Po-Ebene, nämlich von Sestri Levante in Ligurien über den Apennin nach Piacenza in der Emilia-Romagna.

Diese Tour ist eine etwas ruhigere Alternative zum Passo della Cisa, der ebenfalls von Ligurien in die Emilia-Romagna führt. Der Passo della Cisa verläuft etwas südlicher ab La Spezia und ist der bekanntere Übergang von der Po-Ebene ans Meer.

Im Unterschied zum Passo della Cisa, fährst du auf der hier beschriebenen Route nicht nur über einen, sondern über drei kleine Pässe. Die Strässchen sind weniger befahren, aber auch enger als auf dem Cisa-Pass.

Diese Route lässt sich gut auch von Genua aus starten. In einer sehr schönen Tagesetappe von 50 km und, Achtung: nicht zu unterschätzenden Höhenmetern, pedalst du von Genua nach Sestri Levante. Lies dazu den Artikel Von Genua nach Chiavari – darin findest du mehr Infos.

Per Fahrrad vom Meer in die Berge

Die Etappe ist mit 67 km nicht allzu lange, hat aber zwei gute Steigungen drin, insgesamt 1700 Höhenmeter aufwärts. Am Passo di Centocroci verlässt du Ligurien und fährst in die Emilia-Romagna.

Wie immer auf solchen kleinen Passstrassen, empfehle ich dir, das Wochenende zu vermeiden, damit du nicht von irren Motorradfahrern umgeweht wirst. Falls du das Wochenende nicht vermeiden kannst, sind der frühe Morgen und die Mittagszeit zwischen 13 und 16 Uhr etwas ruhiger.

Alles fängt ganz harmlos an.

Kaffee in Sestri Levante, das übrigens eine echt schöne Innenstadt hat. Ein bisschen arg touristisch für meinen Geschmack, aber trotzdem nett. Vor allem, weil du da plötzlich auf zwei Seiten das Meer hast. Sehr verwirrend, und darum auch speziell.

So ganz nebenbei, gibts eine nette Wanderung von Chiavari nach Sestri Levante, die weit über dem Meer auf kleinen Pfaden entlangführt. Ich hatte mal das Vergnügen mitten im Winter. An diesem Südhang wärmt die Sonne die fahlen Hochnebelgeplagten. Die Region ist einfach grandios für Ferien.

Jetzt aber weiter auf dem Fahrrad auf der SP 523 ins Tal hinein, vorerst noch flach. Und immer ein bisschen steiler, bis dir klar wird, dass du dich jetzt eine Weile auf dieser Passstrasse abmühen wirst. Ich mag diesen Moment, wenn ich meinen Rhythmus gefunden habe und so langsam etwas von mir wegtrete, leicht über mir schwebe – und einfach nur pedale. Das hat wirklich etwas Meditatives.

Wenn ich hingegen den Rhythmus nicht finde, ists doof und anstrengend. Das kann sein, weil zu viel Verkehr zu nahe vorbei lärmt oder weil ich sonst neben den Schuhen bin. Heute irritiert mich ein blöder Gegenwind, der gerne böig hinter der nächsten Kurve hervorschiesst.

Ansonsten wirds auf dieser Strasse je höher, je schöner.

So siehts vielerorts im Apennin aus: viel Grün und sich den Berg hoch schlängelnde Strassen.

Von Sestri Levante nach Borgo Val di Taro

Vor der Passhöhe des Passo di Centocroci (1055 m.ü.M.) sieht es immer mehr aus wie im Schweizer Jura. Hügelig, weitsichtig, und sogar die Pferde fehlen nicht.

Der Gegenwind steigert die Herausforderung noch etwas, dafür gibt es kurz vor der Passhöhe ein kleines Restaurant, wo wir warmen Apfelkuchen bekommen! DAS entschädigt doch für alle Mühen.

Schlagrahm hätte ich natürlich auch genommen zum Apfelkuchen, aber die Italiener habens nicht so mit Rahm und Butter, leider. Also denke ich es mir hinzu und bin sehr happy mit diesem Stück Kuchen.

Zwischen Ligurien und Emilia-Romagna

Die Abfahrt ist lang und kalt. Meine Hände fühle ich nur noch so ansatzweise. Bremsen wird schwierig. Vor allem mit den kaum mehr vorhandenen Bremsbelägen. Die hatten wir auf der Piemont-Tour weitestgehend aufgebraucht.

Borgo Val di Taro (Borgotaro)

Heute übernachten wir in einem ehemaligen Kloster und der aktuellen Pilgerunterkunft in Borgo Val di Taro. Aus Covid-Gründen ist die Herberge eigentlich geschlossen, aber ein bisschen jammern reicht, um das gütige Herz des Pilgervaters zu erweichen. Wir kriegen gleich eine ganze Wohnung zur Verfügung gestellt!

Das ist ganz famos, weil wir selber kochen können. Was es heute gibt? Was wohl? Pasta!

