Wieder einmal darf mein Fahrrad auf Reisen gehen. Die übliche Frage drängt sich auf: wie kann ich mein Fahrrad nach Apulien transportieren? Taranto in Apulien (Stiefelabsatz) ist mein gewünschtes Ziel.

Von der Schweiz bis Milano ists einfach: Fahrrad-Ticket lösen, allenfalls Fahrradplatz reservieren, Fahrrad in den Zug, los gehts. Ab Milano beginnt die Herausforderung.

Hier der holprige Weg des Suchens, Durchfragens, Lesens, Erwägens. Und vielleicht eine Hilfe für dich, wenn du ähnliche Pläne hast.

 

Zug

Ich habe ja schon so meine Erfahrungen gemacht mit dem Fahrrad in italienischen Zügen, gute wie weniger gute. Es wird Zeit, die Sache nochmals ernsthaft zu prüfen:

 

Regionalzug

In Italien darfst du das Fahrrad in den Regionalzügen mitnehmen, es gibt meistens extra Velo-Wagen. Das ist sehr günstig, auch die Fahrrad-Tageskarte kostet nur 5 Euro.

Der Haken: Nimmst du ab Milano die Regionalzüge, schaffst du es nicht in einem Tag bis nach Bari, geschweige denn Taranto. Die günstigste Verbindung geht aktuell so:

Tag 1:

Winterthur – Zürich (Abfahrt um 6 Uhr morgens)

Zürich – Milano (Ankunft ca. mittags)

Milano – Bologna (14 Uhr ab Milano)

Bologna – Ancona (etwa 21 Uhr in Ancona)

Übernachtung in Ancona

 

Tag 2:

Ancona – Termoli

Termoli – Foggia (leider nur Autobus – ich habe meine Zweifel, ob dieser ein voll montiertes Fahrrad mitnimmt. Ein Regionalzug fährt diese Strecke nur morgens um 6 oder um 14 Uhr)

Foggia – Bari

Bari – Taranto

Fazit: Machbar, wenn du viel Zeit und Sitz-Ausdauer und nichts gegen Umsteigen mit Sack und Pack hast. Nicht zwingend die finanziell günstigste Variante, weil du die Übernachtung mitrechnen musst.

 

Schnellzug

Toll, es gibt einen Schnellzug von Milano bis Lecce. Das Fahrrad darf mit. Zerlegt im Packsack. Die Masse, die Trenitalia für diesen Packsack vorgibt, dürften für ein Kinder-Fahrrad passen:
80 x 110 x 40 cm

Vielleicht auch für ein Rennrad. Oder eben: beide Räder demontiert.

Ich bleibe dabei: Vor der Reise schraube ich nichts an meinem Rad rum, sonst beginnt der Ärger schon, bevor ich überhaupt losfahre. Das Hinterrad mit der Nabenschaltung werde ich jedenfalls ganz sicher nicht demontieren.

Zudem: Wie soll ich denn das schwere Rad im Packsack plus meine zwei Seitentaschen plus meine zwei Packrollen mit Zelt, Matte und Schlafsack durch die Bahnhöfe tragen?

Fazit: Eine formidable Variante für jene, die sich nicht vor Technik fürchten und idealerweise zu zweit reisen.

 

Nachtzug

Grandios: abends um 20 Uhr in Milano in den Zug steigen, am nächsten Morgen um 6 Uhr in Bari aussteigen. Dazwischen wirst du im Schlaf herumgewackelt, das ist schön. Genau so will ich reisen.

Gleiches Problem wie im Schnellzug: Das Fahrrad muss in einen Zwergen-Packsack. Und man hört, dass die Platzverhältnisse in den Nachtzügen prekär sind. Wenn du einen Liegewagen-Platz reservierst, muss das Fahrrad mit in dieses Abteil. Die sind ja ohnehin schon eng – ich kann mir das nicht so ganz vorstellen.

