Der Comersee per Fahrrad? Warst du schon einmal an diesem Oberitalienischen See, hast du vielleicht noch die engen Strassen und die vielen Autos in Erinnerung. Für Fahrräder bleibt da nicht viel Platz. Aber tatsächlich gibt es Abschnitte, die mit wundervollen Radwegen ausgestattet sind. Die siehst du vom Auto aus eben nicht.

Der Comersee

Der Comersee zieht sich über gute 50 Kilometer von Nord nach Süd, wobei die unteren ca. 25 Kilometer in 2 Arme geteilt ist.

Der westliche Arm endet im Süden in Como.

Der östliche Arm endet in Lecco. Hier fliesst der Fluss Adda weiter südwärts. Du kannst per Fahrrad auf dem Adda-Radweg bequem südwärts bis Cassana d’Adda und dann auf dem Radwege Naviglio Martesana nach Mailand pedalen.

Comersee: Wo du besser NICHT Fahrrad fährst

Zuerst ein paar Hinweise, wo du am Comersee besser nicht Fahrrad fährst. Eine komplette Umrundung per Fahrrad ist zwar möglich, aber ich würde nicht direkt dafür werben. Es gibt ein paar ganz schöne Abschnitte, davon berichte ich weiter unten.

Und dann gibt es Stellen, von denen ich dir abrate, das sind folgende:

  • Wenn du irgendwie kannst, dann fahre nicht am Wochenende dem Comersee entlang. Besonders sonntags bewegt sich halb Mailand, Deutschland und die Schweiz per Auto auf dieser Strasse. Zudem sind Hunderte von Rennradfahrern unterwegs. Es geht hektisch zu und her
  • An den Werktagen bist du wesentlich besser dran
  • Der südlichere Teil des Comersees kann ich nur bedingt zum Fahrrad-Fahren empfehlen
  • Unbedingt meiden solltest du das Stück auf der Ostseite vor Lecco. Von Abbadia Lariana in Richtung Lecco gibt es auf 4 Kilometern nur eine 4-spurige Schnellstrasse für alle – ohne Pannenstreifen. Das ist wie Autobahnfahren, aber eben ohne eigene Spur (Pannenstreifen). Hochgefährlich und sehr, sehr unangenehm. Ich empfehle dir, zwischen Lecco und Mandello del Lario den Zug zu nehmen.

Ab Como nordwärts findest du knappe 4 km Radweg nach Tavernola, danach musst du auf die Strasse. Leider gibt es für Autos und Lastwagen keine Alternative. Das heisst, dass sich der ganze Verkehr entlang der Westseite des Sees auf dieser zuweilen sehr schmalen Strasse sammelt. Wundere dich also nicht, wenn du als Radfahrer ab und zu ziemlich eng geschnitten wirst.

Vereinzelt kannst du in den Dörfern auf ein Strässchen am See abzweigen, während die Staatsstrasse den Ort umfährt. Das sind aber nur wenige hundert Meter, die du in Ruhe fahren kannst. Dann gehts zurück in den hektischen Verkehr.

Lecco

Meine Tour  um den Comersee per Fahrrad beginnt in Lecco. Mit der Übernachtung auf dem Campingplatz.

Der offizielle Campingplatz von Lecco befindet sich am Lago di Garlate, also südlich von Lecco. Camping Rivabella heisst er.

Die Betreiber sind unkompliziert, es gibt einen kleinen Lebensmittelladen und eine Bar. Alles klein und überschaubar, auch das Gelände. Und eben: du kannst das Zelt direkt an den See stellen.

Mit dem Fahrrad am Comersee auf dem Camping

Lecco ist Hauptort der gleichnamigen Provinz (Region Lombardei). Mit knapp 50’000 Einwohnern ist die Stadt überschaubar.

Von Mailand bist du per Zug innerhalb von einer guten Stunde in Lecco.

Im historischen Zentrum findest du eine lebendige Fussgängerzone mit hübschen Läden, Bars und Gelaterie.

Lecco
Wohnhaus südlich von Lecco

Von Lecco nach Bellagio

Achtung: auf dieser Route gibt es 2 hässliche Tunnels. Nicht unbedingt sehr gefährlich, weil beleuchtet, aber überaus ungemütlich. Wenn du die Tunnels meiden willst, nimmst du ab Lecco einfach das Schiff bis Bellagio

Vom Camping Rivabella in Lecco aus starte ich in Richtung Bellagio. Das ist also am Westufer des östlichen Comersee-Arms.

Zuerst ists wunderschön, kaum Verkehr. Ein kleines Strässchen schlängelt sich nahe am See über Hügelchen und an Herrschaftshäusern vorbei. So richtig zum Geniessen.

Und dann kommen eben die beiden Tunnels. Je knappe 2 Kilometer. Das scheint jetzt nicht so übermässig schlimm. Ists auch nicht. Sie sind weder sonderlich eng, noch sehr dunkel. Aber trotzdem, sei einfach darauf gefasst.

Nach den Tunnels kannst du dich auf ein attraktives Landsträsschen freuen. Immer wieder öffnen sich Badestrände, gefolgt von kleinen Ortschaften. Verkehr gibts fast keinen bis kurz vor Bellagio.

So ist Fahrrad fahren am Comersee eine Freude!

