Ich bin glücklich.

Ich brauche nur noch…

… einen Job, der mir gefällt

… mehr Zeit zum Reisen

… eine zuverlässige, ortsunabhängige Geldquelle

Kennst du das? Du bist ja eigentlich schon glücklich.

WENN du jetzt noch ein helleres Haus / ein paar Kilos weniger / lustigere Mitarbeitende / einen viferen Mann / … hättest, DANN wärst du vorbehaltlos glücklich.

 

Bedingt glücklich: wenn – dann

Ich war überzeugt:

WENN ich erst mal das Gymnasium abgeschlossen habe, DANN bin ich frei, kann studieren, was mir Spass macht und bin glücklich.

WENN ich mein Studium abgeschlossen habe, DANN habe ich einen coolen Job, verdiene genug Geld, um mir ein glückliches Leben einzurichten und habe Zeit, mich mit dem zu beschäftigen, was mich wirklich interessiert.

WENN ich heil von diesem Berg runterkomme, DANN werde ich mein Leben schätzen und für immer glücklich sein (als auf einer Bergwanderung ein Gewitter losbrach).

WENN ich den Gips von meinem rechten Arm los bin, DANN kann ich wieder Sport machen, mich frei bewegen, und dann werde ich ewig dankbar und glücklich sein.

WENN ich wieder eine Stelle finde, DANN bin ich ewig dankbar und glücklich (nach einer Reise, wieder auf Stellensuche).

Tja.

 

Auf jedes erfüllte DANN folgt ein neues WENN

Alles ist eingetroffen:

Ich habe das Gymnasium beendet, das Studium abgeschlossen, bin heil vom Berg heruntergekommen, mein rechter Arm ist vom Gips befreit, und ich habe nach der Reise wieder einen guten Job mit Festanstellung bekommen.

Insofern bin ich mindestens 5-fach glücklich. Bloss hab ichs noch nicht bemerkt.

Weil mit jedem erfüllten DANN gleich das nächste WENN auftaucht.

So verschiebe ich also mein Glück immer wieder auf später. Auf den Moment, in dem die Ziele erreicht, die Bedingungen erfüllt sind.

 

Gibts ein Leben zwischen dem WENN und DANN?

Leider habe ich übersehen, dass ich in der Zeit zwischen dem WENN und dem DANN auch noch lebe.

Diese Erfahrung ist mir kürzlich um die Ohren geflogen, als ich so heftig auf der Jagd nach meinem freien, selbstbestimmten Leben war. Du erinnerst dich: WENN ich erst mal ortsunabhängig vom Schreiben leben kann, DANN bin ich endlich frei und glücklich.

Mit dem Ziel ist alles in Ordnung.

Aber bis dahin würde ich ja auch noch leben. Nicht nur ackern wie ein Manager, der sich nicht mehr spürt. Zum Glück hat mich mein kluger Körper darauf hingewiesen, und ich bin mal kurz erwacht aus meiner Wenn-Dann-Endlosschleife.

Hoffentlich nachhaltig erwacht.

Weil ich auf diese Weise niemals zufrieden sein werde mit meinem Leben.

Ups. Fetter Brocken.

Die Frage drängt sich auf: wie denn sonst?

 

Warum nicht gleich glücklich?

Freundlicherweise werden dir ja immer die Dinge vor die Nase gehalten, die du gerade brauchst. Mit etwas Glück (oder eher Grips?) begreifst du auch rechtzeitig, dass du jetzt hinschauen und zugreifen solltest.

Diese Lektion habe ich wohl schon Dutzende Male präsentiert bekommen, aber ich habe sie nicht als die meinige erkannt. Nämlich:

Sei doch einfach jetzt gleich glücklich.

Ach!, wirst du jetzt aufjaulen, wenns so einfach wäre, wäre ja jeder glücklich.

Ja, es IST so einfach. Das Konzept zumindest. Du musst dich nur dafür entscheiden, und dann: üben, üben, üben. Die Ausführung ist nicht ganz so einfach, weil sie ein Umdenken erfordert. Ein Verändern der Gedanken und Gewohnheiten, welche dich in die aktuelle Situation geführt haben.

Das Sofort-Glück heisst:

Achtsamkeit

Jawohl, das Modewort Achtsamkeit führt dich zum Glück.