Ach so, ja, und warum hier Pilger übernachten? Weil hier der Pilgerweg Via degli abati vorbeikommt. Das ist eine Variante der Via Francigena, die von Canterbury in England bis nach Rom führt. Die Via degli abati ist für die Schnellen und Zähen, weil sie die Via Francigena abkürzt, indem sie in gerader Linie über die Berge führt. 190 km und über 6000 Höhenmeter – viel Vergnügen.

Etappe 2: Borgo Val di Taro – Bardi

Mit dem Fahrrad durch die Emilia-Romagna

Aus irgendeinem Grund bin ich heute gar nicht auf diesen Pass vorbereitet. Ich bin davon ausgegangen, dass die gestrige Passfahrt der grosse Übergang über den Apennin war, und jetzt würde es bloss noch so ein bisschen hügelig auf und vor allem ab gehen. Eben so wie beim Passo della Cisa von Pontremoli nach Fidenza.

Falsch. Heute fahren wir nämlich auf den Passo Santa Donna. Das ist ein schöner Name, aber eben doch ein Pass auf 1000 Meter Höhe.

Und total schön zum Fahren. Völlig friedlich, kaum Verkehr.

Grandios ist dann auch die Weitsicht. Für einmal sehen wir, woher wir gestern gekommen sind. Einer der Übergänge am Horizont ist der Passo di Centocroci.

Unterwegs in der Emilia-Romagna per Fahrrad

Die Etappe endet mit dem Aufstieg, hoch nach Bardi.

Freundlicherweise windet sich diese Strasse in langen Kurven den Hügel hoch, so dass es nicht allzu steil wird.

Mit dem Fahrrad in der Emilia-Romagna

Bardi

Ein richtig spannender Ort. Hoch über dem Tal thront die Burg. Und das Dörflein ist freundlich und gibt immer wieder Blicke auf die umwerfende Umgebung frei.

Velotour in der Emilia-Romagna
Bardi in der Emilia-Romagna
Unterwegs in Bardi
Radtour in der Emilia-Romagna

Wie in der Nacht zuvor, übernachten wir kostenlos in der Pilger-Unterkunft der Kirche.

Obwohl wir das Zimmer vorreserviert hatten, sieht der Herr Pfarrer nicht ganz so begeistert aus, als er uns zwei sieht. Dann stellt er sich aber als sehr unkompliziert und freundlich heraus. Vielleicht haben wir ihn auch nur bei seinem Nachmittagsnickerchen gestört.

Die Unterkunft ist etwas einfacher als gestern, aber auch hier mit einer Kochgelegenheit ausgestattet, so dass es wieder ein Deluxe-Abendessen gibt: Gnocchi mit Burro und … eigentlich Salbei, aber den haben wir zu kaufen vergessen. Der Wein füllt die Lücke problemlos.

Radtour in der Emilia-Romagna

Wenn du nicht in der Pilger-Unterkunft übernachten möchtest oder kannst, empfehle ich dir, das Albergo Diffuso von Bardi. Das Cà del Grano*, wie das „verstreute Hotel“ heisst, bietet Zimmer in renovierten Häusern im Ortskern an.

Etappe 3: Bardi – Castell-Arquato – Piacenza

Radtour in der Emilia-Romagna

Als wir erwachen, regnets. Das ist nicht schön, wenn man Rad fahren will.

Freundlicherweise lichten sich die Wolken nach dem Frühstück. Ein paar Nebel hängen über den Wiesen, als wir losfahren. Hat auch was Schönes. Herbstliche Stimmung im Mai.

Heute gehts nur noch sanft aufwärts. Wir radeln ein paar Hügeln entlang, bevor eine sehr lange Abfahrt beginnt. Wieder mal werden Füsse und Finger kalt.

Vor Vernasca wird die Landschaft hügelig. Nur schon der Anblick der Getreidefelder und der Felsen im Hintergrund wärmt mich wieder auf.

Emilia-Romagna per Fahrrad
Vom Meer in die Po-Ebene per Fahrrad

In Vernasca verköstigen wir uns in der Bar mit einem Coppa-Brot und beobachten das Treiben auf der Piazza an diesem Sonntagmorgen.

Ein paar Treppenstufen höher thront der Uhrenturm, der schon von weit her zu sehen war.

Per Fahrrad durch die Emilia-Romagna

In der Ebene angekommen, ists schön warm. Ich mag diese kleinen Strässchen, die an Feldern und Kanälen entlang führen und immer wieder mal kleine Schönheiten zu sehen geben.

Unterwegs per Fahrrad in der Emilia-Romagna

Piacenza ist nicht mehr weit. Die Fahrt vom Meer in die Po-Ebene neigt sich dem Ende zu.

Von hier aus kommst du in einer Stunde mit dem Zug zurück nach Mailand. Auch Bologna ist nicht weit mit dem Zug.

Ich empfehle einen Ausflug ins Val Trebbia und ein erfrischendes Bad im Fluss.

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