Fahrrad fahren am Comersee
Zwischen Lecco und Bellagio
Bellagio

In Bellagio nehme ich die Fähre nach Cadenabbia auf der Westseite des Comersees.

Fähre auf dem Comersee vor Bellagio
Schiff vor Bellagio

Westseite ab Cadenabbia nordwärts

Von der Schiffanlegestelle in Cadenabbia aus fährst du ein Stück auf der Hauptstrasse, die hier im nördlicheren Teil schon nicht mehr so arg befahren ist wie um Como herum.

Menaggio ist unbedingt eine Pause wert. Einfach, um die kleine Piazza und die Stimmung am See zu geniessen.

Menaggio per Fahrrad
Im Zentrum von Menaggio
Gelato-Wagen in Menaggio
Lungolago von Menaggio am Comersee

Ab Menaggio fährst du eine Weile auf der Hauptstrasse, die jetzt von einer Reihe von Tunnels durchsetzt ist.

Das Coole ist aber, dass jeder einzelne Tunnel eine Fahrrad-Umfahrung hat. Du brauchst also nicht durch die düsteren Tunnels zu wanken und hast erst noch eine erstklassige Spur für dich dem See entlang. Total komfortabel.

Auf einem Umfahrungsstück ist auch eine Ziegenfamilie unterwegs:

Ziegen auf dem Radweg am Comersee

Nach den vielen Tunnel-Umfahrungen beginnt der Fuss- und Radweg direkt am See.

Fuss- und Radweg am Comersee

Die Herausforderung ist es, die Wegweiser zu erkennen. Die können etwa so aussehen. Vielleicht steht auch einfach „Pista ciclabile“ oder „Ciclopedonale“ oder etwas in der Art.

Hinweisschild zum Radweg am Comersee
Radweg am Comersee

Nicht so schlimm also, wenn du den Abzweiger nicht sofort findest, es gibt immer wieder Möglichkeiten. Zudem ist der Radweg immer wieder von Zuflüssen unterbrochen, so dass du ohnehin wieder hoch zur Hauptstrasse musst.

Einmal auf dem Radweg angekommen, erwartet dich aber ein überaus hübscher Weg, der entlang von Prachtshäusern, Campingplätzen und Gärten führt.

Radweg am Comersee
Radweg am Comersee
Radweg am Comersee
Radweg am Comersee
Radweg am Comersee

Auf dem Radweg gehts immer weiter bis zum nördlichsten Punkt des Comersees, wo der Fluss Mera einfliesst. Um den zu überqueren, musst du kurz auf die Autobrücke, und nochmals eine Brücke über die Adda, und zack, bist du schon wieder auf dem Radweg in Richtung Colico.

Ab Colico geht übrigens der ganz fantastisch-grandiose Radweg Sentiero Valtellina bis nach Bormio ab, den ich dir dringend ans Herz lege. Du kannst darauf auch die lustige Runde um Bormio beginnen.

Mach dich in Colico auf zünftig Wind gefasst. Nicht umsonst ist das ein Lieblingsort von Surfer-Fans.

Ich stelle mein Zelt auf dem Camping Green Village auf und habe ordentlich mit dem Wind zu tun. Obwohl der Camping geschützt in einer Bucht liegt.

Zelt mit Fahrrad am Comersee

Ab Colico fahre ich immer südwärts, Lecco entgegen.

Am Morgen ist es noch schattig und kühl. Der Wind bläst mir bereits am Morgen entgegen, wird über die Stunden immer heftiger und böiger. Aber die Sonne scheint, der See glitzert und die Strasse ist ruhig.

Auf der Ostseite des Comersees fährt es sich relativ ruhig auf der Provinzstrasse SP72, die durch die parallele, modernere Staatsstrasse SS 36 entlastet wird.

Immer wieder prächtige Abschnitte mit Seepanorama und durch gut restaurierte Dörfer.

Lungolago am Comersee

Manchmal wirds sogar leicht abenteuerlich auf dem Fuss- und Radweg. Hier in Dervio:

Fussgängerbrücke am Hafen von Dervio

Ganz besonders gefällt mir Varenna. Von nah, wie von ferne:

Mittagspause mit dem Fahrrad in Varenna
Varenna von Süden gesehen

Südlicher von Varenna wird die Hauptstrasse hektischer.

Abstecher an den See lohnen sich immer wieder. Hier zum Beispiel in Lierna:

Schwäne mit Nachwuchs bei Lierna am Comersee
Holztür im alten Teil von Lierna am Comersee

Als letzter Ort vor Lecco schaue ich mich in Mandello del Lario um. Ein Mordswind bläst, und es ist Mittagszeit. Deswegen ist der Ort wie ausgestorben. Aber auch so ist zu erkennen, wie hübsch die Altstadt am See ist.

Kletterpflanzen an alten Häusern in Mandello del Lario am Comersee

Und eben, wie gesagt, ab Mandello del Lario nimmst du am besten gleich den Zug nach Lecco. Die 4 Kilometer auf der Schnellstrasse sind nicht nur ungemütlich, sondern wirklich gefährlich.

Wenn du dich fragst, wie das gehen soll mit bepacktem Fahrrad in einem italienischen Zug, dann guck dir doch gleich die Wegleitung dazu an:

Fahrrad-Transport in Italien