Für dich: mein vollständiger Sardinien Fahrrad-Bericht aus dem Velojournal!

 

Weils so schön war, nochmals ein Artikel über Sardinien. Diesmal meine gesammelten Unterkunfts-Erlebnisse.

An Sardiniens Küste hat es paradiesisch viele Campingplätze. Deswegen habe ich meistens im Zelt übernachtet. Fehlte der Campingplatz, bin ich auf B&Bs oder Hotels ausgewichen.

 

Camping Baia Saracena (Palau)

Keine sonderlich gute Erinnerungen habe ich an den Platz, weil

  • mein Zelt verhagelt wurde
  • ich vom Restaurant-Personal miserabel behandelt wurde

Behandelt, ja. Frauen, die alleine reisen, wissen, wovon ich rede: Erscheinst du alleine zum Essen in einem Restaurant, kommt es vor, dass du wie ein Ding behandelt wirst. Nein, wie ein minderwertiges Ding, vielleicht so ein herumliegender, nutzloser Karton. Der einzige Unterschied ist, dass sie sich von mir Geld erhoffen, insofern nicht wirklich auf mir herumtrampeln. Physisch nicht, aber:

Lustig gemacht haben sie sich über mich. Und über eine andere Frau, die alleine ass, ebenfalls. Und gemeint, wir kapierens nicht. Macht man sowas? Ich glaube an Karma und wünsche ihnen viel Glück auf ihrem weiteren Lebensweg.

Bedient haben sie ok.

Und ich gebs zu (aber sehr ungern): das Essen war gut.

Und die Lage direkt am Meer ist sehr schön.

Mehr nicht. Ich bin immer noch sauer.

 

International Camping Valledoria

Zum Gück gibt es den kompletten Gegensatz am nächsten Ort: richtig freundlich, offen, zuvorkommend.

Auf diesem Platz komme ich sehr spät, sehr müde an und werde so freundlich begrüsst und zu meinem Platz geführt, dass die Müdigkeit gleich wieder weg ist.

Glücklicherweise ist das Restaurant geöffnet, und auch die allein reisende Frau wird wahrgenommen, begrüsst, hervorragend bedient und bekocht, angelächelt, kurz: wie ein vollwertiger Mensch behandelt.

Das Gespräch mit dem Chef am nächsten Morgen ist spannend. Im Winter ist er Koch in einem Wintersportort im Piemont, wo er ursprünglich herkommt. Im Sommer dann auf Sardinien. Und dazwischen jeweils ein Monat Ferien.

Und diese zwei Monate sind mehr als verdient: während der Saison gibt es kaum einen freien Tag. Es wird einfach durchgearbeitet.

Und trotzdem sind sie in diesem September noch voll für die Gäste da. Ein echtes Profi-Team mit Herz!

 

Camping Golfo dell’Asinara

Naja. Saisonende. Alles schon halb geschlossen. In den Sanitäranlagen wird nicht mehr repariert, was kaputt gegangen ist. Kann man dann auf die nächste Saison hin richten.

Mehr als ein Bier kriegt man im Restaurant nicht mehr. Immerhin. Damit kann man es sich am direkt angrenzenden Strand gemütlich machen. Da ist es dann aber wirklich hübsch.

Dass ich nachts von einer Gruppe rücksichtsloser, lauter Franzosen umzingelt werde, ist nicht schön, dafür kriegen sie dann jeden meiner Handgriffe mit, als ich frühmorgens mein Zelt abbreche.

 

B&B Al Martin Pescatore (Stintino)

Stintino ist ein charmanter Ort ganz im Nordwesten der Insel:

Stintino

Stintino

Hier gibts keinen Campingplatz, darum also ab ins B&B.

Die Gastgeberin ist aus Kuba, sehr freundlich, engagiert und hilfsbereit. Auch im blitzblank sauberen Zimmer fühle ich mich wohl.

Und das Frühstück bekommt man in der Bar direkt am Meer. Was für ein erhebender Start in den Tag!

 

Camping La Mariposa (Alghero)

Die gefühlt 200 deutschen Jugendlichen tragen wenig zur Nachtruhe bei. Ganz toll ist aber, dass man von diesem Platz aus immer am Strand entlang in etwa 30 Minuten bis ins Stadtzentrum spazieren kann.

Strand von Alghero

Strand von Alghero

 

Hotel Al Gabbiano (Bosa Marina)

Der Entscheid, im Al Gabbiano zu übernachten, ist eine Art Notwehr. Nach der Passstrasse von Alghero nach Bosa bin ich etwas quengelig drauf: zu müde, um Bosa zu besichtigen, zu wenig müde, um nichts zu tun.

Das Hotel in Bosa Marina ist dann eine Fundgrube, weil ich zu einem fairen Preis ein richtig grosses, schönes, helles Zimmer mit Balkon und einer Ecke Meersicht bekomme.

