Liguriens Küstenabschnitt teilt sich in den Westteil Ponente und den Ostteil Levante (levare = sich erheben – wo die Sonne sich erhebt). Die Ponente habe ich schon einmal bis Savona abpedalt. Die Levante habe ich immer im Zug gemacht. Deswegen will ich jetzt per Fahrrad von Genua in mein geliebtes Levanto fahren. Dass es anstrengend wird, ist mir klar. Aber so…?!

Von Genua nach Chiavari per Fahrrad

Infos im Überblick

Start: Genua Porto Antico

Ziel: Chiavari

Distanz: 45 km

Höhenmeter: ↑↓  931 hm

Übernachtung: Camping Lo Scoglio in Lavagna bei Chiavari

Verpflegung unterwegs: Focacceria Buon Appetito in Genua Nervi – und praktisch überall unterwegs

Start in Genua

Nachdem ich von Piacenza nach Genua gefahren bin, geht es jetzt dem Meer entlang ostwärts weiter. Das ist erst mal hoch erfreulich, weil die Küstenstrasse, die Genua vom Touristenhafen aus verlässt, richtig nah am Meer ist. Lange kannst du auch noch auf dem grosszügigen Gehsteig fahren.

Das wirkliche Highlight von Genua ist für mich Genua Nervi. Als ich eine Weile in Mailand lebte, war Nervi das perfekte Winter-Ausflugsziel für einen trüben Sonntag. In Nervi wärmt die Sonne Körper wie Seele, und das Glitzern auf dem Meer bei Sonnenuntergang, vergisst du so schnell nicht mehr.

Passeggiata Anita Garibaldi in Genua Nervi

Verpasse auf keinen Fall den Spazierweg mit dem Namen „Anita Garibaldi“, der über 2 Kilometer immer dem Meer entlang führt. Er beginnt beim „Porticciolo di Nervi“, beim kleinen Hafen, und endet in Capolungo – oder natürlich auch umgekehrt.

Doro Staub am Porticciolo Nervi auf der Passeggiata Anita Garibaldi in Genua

In Genua Nervi bietet sich auch ein Bad im Meer an. Ich kann dir einfach nur empfehlen, unter der Woche hierher zu kommen – und eher nicht im August, aber das gilt ja für praktisch jeden Ort am Meer in Italien. Es sei denn, du willst mal die volle Ladung Italien erleben. Dann ists cool.

Baden im Meer bei Genua Nervi

Eine der allerbesten Focacce, die ich gegessen habe, kam aus dem kleinen, versteckten Laden gleich am Bahnhof Genua Nervi, die Focacceria Buon Appetito.

Die Lage scheint denkbar ungünstig gewählt, praktisch unterhalb der Bahngeleise, aber der Laden ist praktisch immer voll. An einem schönen Sonntag stehen die Hungrigen hier Schlange bis auf die Gasse hinaus.

Öffnungszeiten der Focacceria in Genua Nervi

Diese Öffnungszeiten kannst du dir leicht merken: geöffnet, wenn das Wetter schön ist.

Schlange vor der Focacceria in Genua Nervi

Vor der Focacceria Buon Appetito hats praktisch immer eine Schlange.

Küstenweg in Genua Nervi
Klippen in Genua Nervi
Sonnenuntergang am Meer

Park und Rosengarten von Nervi

Vergessen wir vor lauter Focaccia nicht den Park, der gleich oberhalb der Passeggiata Anita Garibaldi liegt. Hier kannst du genüsslich in die Wiese liegen und in den Himmel gucken. Oder die vielen verschiedenen Rosen bewundern. Oder die prächtige Villa Grimaldi.

Frei zugänglich – einfach hineinspazieren.

Genua Nervi Rosengarten

Recco

Also, nach Genua Nervi fährst du weiter der Küstenstrasse entlang.

Bis Recco geht alles ganz gut. Immer ein bisschen Auf und Ab, aber alles noch ganz moderat.