Jemand hat mir erzählt, auf einer Reise im Nachtzug nach Italien hätte sein Fahrrad schliesslich im Bett übernachtet und er selber auf einem freien Sitz sonstwo im Zug. Das nenne ich mal vollen Einsatz für sein Rad, chapeau!

 

Flugzeug

Das machen ja alle, die in Neuseeland oder auf der Panamericana oder in Island radfahren gehen: sie packen das Rad in einen grossen Karton und fliegen an den gewünschten Ort.

Mit meiner Klaustrophobie, dem generellen Misstrauen der Physik gegenüber und einer guten Portion Ökologie-Bedenken, vermeide ich das Fliegen so gut es geht. Eine Freundin redet mir gut zu, es doch zu versuchen, um mir die Qual einer endlosen Reise zu ersparen. Deswegen gehe ich der Spur etwas genauer nach.

Tatsächlich fliegt Swiss direkt von Zürich nach Bari oder Brindisi. Einfacher Flug zu ca. 300 Euro. Also los.

Die unfreundliche Dame im Call Center informiert mich, dass Swiss am Flughafen eigens für Fahrräder Kartons zur Verfügung stellt. Pedalen weg, Lenker querstellen, Luft aus den Pneus lassen, Velo in den Karton schieben, fertig. Kostet 60 Franken extra. Gut, klingt fair.

1 Gepäckstück ist im Ticketpreis inbegriffen.

“Was mache ich mit den übrigen drei Taschen?”, frage ich Frau Swiss aus dem Call Center.

“Es ist nur ein Gepäckstück in einem Ticket inbegriffen. Mehr müssen Sie separat bezahlen”, leiert sie die Info herunter.

“Ja, eben, deswegen frage ich ja. Haben Sie eine Lösung für Radfahrer mit den zusätzlichen Taschen?”, frage ich immer noch freundlich.

“Welche Taschen?”

“Ich habe zwei Fahrrad-Taschen und zwei weitere Packrollen.”

“Wozu?”, will sie wissen

“Die schnalle ich mir aufs Fahrrad.”

“Warum nehmen Sie nicht einfach eine?” Frau Swiss versteht mich nicht. Mich beschleicht der Gedanke, dass sie noch nie davon gehört hat, dass man mit dem Fahrrad reisen kann. Vermutlich hat sie einfach noch nie ein Fahrrad mit Packtaschen gesehen.

Ich danke für die nützliche Info und verabschiede mich. Insgeheim bin ich ja froh, dass sich die Fliegerei auch nicht als perfekte Lösung aufdrängt.

Später erzählt mir ein erfahrener Mit-Fahrrad-Flieger, dass er jeweils die grösseren, leichteren Teile, wie Schlafsack, Matte, Zelt, Regenjacke direkt zum Fahrrad in den Karton stopft. Ist zwar von den Fluggesellschaften nicht so gemeint, spart aber tüchtig an Zusatzgepäck.

Fazit: Fliegen dürfte die schmerzloseste Variante sein, wenn du weder Angst noch ökologische Bedenken hast.

 

Bus

Den Bus vergesse ich immer. Dabei sei er das ökologisch verträglichste Transportmittel, noch vor dem Zug. Und unverschämt günstig.

Fahrrad nach Apulien transportieren: vielleicht – vielleicht auch nicht

Zweimal wöchentlich fährt ein italienischer Bus praktisch vor meiner Haustür los nach Apulien. Toll. Vor der Haustür einsteigen, am Reiseziel aussteigen.

Nur – rate mal was? Das Busunternehmen will keine Fahrräder mitnehmen. Allerallerhöchstens noch, wenn es in Einzelteile zerlegt, gut verpackt, sprich nicht mehr als Fahrrad erkennbar ist. Und auch nur dann, wenn es genug Platz im Gepäckraum hat. Das kann man halt erst am Abfahrtstag feststellen.

Das konkrete Angebot lautet also: Kaufen Sie für sich eine Fahrkarte, bringen Sie das Fahrrad im Packsack mit, und wenn es dann Platz hat, nehmen wir es mit.

“Und wenn es dann keinen Platz hat?”