Bosa

Bosa

Wenn ich jeweils ein solches Zimmer abbekomme, will ich es gar nicht mehr verlassen, weil es eine Art Ersatz-Zuhause ist. Mein Zimmer, in dem ich mich ausbreiten, alle Geräte aufladen, bei echtem Licht im Bett lesen und im Idealfall mit stabilem wlan mit der Welt kommunizieren und überhaupt schreiben kann.

Im Extremfall hats sogar einen Haartrockner. Stell dir das mal vor: ein Haartrockner, der Gipfel des Luxus.

 

Camping Is Aruttas (Sinis-Halbinsel)

Der Campingplatz mit dem tollsten Strand vor der Tür. Und unschlagbar offenem und zugänglichem Personal in der Bar und im Restaurant. Ich gehöre schon fast zur Familie.

Über die Sanitäranlagen mag ich nicht weiter nachdenken, die stammen aus dem frühen letzten Jahrtausend.

Aber der Strand, echt: Quarzsand, total schön. So sieht Quarzsand aus:

Quarzsand am Strand Is Aruttas

Quarzsand am Strand Is Aruttas

 

B&B Kala e Moru

Tja, was soll ich sagen: ein Segen, dass die in der Bar wussten, dass Mariano ein Zimmer vermietet. Ansonsten – lies weiter:

Am Scheisstag dieser Ferien (jede Reise bietet ja irgendwann mal den Scheisstag) und mit den fetten Regenwolken im Nacken, will ich nur noch eins: ein Zimmer, in das ich mich verkrümeln kann. Aber weit und breit nur leere Ferienwohnungen, weder ausgeschilderte Hotels noch B&Bs noch sonst was Einladendes. Ein Glück also, als sie in der einzigen Bar weit und breit wissen:

Mariano vermietet hier ein Zimmer, drei Strassen weiter.

Kala e Moru - von der Gewitterwolke verfolgt

Kala e Moru – von der Gewitterwolke verfolgt

Mariano ist ursprünglich aus Milano, hat hier ein Ferienhaus und vermietet darin ein Zimmer, wenn er selber vor Ort ist.

Das Zimmer ist klein und hat keinen eigenen Eingang. Ich fühle mich wie im Kinderzimmer, Mariano mein Vater, der auf mich aufpasst. Er ist aber durchaus sympathisch, hat Humor, ist unkompliziert.

Weil ich so erledigt bin, machte ich den Fehler der Fehler, wenn es um Unterkünfte geht: ich handle bei der Ankunft keinen Preis aus. Die Überraschung folgt am kommenden Morgen, als ich frage, was ich ihm schulde.

„Siebzig“, sagt Mariano.

Ich lache. Er hat wirklich Humor.

Weil er nicht so sehr lacht, werde ich unsicher.

„Wieviel? Entschuldige, ich habs nicht richtig verstanden.“

„Siebzig Euro“, wiederholt er.

„Für ein Einzelzimmer, siebzig Euro?!“ Wenns noch eine Riesenluxusbude wäre, ok. Aber ein Kinderzimmer zu dem Preis? Nein!

„Es steht auf der Preisliste im Zimmer“, erklärt Mariano.

Richtig, die habe ich auch gesehen. Doppelzimmerpreise sind aufgelistet.

Einzelzimmerpreise sind jeweils etwas die Hälfte des Doppelzimmerpreises plus zehn Euro. Meistens 30-40 Euro. Das erkläre ich dann auch so. Ich bezahle doch nicht für zwei.

Er: „Ob du alleine bist oder zu zweit: meine Arbeit ist dieselbe.“

Korrekt. Wie in jedem Hotel oder in jedem anderen B&B. Bloss gibts da immer Einzelzimmerpreise.

Er lässt sich nicht überzeugen. Und ich habe keine Lust zum Streiten. Zum Glück habe ich nur 55 Euro bei mir, und so beginne ich die Kompliziert-Masche:

„Wo hats denn da einen Bancomat? Oder nimmst du Kreditkarte?“

Schnell lenkt er ein, nimmt die 55 Euro, und ich reise ab.

Schade irgendwie, das Gefühl vom Gerettetwordensein hat diese Verhandlungen nicht überdauert.

 

Camping Tiliguerta (Costa Rei)

Ein Riesenbetrieb. Alles spricht Deutsch. An der Reception wird mein Italienisch nicht gewürdigt, man spricht Deutsch mit mir. Die sprechen aber wirklich gut, besser als ich, wenn man genau hinhört.

Der Platz ist auch vorwiegend von deutschen Wohnmobilen belegt. Die italienischen Dauercamper brechen gerade ihre Burgen ab. Die Saison ist vorbei.