Dann eben: Recco.

Kleine Klammer: aus Recco kommt die Focaccia di Recco, die so gar nicht wie eine Focaccia aussieht. Der Teig ist ganz fein, fast wie bei einer Crèpe, und zwischen zwei dieser feinen Teigblätter liegt geschmolzener, warmer Crescenza – Frischkäse. Anständig essen kann ich diese Focaccia die Recco nicht, aber sie gibt dir Power für 500 Kilometer am Stück.  Oder so.

Rezept und Bild zur Focaccia di Recco findest du hier.

Aber zurück zur Fahrradtour: tu dir den Gefallen und glaub deinem Fahrrad-Navi nicht, wenn es dir sagt, du sollst die Hauptstrasse verlassen, wenn nach Reccos Zentrum der Anstieg beginnt.

Ich mache den Fehler und gerate auf die steilste Strasse der Welt. Als ich merke, dass ich hier nur mit grösster Mühe hoch komme, bin ich schon zu weit zum Umkehren. Ein alter Mann schaut mich entgeistert an, als ich an ihm vorbeikeuche.

„Geht diese Strasse nach Santa Margherita?“, schnaufe ich ihn an.

Er: „Du kannst es ja probieren.“

Haha, das ist eine ermutigende Aussage. Er schiebt noch nach, dass ich alternativ alles wieder hinunterfahren könnte, was ich in der letzten halben Stunde raufgekrampft bin, um zurück auf die Hauptstrasse zu gelangen. Bloss um erneut den Anstieg zu machen.

Also quäle ich mich weiter. Das Strässchen darf man ruhig als „malerisch“ bezeichnen. Es wäre wirklich schön hier. Ich schiebe jetzt, weil es zu steil zum Fahren ist. So sehr war ich schon länger nicht mehr gefordert.

Jeder Aufstieg hat irgendwann mal ein Ende. Im aktuellen Fall bin ich offenbar auf einer Art Passhöhe. Zur Belohnung gibts einen netten Ausblick auf Camogli und das weite Meer:

Aussicht auf Camogli
Aussicht auf Santa Margherita Ligure

Santa Margherita Ligure und Rapallo

Du ahnst, was nach diesem happigen Aufstieg folgt: runterfräsen.

Die Abfahrt nach Santa Margherita Ligure ist toll. Weils warm ist, weil ichs mir verdient habe, weil Runterfahren immer toll ist (ausser bei Kälte und Regen), weil ich immer aufs Meer blicke.

Bloss lande ich nicht in Santa Margherita, sondern in Rapallo. Zu schnell an einem Abzweiger vorgeigeflitzt, vermute ich.

Macht nichts, ich muss nicht zwingend nach Santa Margherita, bin bloss etwas neugierig, weil das offenbar ein beliebter Ferienort ist.

Rapallo gefällt mir auch.

Bar in Rapallo

Nach Rapallo wirds easy – meine ich.

Ist aber nicht so. Ein bisschen schon zu Beginn. Dann nochmals ein kaum endender Aufstieg. Ein E-Bike zieht locker-vergnügt an mir vorbei, und ich sehne mich genau nach einem solchen Gefährt. Nach meiner ersten E-Bike-Erfahrung weiss ich, wie leicht sich ein solcher Aufstieg mit Batterie-Unterstützung fährt.

Auch hier: irgendwann ist der höchste Punkt erreicht. Und es geht wieder hinunter. Schussfahrt nach Chiavari!

Chiavari, Liguria

Chiavari

Chiavari ist toll.

Lebendig, hübsch, nicht zu gross, nicht zu klein, direkt am Meer, aber nicht so ein gesichtsloser Badeort. Nun ja, letzteres mag daran liegen, dass der Strand nicht attraktiv ist.

Umso lohnenswerter aber das Zentrum von Chiavari. Die barocken Häuser, die Piazza mit ihrem Markt, die Laubengänge.