“Dann können Sie es leider nicht mitnehmen.”

Die Frage, ob ich es dann einfach auf der Strasse stehen lassen soll, erspare ich uns.

 

Fahrrad-Papiere

Ein anderes Busunternehmen würde ab Zürich nach Apulien fahren. Das Büro in der Schweiz will mir zum heiklen Fall „Fahrrad“ keine Auskunft geben, ich muss ins Hauptquartier in Bari anrufen. Die Dame ist im Gegensatz zum Swiss Call Center sehr engagiert, die Bedingungen des Unternehmens aber ähnlich fahrradfeindlich wie beim zuvor kontaktierten Busunternehmen. Die hier setzen sogar noch einen obendrauf:

“… und Sie müssen unbedingt die Papiere fürs Fahrrad mitbringen”, sagt die freundliche Dame in Bari in den Hörer.

“Papiere?”, frage ich, an meinen Italienischkenntnissen zweifelnd.

“Na, der Besitznachweis.”

“Also, ich hätte höchstens noch die Kaufquittung”, fällt mir ein. “Wozu brauchen Sie denn die Papiere?”

“Jaja, eine Quittung reicht. Wegen dem Zoll. Mit den Fahrrädern gibt es immer Schwierigkeiten am Zoll. Sie müssen nachweisen können, dass das Fahrrad Ihnen gehört. Falls wir es überhaupt mitnehmen können. Rufen Sie einen Tag vorher an, vielleicht können wir Ihnen dann sagen, ob es noch Platz hat.”

Also auch nix. Nicht wegen den Papieren. Weils zu unsicher ist.

 

Flixbus

Ich stolpere über eine Werbung von Flixbus/MeinFernbus. Die Unternehmen haben fusioniert. Offenbar sind dadurch ein paar Linien mehr dazu gekommen. Jedenfalls meinte ich bisher immer, das deutsche Unternehmen würde nicht südlicher als bis Milano fahren.

Tatsächlich gibt es aber eine Verbindung Milano – Bari, sowohl Tag- wie Nachtbusse. Und die Deutschen haben Fahrrad-Plätze, das weiss ich. Begeistert rufe ich an und will mir gleich einen Platz buchen, aber:

“Tut mir leid, auf der Linie Milano – Bari gibt es keine Fahrrad-Plätze. Nur im Bus von der Schweiz nach Milano. Im Gepäckraum transportieren wir keine Fahrräder.” Soviel zu Flixbus.

Fazit: Komfortabel und günstig. Wenn du starke Nerven hast und bis zum Tag vor der Reise auf einen Mitnahme-Entscheid warten magst, dann ist der Bus dein Transportmittel. Mir fehlt schlicht die Gelassenheit.

 

Fähre

Mein bevorzugtes Transportmittel, um mit dem Velo eine grosse Distanz zu absolvieren, ist die Fähre. Sizilien, Sardinien, ganz einfach von Genua aus zu erreichen. Das müsste ja mit Apulien auch möglich sein, schliesslich haben Bari und Brindisi grosse Fährhafen.

Zum Beispiel von Venedig aus. Venedig – Bari, das ist die Lösung. Aber nein, gibts nicht. Inneritalienische Verbindungen gibt es nur ab Genua, und die auch nur von und zu den Inseln. In der Adria gar nichts Inneritalienisches, ausschliesslich Verbindungen zu ex-jugoslawischen und griechischen Häfen. Ich müsste erst von Venedig nach Dubrovnik, und von da nach Bari übersetzen. Durchaus reizvoll, aber heftig umständlich.

Fazit: Vergiss die Fähre, kein Weg nach Apulien.

 

Der Entscheid

Sieht so aus, als könnte ich mich entscheiden zwischen zwei Tagen Regionalzug-Fahrt mit einer Übernachtung und 6 Mal Umsteigen. Oder ich freunde mich damit an, mein Fahrrad in einen Packsack zu tüten.

Wie meine Reise nach Apulien schliesslich verläuft, erfährst du in diesem Bericht.

 

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