Ansonsten spüre ich für einmal nichts vom Saisonende: der Laden ist offen, die Bar ist offen, das Restaurant ist offen, das Personal freundlich, die Sanitäranlagen blitzblank sauber.

Und: nochmals so ein Strand. Hier ist das Wasser türkisfarben und klar, der Strand kilometerlang. Die Costa Rei. Wunderschön!

Costa Rei

Costa Rei

Das ist übrigens der Platz, wo irgendein Schussel meinem Zelt dreimal den Hering aus dem Boden reisst und wo mich ein deutsches Paar zum Nachtessen einlädt.

Doch, da bleiben schöne Erinnerungen.

 

Camping Iscrixedda (Lotzorai)

Alles unter Pinien. Ich liebe das!

Und: sehr gutes Essen im Restaurant, herzliches Personal, ein grosses Angebot im Laden, praktische, saubere Sanitäranlagen. Alles tipptopp.

Leider ist es derart stürmisch, später regnet es sogar ein wenig, und ich bin ohnehin nur eine kurze Nacht hier, deswegen kriege ich den Platz kaum mit.

Empfehlenswert, auch zum Längerbleiben. Im Sommer gibt es Fähren von Genua nach Arbatax. Dieser Hafen ist gleich um die Ecke. Anfangs Oktober ist die Verbindung allerdings schon eingestellt. Wie so oft in Italien ist alles nur auf die kurze Sommersaison ausgerichtet.

 

B&B Da Francesca (Dorgali)

Uff, da war ich in Not!

Total verregnet, triefend und schlotternd komme ich Dorgali an, nach einer langen, anstrengenden, aber spektakulär schönen Passfahrt. Dem ersten B&B-Wegweiser, den ich wahrnehme, folge ich, und stehe bald vor Francescas Tür.

Sonntag Nachmittag um 15 Uhr. Das ist der italienische Familien-Moment schlechthin. Ich getraue mich fast nicht zu läuten, nur schon weil ich so nass bin, und dann noch um diese Zeit. Aber eben, ich erfriere sonst.

Völlig unkompliziert werde ich aufgenommen. Ein Riesenzimmer mit Riesenbalkon und funktionierendem wlan und – nein, leider keinem Haartrockner. Trotzdem bin ich selig. Auf dem Balkon esse ich die Pizza, die ich unten im Dorf geholt habe. Bei diesem unsäglichen Pizzaiolo, von dem hier schon mal die Rede war.

Und dann: das Frühstück! Francesca und ihre Mutter sind begnadete Bäckerinnen. Was sie mir da auftischen, ist so gut, dass ich mir überlege, eine weitere Nacht zu bleiben.

Lauwarmes Fladenbrot, Kekse, Apfelkuchen, Mandelgebäck, selbst gemachte Konfitüre. Und alles geschmacklich ein Wunder.

 

Hotel Baia Marina (Marina di Orosei)

Ein weiterer Glückstreffer. Dass es zugleich meine letzte Unterkunft auf Sardinien ist, habe ich so nicht vorgesehen. Ein würdiger Schlusspunkt.

Der Receptionist ist die Freundlichkeit in Person und beweist Humor. Mein Velo kriegt einen Tiefgaragenplatz, das hatten wir auch noch nie. Und mein Zimmer, wow! Hier könnte ich richtig Ferien machen. Mit Balkon. Und: Haartrockner!

Das hübsche Städtchen Orosei ist zehn Fussminuten entfernt, der lange, feinsandige Strand ebenso. An diesem Strand und in meinem Prinzessinnenzimmer habe ich diesen Artikel geschrieben.

 

Die Fähre

Man vergesse nicht die Fähre, auf der habe ich schliesslich auch zweimal übernachtet.

Tief im Bauch des Schiffs sind die Pullman-Sitze versenkt. Ein grauenhafter, fensterloser Raum. Wie ein Kinosaal. Als Klaustrophobikerin kriege ich in solchen Räumen fast Zustände.

Zuerst meine ich noch, ich werde mir sonstwo auf dem Kahn ein Plätzchen suchen, um zu schlafen, aber da bin ich längst zu spät. Die routinierten Fähr-Fahrer belegen die angenehmen Plätze, sobald sie auf dem Schiff sind. Alles schon besetzt.

Also lege ich mich nach dem Eindunkeln doch in den Schiffskeller. Genau genommen ist man auf einem Schiff ohnehin eingesperrt, ob der Raum nun zuunterst oder zuoberst ist. Weil die Fähre nicht ausgebucht ist, kann ich mich quer über drei Sitze ausstrecken und schlafe doch einige Minuten.


Und du? Warst du schon einmal auf Sardinien? Wo hast du übernachtet, welche Erfahrungen hast du gemacht? Ich freue mich über Ergänzungen zuunterst im Kommentarfeld.