Ich weiss ja nicht, ob ich alles richtig verstanden habe, schliesslich bin ich Anfängerin. Was bei mir aber schon eine enorme Wirkung zeigt, ist:

Vorbehaltlos annehmen, was jetzt gerade ist.

Ich schaffe das bestimmt schon zu 2%. Ist irrsinnig schwierig. Ich merke oft nicht mal, dass ich gegen etwas einen Widerstand habe. Diese Widerstände zu entlarven lohnt sich aber, weil sie dann nicht mehr unbewusst und unkontrolliert herumtoben können. Leuchtet ein, hm?

Diese 2% vorbehaltloses Annehmen machen jetzt schon einen erheblichen Unterschied in meinem Alltag. Mein Lieblingsübungsstück ist meine Arbeit. Du weisst schon, die mit dem Fellausfall. Da ist der Widerstand so offensichtlich, dass ich prächtig üben kann.

Ich versuche jetzt also während der Arbeit genau wahrzunehmen, was ist (ich arbeite an einer Excel-Liste), wie ich mich dabei fühle (ich langweile mich, ich spüre einen Flucht-Impuls, ich werde wütend) und beobachte, wo in meinem Körper sich dieses Gefühl zeigt (gähnen, zapplige Beine, Kribbeln im Bauch, Lust auf Kaffee, Schokolade, Ablenkung).

Gleichzeitig bin ich voll anwesend bei ALLEM, was ich tue. Ich spüre, wie meine Finger beim Schreiben über die Tasten flitzen, ich konzentriere mich voll auf meine aktuelle Tätigkeit. Wenns geht. Und sonst probier ichs wieder, sobald ich den Autopiloten beim Übernehmen erwische.

Hoch anspruchsvoll, glaub mir. Womit ich aber nicht gerechnet hätte: es macht mir Spass. Fast gehe ich gerne zur Arbeit, weil ich da wieder üben darf. Diese schwierige Aufgabe beschäftigt mein gelangweiltes Hirn und fordert mich emotional heraus.

Vorbehaltlos annehmen, was jetzt ist, macht mich viel ruhiger, gelassener, zähmt meinen chronischen Fluchtimpuls und bändigt meine negativen Gedanken zu allem, was mir nicht in den Kram passt.

Ohne an ein WENN gekoppelt zu sein. Und kostenlos.

 

Freude

Ein zweiter Pfeiler für das Sofort-Glück ist die Freude.

Obersimpel: bring mehr Freude in dein Leben. Mach viel mehr von dem, was dir ein gutes Gefühl gibt.

Musik hören, spazieren, ein Puppenhaus bauen, singen, die Katze kraulen, mit der Nachbarin schwatzen, stricken, Kuchen backen, Kirschen klauen, Velo fahren, Gespräche belauschen, gamen, Zeitung lesen, den ferngesteuerten Helikopter fliegen lassen, an der Sonne sitzen, einen Freund auf ein Bier treffen, eine Reise planen, gärtnern, Kindern beim Spielen zugucken, wandern, lustige Videos ansehen, Yoga, fotografieren, … was immer du gern machst.

Schön, oder? Einfach machen, was du gerne machst.

Jaja, ich weiss, dein Tag ist voll, du hast keine Zeit. Aber ehrlich: willst du zufriedener sein? Dann findest du Zeitfenster, in denen du das tun kannst, was dir wirklich Freude macht. Wenn auch nur 10 Minuten pro Tag. Heute. Nicht erst, WENN…

 

Üben, üben, üben

Ich mach mich mal auf den Weg. Ich bin überzeugt davon, dass ich längerfristig mehr davon habe, mich in Achtsamkeit zu üben, als wie eine Wildgewordene mein Ortsunabhängigkeits-Ziel zu verfolgen. Das ich im übrigen schon noch verfolge, einfach gemächlicher.

Falls ich zwischenzeitlich die Spur verlieren (und in erneutes kopfloses Pläneschmieden geraten) sollte, darfst du mich gerne liebevoll darauf hinweisen, dass ich doch hatte achtsam sein wollen.

Jetzt bin ich glücklich. Ohne Wenn.

Und du?

 

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Foto: Unsplash

Kennst du das Wenn-Dann-Glück? Lebst du schon achtsam? Hast du Erfahrungen und Tipps, die du hier teilen möchtest? Ich bin froh darum!