Es gibt hier das beste Gelato und einen Lebensmittelladen… da muss ich sofort an diesen Fisch-Kartoffel-Kapern-Gratin denken. Oder an die Krautstieltorte – und natürlich kriegst du hier auch die Focaccia di Recco (siehe oben, falls du den Teil frech überscrollt hast).

Lungomare von Chiavari

Die Strandpromenade von Chiavari

Hauptplatz von Chiavari mit Markt

Markt auf dem Hauptplatz von Chiavari

Rosa Barockfassade in Chiavari
Kirchturm in Chiavari

Antica Gelateria Verdi Chiavari

Ich muss hier nochmals ein Wort zu dieser Antica Gelateria Verdi loswerden:

Wenn du je nach Chiavari kommst, dann ist dieses Eis Pflicht. Ich halte es für eins der besten, die ich je gegessen habe. Manche findens zu schwer. Eben. Probiers selber.

Ich schwöre auf Gianduja mit Himbeerstückchen. Das ist im Grunde eine Wiener Sachertorte in Eisform. Alleine für dieses Gianduja-Eis lohnt sich eine Reise nach Chiavari.

Auch Crema catalana soll hervorragend schmecken.

Gianduia Eis in Chiavari
Eingang zur Antica Gelateria Verdi in Chiavari

Antica Gelateria Verdi in Chiavari von aussen

Gelateria Auswahl

Hier bist du mitten im Paradies. Eis wählen – schlemmen!

Der Kaffee ist übrigens auch sehr gut hier.

Campingplatz Lo Scoglio in Lavagna

In Chiavari selber gibts keinen Campingplatz, aber in der Nachbargemeinde Lavagna. Die beiden Gemeinden sind durch einen Fluss getrennt, scheinen aber sonst komplett zusammengewachsen.

Jetzt ists ganz fies, wenn du schon ein paar üble Aufstiege in den Beinen hast und auf den Camping Lo Scoglio in Lavagna willst: Von der Hauptstrasse aus kannst du durch ein Tor in den Camping gucken, aber das ist nicht der offizielle Eingang. Dafür musst du… nochmals einen knackigen Aufstieg bodigen! Das hat dann aber den Vorteil, dass du weg von der viel befahrenen Hauptstrasse bist und einen tollen Blick übers Meer hast.

Auf dem Camping gibts eine eigene Zeltwiese, das schätze ich immer sehr. Und in diesen späten Septembertagen ist kein Mensch mehr am Zelten, ich habe die Wiese wie auch die Sanitäranlagen ganz für mich allein.

Wer keine Lust mehr hat, zum Einkaufen nach Lavagna oder Chiavari hinunterzugehen, kann im Minimarkt auf dem Camping das Nötigste einkaufen.

Und was mir hier ganz besonders gefällt: die Terrasse mit den Pingpong-Tischen, die sich über der Reception befinden:

Tischtennis-Tische auf dem Camping Lo Scoglio in Lavagna
Abendstimmung über dem Campingplatz in Lavagna

Vom Camping aus kannst du direkt zur Strandpromenade von Lavagna gelangen.

Ein älteres Paar am Meer in Lavagna, Ligurien

Dieses Paar hat mich total verzaubert.

Haben alle anderen ihre Smartphones gezückt (ich auch), um den Sonnenuntergang zu fotografieren, sitzen die beiden voller Hingabe vor ihrem Spiel, 5 Meter vom Meer entfernt.

So will ich auch mal mein Alter verbringen.

Abendstimmung über dem Meer bei Chiavari, Ligurien

Ach ja, was noch zu sagen bleibt: ich bleibe zwei Nächte in Lavagna – und nehme dann den Zug. Mein Vorhaben, bis Levanto per Fahrrad zu fahren, erliegt meiner mangelnden Bereitschaft, nochmals solche mordssteile Strassen zu fahren.

Ich komme wieder per E-Bike.